Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1846)
- Date
- 1846-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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371 ob die Wiederherstellung einer würdigen Sabbatkffcier ein religiöses Drdmfniß sein wird. Durch einen dircctcn Ansspruch gegen die Verlegung würde man allerdings einen Eingriff in die freie Entwicklung geihan haben, was silbstgeständig gegen die Stellung der R. V. wäre; aber durch den Mangel eines Ausspruches für die Verlegung hat man nichts gctban, was die freie Entwicklung fördern könnte, mithin das zn ilnm unter» lassen, was allerdings in der Stellung der Rabbiner- Versammlung liegt. Jndeß ist dies nur unsere individuelle Ansicht, auf die wir keineswegs eigenwillig pochen, und wollen mit der Rabbiuerveriammlung auch nicht rechten, daß sie eine andere Ansicht als die richtigere ge ballen hat. Trotz unserer Abweichung in diesem Punkte und über die prinzipielle Ausgabe der R. V. stimmen wir doch mir Geiger ans vollem Herzen überein, daß die Versammlungen deutscher Rabbiner „das kräftigste Institut seien, aus dem ein gemeinschaftlich berathencr, ein in weiter Verbreitung durchdringender, auf Sachkcnntuiß und Lebenserfahrung beruhender Fortschritt erwachsen kann, das Institut, das immer mehr als mächtiger Hebel sich bewähren wird zur Läuterung unserer religiösen Zustände." Die R. V. möge daher trotz dem, daß die öffentliche Meinung sie so bitter getadelt, dennoch des Beistandes und der Theilnahme aller den Fortschritt liebenden erleuchteten Juden auch für die Zukunft sich versichert halten. Ich will nur noch che ich diese Epistel schließe an obige Erörterung eine kurze Betrachtung knapsen. Es haben sich bis jetzt in den Rabbinerversammlungen zwei Ansichten geltend gemacht, die von zwei Fractiouen vertreten werden. Ein großer Theil der Mitglieder erkennt die Aufgabe der Rabbinerversammlung in dem Werke der Befreiung der Religion von der starren Aeusserlichkeit und Gesetzlichkeit. Es erscheint dieses Streben und Verfahren für den ersten Blick als ein rein negatives, wie das Jammergeschrei, welches von vielen Seiten über den Geist der Verneinung, in der ersten Versammlung von Schott und Philippson, in der zweiten von Frankel und in der dritten von Stein erhoben worden ist und hie und da in und außer der Versammlung Anklang und Nachklang gefunden hat, dies hinlänglich beweist. Doch ward dieser von dem richtigen Grundsatz geleitet, daß diese Negation uns eine illusorische und scheinbare im Grunde eine positive sei, indem die Religion in dem Maße als sie von der Aeusserlichkeit entleert wird, von der Innerlichkeit, welche an die Stelle jener tritt, wieder erfüllt werden müsse. Man bat dies deutlich gefühlt und im 1. §. der Statuten klar genug ansgedrückr, indem man den Zweck der R. V. in „die Erhaltung und Fortbildung des Indent hu ms," welche beide nach der Ueberzeugnng der R. V. von einer Reform in bezeichncter Weise bedingt ist, den Zweck der R. V. setzte und noch die Belebung des religiösen Sinnes" als erklärenden Beisatz hinzufügte. Indem man von dem Streben sich getrieben fühlte, die Religion immer mehr und mehr von der Erstarrung zur äußerlichen Gesetzlichkeit zu reinigen und zu befreien, mußte man conscqncnter Weise mehr oder minder klar das Bewußtsein haben, daß das Endziel aller Bestrebungen kein Anderes sein könne, als die endliche und gänzliche Befreiung der Religion von aller und jeglicher Aeußerlickkeit und die geistige Belebung derselben zur Innerlichkeit. In der ganzen bisherigen Geschichte des JudentbnuiS fand man nickt nur keinen Punkt, auf den man die Religion zurückftihren, sondern auch keinen, an welchen die Reform anknüpsen könnte. In der Geschickte sah man nur Entwickelung und jedes ältere Stadium von einem jünger» überwunden. So gering die Za bl der in Braunschwelg versammelt gewesenen Rabbiner war, so w doch ein Theil derselben kubn genug, sein Relrgivnsbewußtsein für das höchste zn halten, welches das Judentbum als solches bis jetzt belebte, und nur eine unendliche Entfaltung des Bewußtseins war die Devise, welche man sich erkobren. Daher das entschiedene Ablehnen des angesonncnen Ans pruches von bestimmten Prinzipien, von einem allgemeinen und prinzipiellen Protest gegen den Talmud, dessen Auloiikät man wiederholt als gebrochen bezeichnete, weil solche Piinzipien einerseits dem Bewnßlseiu von einer ins Unendliche gebenden geschichtlichen Entwicklung und Läuterung der Religion gegenüber nicht genügten nnd man anderseits sich durch solche nickt die Hände binden wellce. Taber auch die schiefe Stellung zn dem Frcnkmrter Resormverein, welcher solche Prinzipien urgirie, obne auf das positive Ziel aller Entwicktungsfahigkeir, die Innerlickkeit der Religion, hinzuweiscn und etwas für dessen Erreichnng thun zu wollen, und endlich daber auch die freundlichere Stellung zur Berliner Resormgenossenschast, die nicht