Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1846)
- Date
- 1846-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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350 wie man glaubt, in zwei Jahren vollendet sein. Da die Unterzeichnungen für das löbliche Unternehmen sich doch nur auf 75,000 Thlr. belaufen, so bleiben für den Bau selbst nicht mehr als 25,000 übrig; derselbe dürfte aber leicht 100,000 Thlr. erforderlich machen. Eine Anleihe von Seiten unserer Gemeinde wird daher nicht umgangen werden können, zu welcher jedoch erst alsdann geschritten werden kann, nachdem die Conccssion zum Aufbau einer zweiten Spnagoge von Seiten der Regierung eingelaufen ist. Letztere wird jedoch wie man glaubt, diese gewiß nicht verweigern, obgleich die deßfallsige Eingabe bis jetzt noch unerwiedert geblieben ist; allein gerade dieses Zögern erfüllt die Gemüthcr der Sachs'schen Parthci mit Hoffnung. In der That war es auch bedauerlich zu sehen, wie die armen Leute während der D’iOU D’O1 Zeit kaum im Stande waren an den Stellen zu ihrem Schöpfer sich zu erheben, wo sie denselben das ganze Jahr hindurch anflehen. Das ganze Jahr hindurch sind sie cs, welche das in den Synagogen vervollständigen, während die Reichen sich tn ihren Geschaftslocalen dem Dienste des Mammon widmen. Rücken nun die hl. Festtage heran, da erscheinen letztere mit ihren hohen Geboten für Plätze und verdrängen so die Unbemittelten aus dem Hause, wo Reich und Arm gleich berechtigt ist. Ich will davon gar nicht reden, daß, sollte sich ein Unbemittelter durch große Opfer eines Platzes in der Synagoge versichern, er zum Thoraausrufcn an diesen Tagen nicht kömmt, denn die Preise für den Segcnsspruch an der Thora sind da für ihn unerschwinglich; aber daß er an jenen heiligen Tagen nicht sollte gemeinschaftlich beten dürfen, dies ist unerhört. Polizeiwachen stehen vor den Synagogen aufgepffanzt, an deren Stirne geschrieben steht, „keiner darf herein" der nicht ein Billet vorzeigt. Dies muß und soll anders werden. Die Reform der Kirchenordnung muß der Reform der Kirche selber vorausgehcn. Wird die zweite Synagoge diesem Ucbelstande abhelfen? Allem Anscheine nach nicht. Man schreckt vor der Rangordnung zurück, welche hier, wie man Hort, eingrführt werden soll. Wer den höchsten Preis zahlt, der kömmt ganz obenan, an der Bundeslade, wo Gott thront, wer für den Mittlern Preis feilscht, der wird von Gott um so und so viel Schritte entfernt, wer gar nichts zahlt, der muß ganz herunter, etwa an der Thür, darf auch vielleicht gar nicht in das neue Gotteshaus; ganz wie im Theater. Es ist ein Feilschen, Handeln, Speculiren, wie cs etwa auf der Börse Vorkommen mag, aber nicht in einer Synagoge Vorkommen sollte. — Es gibt Leute hier, die von dem das Jahr hindurch leben, was sie durch das Beten der armen Leute an rwn Brcn und Er verdienen. Sie pflegen einen Wollboden, eine Scheune oder sonst für Sachen, aber nicht für Menschen bestimmte Räume zu micthcn, schaffen Bretter als Bänke hinein und nennen diese Ställe eine Spnagoge, vermiethen Plätze darin für einen geringen Mammon an die armen Leute und stecken so noch ihre 4 bis 500 Thaler in den Beutel. Um auf die zweite Spnagoge zurückzukommen, so bemerke ich Ihnen, daß, dem Vernehmen nach, darin zwar eine Orgel angebracht werden soll, dieselbe wird aber doch nur an den Vorabenden der Sabbathe, an den halben Feier-—, so wie an den Neumondtagen ihre Töne zum Herrn erklingen lassen. Der Sabbath und die Festtage selbst sollen nicht dadurch entweiht werden. In Betreff der von vr. Frankel angeregten Theologen- Versammlung erfährt man, daß dieselbe erst im nächsten Frühjahr statthaben wird. vr. Sachs wird derselben, einem Gerüchte zufolge, nicht beiwohnen, will aber dafür einen Abgeordneten dahin senden. — vr. Zunz hat schon vor Wochen von hier aus eine direkte Reise nach England unternommen. Seine Gemahlin begleitet ihn. — Auch will Rappoport die Theologen- Vcrsammlung nicht besuchen, warum? ist schwer zu sagen. — Von Leipzig aus wird hierher berichtet, daß vr. Fürst bald ein Werk, „die hebräische Bibliographie" betitelt, wird erscheinen lassen. Dasselbe wird mehrere Bände umfassen und den Hauptinhalt eines jeden Buches mittheilen. — Seitdem die Reformgemeinde begonnen, in ihrer Synagoge zu trauen, hat es auch der dritte Rabbinatsasscssor vr. Sachs nicht verschmäht, diesem Beispiele nachzuahmen. Wenn ich nicht irre, sind in diesem Sommer 5 Trauungen in der alten Synagoge vorgenommen worden. Indessen ist diese Gunst abermals nur den Reichen vergönnt, indem die Gemeindevorsteher für eine jede derartige Trauung 20 Thaler requirircn. Möchte doch einmal das Geld vor Gott seinen Werth verlieren, und die Gleichheit der Menschen vor dem Herrn wenigstens, wie er es selbst will, hergestellt werden! — Religiöses und Politisches aus Bayer«. (Bayern.) In Ermanglung hochwichtiger Vorkommnisse in unserm Vaterlande sei eS mir vergönnt minder Wichtiges, aber unsere Zustände Bezeichnendes hiermit zu berichten. Man spricht stark von der Errichtung eines eignen Cult US