Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-01 · Heft 44 (1.11.1846) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 44 (1.11.1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567017-2567062--2369-2570400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

187 Selig Kassel fängt feine Schmährezensson mit einem sehr gewichtigen Manne, mit Schelling an, und entwickelt lang und breit und mit so schwülstigen Worten, was moderne philosophische Bildung heißt, daß weder er selbst und noch viel weniger der Leser weiß, was er eigentlich will. Hierauf gibt er uns klar zu verstehen, wie nur er allein bis zum Quellenstudium hinabsteigt, wie nur er allein fleißig und erleuchtet ist; ein anderer überaus Faulheit im Finstern tappt und sein Wissen aus Beckers Weltge« schichte hat. Ohne daß man weiß wie das hieher kommt, läßt er jetzt seine nun einmal überfließende Quelle über alle Predigten strömen, die von den dem Fortschritte huldigenden Rabbinern bisher erschienen sind. Cassel nennt sic alle schlecht, und glaubt fest und steif, nur er allein vermag dem jüdischen Namen Ehre zu bringen. Und aus dieser Ueberzeugung und aus übermenschlicher Liebe zum Publikum vergeudet er seine edle Zeit, mein Werk auf eine ganz neue, noch von Niemand versuchte Weise zu rezensiren. Dieser trefflichen Einleitung folgt ein ganzes Lericon von Schimpfwörtern, wovon wir zur Bezeichnung nur einige wenige herausheben wollen: arrogant, dreist, räuberisch, schlecht, unehrlich, unwissend, unrabbinisch, gebrandmarkt, re- Hierauf schildert Cassel als ein begabter Prophet meine Bibliothek, uud gibt mit großer Zuversicht an, daß ich nur vier Werke und nicht einmal die Bibel oder den Josephus besitze. Letzeres entnimmt er daraus, weil K. 7. §. 467. angegeben wurde. In der That, das geht in's Weite! Ein Rezensent soll nicht einmal die älteren Ausgaben des Josephus kennen? soll nicht wissen, daß nicht ein Buch, nicht ein Kapitel so viele $. enthält, sondern daß solche mit dem ersten Buche beginnen und bis zu Ende des letzten Buches ununterbrochen fortgehen, daß nach dieser Ausgabe der Josephus in der Hist. Jud. XX. Bücher und im Ganzen 867 §. enthält. Fragen wir uns nun weiter, was hat denn eigentlich der Rezensent beurtheilt und kritisirt, so wissen wir nichts anders anzugcben, als daß er mit großer Mühe andere Geschichtswerke durchblätterte, und wo er ähnliche Daten, Fakten und Citaten fand, daraus beweisen wollte, ich müßte abgeschriebcn haben. So bringt er S. 9. 10. 11. 12. 13. rc. ähnliche Stellen aus Basnage, Hollberg, Prideaur, Jost rc. und muthet mir zu, ich müßte die Begebenheiten und Ereignisse selbst erfinden, müßte sie in andere Zeiten versetzen, sonst sei mein Werk ein Plagiat und unbrauchbar. Also Ihr Becker, Schlosser, Pölitz, Rotteck und wie ihr Geschichtschreiber alle heißet, Cassel macht euch alle zu Plagiatoren, weil jeder von Alerander, Cicero, Tacitus, Constantin rc. dem 30jährigen, dem 7jäh. rigen Krieg rc. von Napoleon, von Friedrich d. G. rc. dieselben Thatsachen, die nämlichen Ereignisse, denselben Zeitpunkt angiebt, ihr habt eü zuverlässig einander abgeschrieben, seid deßhalb Räuber, unehrlich, schlecht. Hätte mir Cassel einen einzigen wirklichen Fehler, eine einzige falsche Thatsache nachgewiesen, ich würde es gewiß mit Dank ausgenommen und seine Schi"äh«ngen mit Nachsicht übersehen haben. Aber nein. Cs ist klar, seine edle Absicht war bloß, wie er selbst gesteht, mich literarisch todt zu schlagen und hat er sich dabei den Berliner Recmscnten veS verstorbenen MedicinalrathS Dr. Sachs zum Vorbilde genommen. Schade nur, daß er wohl den Willen desselben, aber nicht sein Wissen besitzt. Dabei läßt Selig Cassel keine Gelegenheit vorüber, gehen, dem würdigen Hrn. Dr. Zunz auf eine verächtliche Weise zu schmeicheln und ihm kriechend, wie ein Bachur, Weihrauch zu streuen. S. 36 rügt er, daß ich die Meinung, am Sabbath nicht kämpfen zu dürfen, für „abergläubisch" halte und meint, daS 8te Capitrl drS Joseph, habe 467 §. Ich wette darauf, wenn Selig Kassel so unglücklich wäre, Soldat werden zu müssen, er ließe sich am Sabbathe lieber todtschlagen, als sich zu wehren, oder — er liefe davon. Einige Zeilen weiter triumphirt er über ein überflüssiges „lb". Wer den Ekel überwinden kann, eine so feindselige Beur hellung zu durchlesen und dabei mein Werk mit den von ihm angegebenen Steilen vergleicht, der wird sich leicht überzeugen, wie nichtig seine Behauptungen find und wie leidenschastlich er mit meinem Buche verfuhr. Man wird dort in den Fakten und Daten auch nicht mehr Aehnlichkeit finden, als andre Geschichtswerke, die ein und denselben Gegenstand behandeln, mit einander gemein haben. Das zweite Heft, in welchem er in der Beurtheilung in derselben Manier, wie im ersten Theile fortfährt, übergehe ich und gehe zum 3ten Theile im 4ten Hefte über. Hier spricht er eine halbe Seite lang seinen Aerger über einen verbes. serten Druckfehler aus und behauptet dreist, das Citat S. 308 not. 8 müsse von Jost abgeschrieben sein, weil es ein hebräischer Brief ist, und doch lateinisch gegeben wurde. Bei dem Worte R. Moses Hadarschan verweise ich in meinem Citate auf Zunz Gottesdienstl. Vorträge p. 286, aber nicht 386, wie Cassel fälsch, lich, um den Leser irre zu führen, angibt, und was ich nach dem Citate sage, hat natürlich keinen Bezug mehr auf Zunz. Aufwes. sen Haupt fällt nun das von Cassel mit so geläufiger Zunge hingeworfene Schimpfwort der Unverschämtheit! (S. 322.) Doch endlich — parturiunt montes, nascitur ridiculus mus — endlich hat Selig Cassel einen wirklichen Fehler gefunden! Pag. 345 in der 9lote heißt es nämlich: Depping p. 346 f. The numher etc. unv sollt» heißeu: Depp. p. 346 und Huie p. 160, weil das wörtliche Citat aus dem letztern ist. Aus diesem Druckfehler schließt nun mein ehrenwerther Recensent, ich müßte glauben. Depping habe englisch geschrieben. Um ihn nun zu überzeugen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.