Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1846)
- Date
- 1846-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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305 Der junge Czarcnsobn, Großfürst Constantin, hat der Wilhklmspflege — Israel. Wasen - Verein — 100 ff. als Gnadengeschenk überwiesen. Diese Anstalt verdankt ihre Entstehung und Erhaltung meist den nnausgrsetzien Bei Übungen des I>r. Dreifuß. K rchenrath Maier in Stuttgart schreibt, wie man vernimmt, eine neue jüdische Liturgie für die Synagogen des Königreichs Würtemberg, so daß die N-ligionslehrer, die keine theologische, homiletische Studien gemacht haben, keine selbstverfaßte Predigten mehr vertragen dürfen, sondern rclig.öse Betrachtungen aus dieser Liturgie zu verlesen haben. Auf der Ui'iveisl'tät Tübingen soll sich der bekannte Privatdocent Oppenheim, gegenwärtig in Heidelberg, rehabilitiren. Es wäre das eine schöne Acqnisition. — Nabb ncr Lewengarv gibt sich viele Mühe, in seinem Nabbinate Synagogalgesangvereine einzufiihren und hat auch schon m Sontheim am Neckar einen solchen zu Stande gebracht. — Pr. W. ssermann, Rabbiner in Muhringen, bleibt uns durch die Berufung Fasselö nach Cassel, erhalten. — Unser schwäbischer Rießer — Pr. Carl Weil — hat bei dem Zweckcssen an dem Eisenbahn - Ereffnungsfrste kinen geistvollen Trink pruch ausgebracht, den die Corre'pondentrn rer meisten süvdeutschen Zeitungen auS dem Gedächtnisse wieder gaben. Schlesische und Krakauer Zustände. (Krakau, im Oct.) — Aus Schlosst,,, wo ich einige Zeit an verschiedenen Orten geweilt, hrimkrhrenv. bin ich in den Stand gesetzt. Ihnen, Hr. Redakteur, einige Mittheilungen über jüdische Zustände unseres Freistaates, wie auch Schlesiens, z» machen Ist auch der Berichterstatter jüri'cher Zustände immer vernrtheilt eine und dieselbe Jerenuaec anzustimmen, so erfreut sich derse.be wenigstens des Vortheils, daß er nur von jedem Lande eine Gemeinde zum Vorwurfe braucht, um ein Bild der Gesa,»mt-Jiidenhrit des Landes, dem sie angedört, zu entwerten. Die U: suchen , der Gebrechen slav scher Juden, wie ihre schrecklichen Folgen, sind allbekannt, und hierüber Worte zu verlieren, wäre jammerschade. Hier müßte ein zweiter Moses erstehen, uns alle die Wunder, von denen die Bibel w naiv spricht, verrichten; namentlich aber siinem Erziehniigsprincipe nachahmen, aus der Jugend Menschen heranbil.en. ES müßte aber ein vorurtheilsfreier Moses sein. in welchem die Liebe zur Menschheit glühete, und der Ne mag sche Kraft besäße, Wasser ans Felsen uns Manna wer weiß woher zu schaffen. Vermögen wir auch nickt dem englischen Moses die Liebe zu seinem Volke und die pekuniäre Macht abzu'prechen, so ist dennoch die Anwendung beider sein Wirken, selbst wenn er einige Tankend Juden über den all »tischen Ocean führe, höchst unbedeutend und unersprießlich. Weil eben dieser engl.sche S r eine acht trübe, mittelalterliche Anschauung vom Judenthume hat und sein Aberglaube, der auf goldene», Booen recht gemüthlich erscheint , gestaltet sich auf den Steppen Rußlands und Polen zum schrecklichsten Zerrbilde. Anstatt daß jenrr Moses das geknechtete Israel zuvörderst vom ägyptischen Aberglauben befreite, werden die polnischen Unglücklichen noch in demselben bestärkt. Glauben Sie, ein reicher Sir mit einen, Sebocket und einer wandernden koscheren Küche, dieses dem sl tvischen Juden so imposante religiöse Bild, influirt mehr auf iorcn Aberglauben als 10 Rabbiner- Versammlungen. Findet sich auch unter den deutschen Reformern keine solche Persönlichkeit, die ihren auf. rsp ichertrn Mammon auf den Altar der Menschheit zu deren Heil und eigener Unsterblichkeit darbrächte; so sollten eben die Genossenschaften — nicht genügsam selbst zufrieden mit ihren errungenen Brosamen, wie: Gesang, Predigt und Orgel, europäische rel giöse Gebräuche, Beseitigung jedes Synago.zemSkandals, und wie alle die kleinlichen Lapalien heißen, von denen Deutschland seit Jahren erdröhnt — gemeinschaftlich zum Heile der Menschheit wirken, und planmäßig dem unglücklichen Israel Beistand leisten. Freilich wäre dies ein Riesenwerk, aber gewiß dem löblichen Streb.,, der Genossrilschaften angemessen, ihrer ganz würdig. Denn was rinein Einzelnen unausführbar, ist einer Gcsammtheit gewiß erreichbar, „ainentlich, wenn Eefcr für Men>'chenwohl fie durchdringt. Schulen, reip. Erziehungshäusrr, wenn auch nur von geringer Zahl, die auf deutschem Boven fußten, unabhängig wäre», deren Lehrer gründliche deutsche Bildung mit hebräisch * talmudilchem Wissen paarten, und im Geiste d.r Rabbinerversammlung lehrten — könnten mit der Zeit den wüsten religiösen Boden urbar machen, unsere religiöse Anschauug ändcrne überhaupt ein 'n ’DVO JDT aus uns gestalten, dessen Gegentheil wir nun find. Nicht etwa um Talmud zu lehren, bedürfen die Lehrer seiner Kenntniß, sondern um sich hierorts die nöthige Achtung zu verschaffen, die gewiß odne Talmud-Wissen dem Gelehrtesten hier zu Lande entzogen würde. So parador diese Erzieh,mgsivee im ersten Augenblicke auch sein mag, so ist dennoch deren Begründung durchaus nicht schwierig. Wenn die lieben Misssonäre, deren wir Krakauer, wie Sie wissen, zwei besitzen, hierorts wie überall außer der Bibelverbreitung. durchaus unter Inden nichts erstreben und ihrer Gesellschaft ein enormes Geld jährlich vergeuden, so ist dies aus einfachem Grunde ganz in der Ordnung. Anders wäre es aber, wenn im Slavenlande Erziehungshäufer mit tüchtigen Lehrern entständen. Sie fänden hier einen Boden, welcher der Menschheit hundertfache