Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1846)
- Date
- 1846-11-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Schulen zu sammeln, nicht für jeden von Einzelnen gemachten Ausspruch verantwortlich sein kann: können wir doch einem Zeitgenossen, dessen ausgebreitete Gelehrsamkeit anerkanot ist, dessen historischer Kritik es gelang die dunkelsten Winkel des barbarischen Mittelalters bis auf vergessene Begebenheiten und Persönlichkeitenplausibel zu erleuchten, erwarten: daß er uns, nach seiner inneren Ueberzeugung, seine Auslegung der angeführten Bibelstellen motivire. Ein voruehmthuendeS Jgnoriren, würde dem Stolze eives gewöhnlichen Rabbi angemessen sein, und des Beifalls jener sich erfreuen, denen Rabbiner-Autorität höher steht, als heilige Schrift und Bernunftschlüsse. Aber einem Manne von Gelehrsamkeit, von Edelmuth und von Wahrheilsliebe, kann eine Aufforderung nur willkommen sein, seinen belehrenden Unterricht, nach seiner innigsten Ueberzeugung, auch der Fassungskraft des einfachen ungelehrten Denkers gemäß erthrilen zu wollen. Don einem lernbegierigen Nichttheologen. Miscellen. Der kalte Sinn vieler Aufgeklärten den neuesten Reformbewegungcn gegenüber erinnert an die Schilderung, welche 0r. Pinoff von dieser Classe entwirft. „Sie begehen — sagt er — vieles Religiös - Gesetzwidrige, geheim und öffentlich, da sie den Widerspruch zwischen dem Religiös-Gesetzlichen und den Bedürfnissen des Lebens erkennen. Sie haben sich von der (talmudischen) Sabbaths- und Festtagsfeier losgcsagt, essen die unerlaubten Speisen und besuchen seltener das Bethaus und haben sich einen eigenen Typus ihrer Religionsgebräuche gebildet. Sie wissen sehr wohl, wie unhaltbar, wie seicht die alten Gebräuche sind, weichen ihnen deßhalb aus, verfallen aber in jedem Augenblicke, eben weil sie kein Prinzip haben, in den alten Plunder wieder zurück und gerathen auf diese Weise in ewige Controversen mit sich und der Aussenwelt." „Um wie viel leichter" — sagt ein geistreicher Schriftsteller — „es ist Gegebenes unbesehen anzunehmen, als es geistig zu durchdringen, um so weniger darf man sich wundern, wenn gerade die beschränktesten Köpfe und unselbstständigsten Charaktere es in dieser Art von Positivität am weitesten gebracht haben. Was ist denn aber überhaupt die wahre Positivität? Doch wohl das Festhalten an der Geschichte und ihrer Autorität. Die Geschichte aber, was lehrt sie uns? Nichts Anderes, als die absolute Flüssigkeit aller besonderen Formen und Bestimmungen und die Notwendigkeit eines endlosen Fortschrittes. Das wahrhaft Positive ist der Fortschritt. Die Ungeschichtlichen und Destruktiven sind nur die, welche dem vernünftigen Fortschritt in den Weg treten, welche den Wagen des Weltgeistes in seinem Siegeslauf anhalten, oder zurückvrangen wollen." Jeder der nur einigermaßen mit den Schriften der christlichen Theologen bekannt ist, weiß, daß das Schibolethdes Hrn. Oberrabiner Frankel: „Der Volksglaube" dort längst von den Stabilen gebraucht, aber auch längst von allen Denkenden wegen seiner Unbestimmtheit als unbrauchbar angesehen worden ist. So sagt unter Andern der Redacteur einer Tübinger Zeitschrift: Unter der ganz unbestimmten Kategorie des Volks faßt man die heterogensten Elemente zusammen, nur um eine recht große Bombe zu haben, die man gegen die Wissenschaft schleudern kann. Das Volk hat eben so wenig einen Glauben, als die Gelehrten, im Volke spiegeln sich, nur weniger scharf ausgeprägt, die verschiedensten Gestaltungen des religiösen Bewußtseins. Welche von diesen Spiegelungen ist nun der Volksglaube? Ist es der naive Glaube der kirchlichen Frömmigkeit? oder der der Pietisten und Mystiker? oder der Glaube der Aufgeklärten, der halb und ganz Gebildeten, der Beamten, der Kaufleute, der Gew erbtreibenden re. re. Literarische Anzeigen. Wichtige Nachricht! In 10 Tagen erscheint im Verlage von $?. E. C Leuckert in Breslau Protokolle der dritten Versammlung deutscher Rabbiner. Abgehalten zu Breslau vom 13. bis 24. Juli 1846. Preis für Vorausbesteller 25 Sgr. — fl. 1. 30 Kr. Rhein. Späterer Ladenpreis 1 Vs Nthlr. Berlag der I. C. ermann'schcn Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fr ied. Krähe in Offenbach»