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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-15 · Heft 46 (15.11.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 46 (15.11.1846)
Date
1846-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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304 besonnenen und mit dem Fortschritt, wie mit der R,b- | binerverfammlnng cs wohl und redlich meinenden Man- | ner sich bemä tätigte. Man fand cs sogar incons-q.lent Und von einer so intelligenten Gemeinde wie die Frankfurter unerklärlich und unvereinbar mit den vorjährigen Aenßerungen von Beifall und freudiger Z lstimmnng. Sind auch die Resultate dürftig, rief man, so Haht Ihr ja schon Gelegcnhclt gehabt, Enck» von dem freisinnigen Geiste zu überzeugen, der die Ber Übungen durchwehte; wahrend Ihr nun im vorigen Jahre, da Ihr den Beratbungen aufmelksam folgtet, an diese Euch hieltet, dieser znjatt'Uztet, Halter Ihr Euch jetzt an die nackten, mageren Beschlüsse. Allein in WaHiHeit ist es eben der Gel ft der Berathungen, und nicht das Resultat, mit dem man in diesem Jahre so sehr und mit Recht unzumeren war. Tie vorjährigen Sympathien gelten durchaus nicht dem Beschlüsse über die hebr. Sprache sondern dcni ihn bervorrufenden Prinzip, dem Zeug« Niß, welches die Mehrheit der B.rsammlung ablegte, daß sic es für ihre Pflicht halte, der Wahrheit der inner» Ucb rztugung die Ehre der Aussprache nicht vorzuenihalten, sur ihre Geltendmachung durch alle ihr zu Gebote stehenden Mittel zu wirken und nur den Willen der Gemeinde, d. H. der moralisch unüberwundenen Mawr zu weichen. Diese Kundgebung von dem Geiste der Ehre und der Pflicht, welcher die Versammlung beseelte , hatte alle Männer des Fortschritts mit großer Freude erfüllt, die man dem Bcrf. in einer Adresse zu erkennen zu geben sich beeilte, und welche selbst der später verlesene ungen igenoe Comimssionsbericht Über den Sabbath nicht zu traben im Stande war, weil man sicher erwartete und erwarten durfte, das unter so gewaltigen Kämpfen zum Sieg emporgerungene Prinzip der Wahrheit und Ehrenhaftigkeit werde, zumal da noch ein volles Jahr die Reife und Erstattung desselben in 'Aussicht stand, in den Beratbungen schon zur Geltung gebracht werden. Diese Erwartung wurde von der dritten Versammlung auf das Auffallendste getäuscht. Die Beschlüsse und der Geist der BeratHungen über den Cabbalh sind sämmtlich ein sakrischer Widerruf jenes Princips. Man war überzeugt, den offenen Bruch zwischen Lehre und Leben durch sie nicht Heilen zu können, und halte dennoch nicht den MuiH, das ein* zig mögliche crtreme Heilmittel der Verlegung zu nennen, ja man vcrivahrte sich zum großen Theil dagegen. Man täuschte sich und Andere mit der Phrase, durch eine würdige Sabbathfeier werde das religiöse Gefühl wieder erstarken und das Leben zum Weichen bringen, und drückte darüber gewaltsam die Augen zu, daß die bestehenden Verhältnisse die Wiederherstellung einer würdigen Sabbakhfeier nicht zulassen und darum die Erstarkung des religiösen Gefühls unmöglich machen, daß nur von der verlegten SabbatHfcicr diese Erstarkung zu hoffen wäre. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Verschiedenes aus Würtemberg. (Vom Neckar, im Dct.) — Wer das Leben in den söge« nannten Kchiloth kennt, weiß auch, wie die Festzrit dazu verwendet wird. um an Straßenecken und in den Synagogrnhöfen di« Tagesbrgebeiihciten zu besprechen und zu bekritteln. Der Jude auf dem Lande ist zu sparsam, um im Wirtbshau'e den politischen Kannengießer zu machen. In den Ci-ewrotb-Brüderschaften entwickelte die jüdische Propaganda ihre Thäkigkeit. ste waren die Clubbs, die reu Gemeindesteuern, Nabbincn und Lehrern oft sehr gefährlich wurden. In Würtemberg aber sind diese Institute unter die Obhut der Nabbinate gestellt, und nur gesetzlich befähigt« Neligiouslehrrr dürfen die allfabbathlichc religiösen Vorträge bei ihnen halten. So sind auch die Volksrediier auf die Straße gedrängt und hier entfaltet sie noch ihre publieistssche Thätigkeit. Die Ooerkirchenbehorde unv ihre neuesten Erlasse waren die The. mata der Unterhaltung. Man meinte: das Ministerium habe di« Autonomie auf dem religiösen Gebiete res Judenthums verlegt, weil cs gestützt auf den Beschluß der Nabbiuerversammlung den Frauen d e Rrinigungsbäder in Barwaunen aucinpfohlcn hat; und die OberkirchenbeHörde, sie verdränge durch das Verbot der Profanmelodien den Nationalgesang und die gute alte Sitte. Einige junge Kausteute, welche die Festzeit auswärts zugebracht, erlaubten sich zwar anderer Meinung zu se.n und wollten wissen, daß der Gottesdienst in Stuttgart, Buchau u. a. O. ohne Polkasunv Walzermelvdicn, ohne Opern - Nemiiiiscenzen und polnische- Gekreisch, erhebend war und die geist- und gemüthvollrn Predigten der Rabbiner unv die Catechese mit der erwachsenen Jugend di« Zeit besser unv nutzbringender ausfüllten, als die schnurrigen Sangesweifen. —

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