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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-15 · Heft 46 (15.11.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 46 (15.11.1846)
Date
1846-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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367 ßen zu wünschen. Möchte es doch deutschen Rekormgenossenschaften nicht genügen, nur ihre religiösen Verhältnisse freundlich und menschlich zu gestalten, sondern sich auch am Wohle leidender Stre« bensgrnosscn bethätigen! Anstalten, ähnlich dem Gustav - Adolph- Vereine, würden der Reform selbst im Slavenlande einen ungeheuer« Vorschub leisten. So anspruchslos unsere Reformbestre, düngen hier auch sind, so scheitern sie gegenwärtig dennoch, thcils an unserer Mittellosigkeit, theils aber auch an den Hindernissen, die uns der Aberglaube in den Weg setzt. Erfreueten sie sich aber eines Stützpunktes in deutschen Resormgenossenschaften, wahrlich sie würden gedeihend und heilbringend zum Wohle der hiesigen Iudenheit sich entfalten. So mußte beispielsweise der in unserm Zethause bereits eingeführte würdige Chorgesang aus Mangel an Mitteln zur großen 'Freude der Finsterlinge wiever aufhören, und ie Einführung der deutschen Predigt, mit der unsere löblichen Zorsteher sich so ernstlich befaßten, mußte ebenfalls aus pekuniären stücksichten eingestellt werden. Einer von den hier aufgetrcteneu Drobeprcdigern, rin Schlesier, ist, wie man sich hier versichert, aus -urer Verzweiflung (wir zweifeln, ob über sein Nichtansprechen, 'der über unsere Mittellosigkeit) Mehlhändler geworren. Ein hiefger Talmudist, deren wir leider noch sehr viele haben, erklärte lese Erscheinung als talmudisch, ganz in der Ordnung mit dem bekannten m*n H2p j'X DN. Obendrein blieb der werdende Prediger, der stets ein Talmudverehrer war, durch die geistreiche Berufsänderung ein Jünger der Weisheit — und wird auch derselbe durch seinen gegenwärtigen Beruf talmudisch belohnt. {TUN iOyy. Jüdische Zustände. (Aus Kurhesscn.) — Wenn Sie unsere inneren Zustände nach unfern äußeren messen, mein weither Herr Redakteur! nach dem Rechte, das man uns in vollem Umfange gewährt, nach der freien, edlen Stellung, die man uns, wie n keinem anderen Staate des deutschen Vaterlandes eingeräumt o irren Sie sehr! Unsere religiösen Zustände, die wahren Ga^ rantien aller Sittlichkeit und aller Freiheit, sie bieten leider ein sehr trauriges Bild dar, und daran trägt offenbar die Verordnung von 1623 die Schuld. Sie wissen, daß nach dieser die demeinde-Aeltesten die nächste Aufsicht über die Verhältnisse des »ultus- und Schulwesens haben; daß den ersteren der Kreisworsteher und diesem das Provinzial-Vorsteher-Amt vorgeseßt, und daß die obere, gewissermaßen berathendc und gesetzgebende Behörde, das sogenannte Landes-Rabbinat, bestehend aus den Provinzial-Rabkinen und den Mitgliedern der verschiedenen Borsteher-Acmter, bildet. Dieser Organismnö hat viel Gutes, und macht wegen der Selbstständigkeit die unsere Staatsregierung den jüdischen Corporationen eingeräumt hat, derselben alle Ehre. Aber er hat auch seine Schattenseite, die vornehmlich darin besteht, daß unsere Angelegenheiten größtentheils von Geschäftsleuten geleitet werden, die bei dem persönlichen Interesse, das hie und da vorwaltct, nicht immer sich ein freies und unbefangenes Urtheil bewahren. Jnsonders tritt dieses auf dem Lande hervor, wo nicht selten der zum Aelte st en gewählte rohe Viehhändler oder Krämer seine Herrschaft über den Lehrer geltend macht, die sehr betrübend, ja mitunter tragikomisch ist. So kam ein Lehrer zu H. einmal am Ausgange des Sabbaths nicht zur rechten Zeit in die Synagoge. Flugs ist der gestrenge Herr Aelteste, ein Sackträgcr, hinter ihm her und straft ihn vor versammelter Gemeinde um zwei Pfund Wachs. Vorstellungen dagegen blieben ohne Erfolg. Dazu kömmt, daß in der Regel die Willkür des Vorstehers nicht einmal in der Bildung des Lehrers eine moralische Schranke findet, da diese mit wenigen Ausnahmen (wohin ich besonders den in Barchfels rechne, der sich auch der Unterstüßung eines sehr einsichtigen Vorstehers erfreut) eine sehr dürftige ist. Ausgediente Soldaten erhalten den Zutritt in daS sogenannte jüd. Seminar zu Cassel und werden dort nach kurzer Zeit als Lehrer zugestntzt. Waarcnhändler, Buchbinder rc., wenn sie nur gute Sänger sind, finden Anstellungen und bleiben dann nicht selten daneben ihren früheren Beschäftigungen treu. — Und unsere Rabbinen? ach, das sind auch, wenige abgerechnet, Hirten, aber „nicht nach dem Herzen des Herrn", die die Heerde statt zu weiden, zerreißen, und am Fleische und an der Milch — wenn auch nicht zu gleicher Zeit — sich laben? Immer vergehen zwei und drei Jahre, ehe man dieselben einmal in der Schule sicht, und ist nicht gerade eine Hochzeit im Orte, so kommen sie auch in dieser Zeit nicht. Ebenso schonen sie sich beim Predigen und wissen auch ihre Gemeinden dabei vor dem gefährlichen Gift der Neologie und Philosophie zu wahren, mit Ausnahme des Hru N — g in F —a, der Ihnen schon als ein freisinniger Kopf bekannt ist, und dieses auch in der eklatantesten Weise bewährt. — So nahm er keinen Anstand, vor ei« niger Zeit in einer Predigt zu sagen, daß man eigentlich wegen begangener Sünden gar nicht strafbar sei; denn vor der That könne man doch wegen dieser nicht in Strafe genommen werden, und während derselben auch nicht I2pn HSP DlttfD, und nach ihr wieder nicht, denn es sei doch einmal das Geschehene nicht wieder

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