Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1846)
- Date
- 1846-11-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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30* gut zu maßen. — Hiernach können Sie sich einen Begriff machen, | wie cs in unseren Synageg n aussicbt. U berall, und bcsoiivcrs auf dein Lande, die traueigke religiöse Einöse, der unerhörteste religiöse Smmp'sinn. Wollen Sie Beweise, so lassen Sie sich nur von den öfteren Schlägereien erzählen, die in unfern Gottes, häuirrn stattsinven; oder sehen Sie, mrt welcher Geistlosigkeit und Stupivilät alles Rcliz öse behandelt wird. Ich selbst sah , wie in der einen Sy-'agoge, noch vor beendigtem Gottesdienste ein Mann seine Tabackspfcife am Lichte der Synagoge a «zündete. 2> rnn ich nicht irre, sagt Lessing irgendwo: „Wer bei gewissen Dingen ven Verstand zu verlieren nicht Gefahr läuft, der har keinen zu verlieren"; und dazu liefern leider unse e Zustän.-e einen neuen Beleg, der uni so niederschlagenver ist, als nicht emmal eine Aussicht zu einer gründlichen Abhülfe vorhanden ist. Die Hindernisse der Reform in Ungarn. (Aus Ungarn.) — Trotz dem erhöhenden Gefühle für das wahre Wohl seiner Mitgenossen zu arbeiten, bemächtigt sich doch sehr oft der heutigen Kämpfer für jüdische Reform, besonders in uns.rm Ungarlande, ein Mißbehagen, welches die festesten Entschlüsse wankend zu machen, die innersten heißen Gefühle ab. zukühlen im Stande wäre, wenn demselben nicht Erscheinungen zu Grunde lägen, die man nur kennen zu lernen braucht, um ihnen ihren Einfluß zu nehmen. Wie zu erwarten, sind cs zunächst die stabilen Talmudisten, welche so viel Aergerniß zu machen suchen. Zu ihnen gesellt sich rer größte Theil ähnlicher Menschcn, welche nicht Talmudisten aus Profession sind, sondern auf eine sogenannte weltliche Weise ihr Brod verdienen müssen. Die min pflegen diese Leute zu sagen, gleiche einer Uhr, nur der Künstler darf es wagen, mit dem Hammer drein zu schlagen; wer ihr Inneres nicht kennt, muß behutsam mit ihr umgehen. Eine dritte Klasse bildet die durch Zahl und sonstigen Ein« puß eine bedeutsame Rolle spielenden, /uv. Ignoranten. Ist es gleich überraschend, wie Menschen für eine Lehre kämpfen welche für sie ein verschloss neS Buch ist, für eine Art zu leben, welche für selbe am meisten rrschw renv ist; und gegen Menschen kämpfen, die eigentliche Kenner der Sache sind, um welche es sich handelt; und welche an Banden feilen, die sie selbst am wenigsten drücken; ist es einem Kenner lächer.ich, wenn ein ny die Faust ballt für die Buchstabenheiligkeit eines Werk s, welches ihn wie einen Fisch zu zerreißen erlaubt, ihn zu würgen für ein Geringes achtet, ja ihm zwar die Härte zum Gerben überlassen muß, aber den Genuß des Rindfleisches nur den Talmudisten gestattet; so sind sie es doch, welche fast allgemein die Masse bilden und der heiligen Sache der Reform daS mächtigste Hinderniß in de» Weg legen. Eine Mittelklasse zwischen piNH Dy und |"iöb bildet das, nicht wenig störend auf die nach Verwandlung strebenden Gemeinden wirkende Dienerpersonal '□’lDytyö) derselben, der eigentlich chikane- und räiikevolle Theil der Stabilen, die den Fluch “p D’"Dy in allen den Gemeinden realrsi'reii, welche die heilige Aufgabe der Zeit verkennen. Ihre D'ttfDsy sinds, welche sie beherrschen, ihre D’J“üp, die jenen Lebenskeim verwünschen und ersticken.*) Wem sind endlich unter den streng Obskuren nicht schon die januököpsigen Gelehrten ausgefallen, die hier Freunde der Weisheit sich schelten lassen — und dort der Wahrheit Ohrfeigen versetzen; — die schale Frömmelei angelegentlich predigen, ohne sic zu üben — und immer nur von den gemeinsten Inter, rssn sich leiten und beherrschen lassen. Erwägt man nun noch, daß Ungarn ein Land lst, wo es sich zunächst noch um Civilisation handelt; wo ein ungeschlachter, gemeiner Ton die Haustr beherrscht,**) und bei dem größten Theile der Juden noch nicht die ersten Elemente der Bildung Wu-.zel gefaßt, so wird man d e Schwierigkeit der Aufgabe nicht verkennen, den religli's.n Veredlungen, dem bürgerlichen Aufschwünge, den wrssenschasllichen Ansprüchen wahrhaften Anklang zu verschaffen. Nur eine über alle irdische Rücksichten erhabene Liebe zur Wahrheit unter den Vorkämpfern ist selbst da im Stande dem Lichte Eingang zu verschaffen — und den Bemühungen der Hölle Hohn zu sprechen. M. F. *) Eine Gemeinde Ungarns, welche eine Säule der antirmanz:pat.oiiellcn Bemühungen und der Verwilderung jüdischer Jiimtute ist, wird rein von ihr r großen Zahl D'-QJWDunb be» ren Verwandten gestimmt unv geleistet. **) Sehr nachtheilig wirkt hier auch die Antipathie gegen das deutsche Element. Als die Augebuegcr Allgemeine Zeitung die falsche Nachricht brachte, daß die Frankiurter Rabbinerver« sammlung einen Rabbiner, weil er ein Ungar war, ausgeschlossen; wurde sogleich in einem ungari>ch»n Journale bemerkt: „B.ver auch die ungarischen Juv.n den deutsch»n Geist ernhaucheu sollen, mögen sie lieber alle Reformen fahren lassen." Darum wirv auch, obgleich die Zaal der eingcbornen Rabbinatökanridat.n und der bess ren Schulen äußerst gering ist — uno von ven inländischen wifferrschaftlichen Raboinen nur Pil- Utz, Zrpscr unv Steinhardt dieses Amtes würdig sind, doch schw rrrch cm Ausländer eine Anstellung finden. Verlag der I. C. Hermann'jchen Buchhandlung m Frarrksurt a. M. — Druck von Fried. Krähe iu Offenbach.