Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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L88 daß sein Prophetengeist ein falscher ist, dem Publikum aber klar zu machen, was er von einer so böswilligen Rezension zu halten habe, will ich den Titel des in Händen habendtn Werkes von Deppiiig hers-'tzen: I«es juifs dans le Moyea age. Paris 18?4. 8. Pag. 391 rügt er ebenfalls einen Druckfehler, nämlich Israel statt Ismael. Daß Gevalia den Iachia zweimal erwähnt wurde, ist nicht in Abreve zu stellen; aber was hat der Leser dabei verloren,, den Namen eines berühmten Mannes in einem so umfassenden Werke zwei Mal zu finden? Es scheint unserem Rezensenten sehr wehe zu thun, daß ich des wahrhaft edlen Peter Beer mit einigen anerkennenden Worten erwähnt habe. Wollte Gott, Selig Cassel und alle Seinesgleichen wären dem Dahingefchiedenen an Gesinnungstüchtgkeit und wahrer Bildung ähnlich, manchen Scanval in öffentlichen Blattern würde unterbleiben. Daß die Bikkure haitim fortgesetzt werden, scheint ihm auch unbekannt zu sein. Golvberg ist nicht Verfasser sondern Herausgeber des Chcrem chemed. Ich habe nun aus der unendlichen Menge,böswilliger Verdrehungen und Fälichungen nur die merkwürdigsten herausgehoben, weil eS mich wahrhaft anwivert. solch absurdes Zeug, das keiner Widerlegung bedarf, Wort für Wort zu beantworten. Zuletzt aber erscheint erst recht der Pferdefuß des Mephistopheles und der eigentliche Grund seiner Erbitterung. Hier bringt nun erst Cassel seine Beweise, daß ich ein Feind des Rabbinismus sei und daß schon dcßhalb mein Buch verdammenswcrth sei. Einer andersgesinnten Partei feindsein, kann nur ein toleranter, unmoralischer Mensch; ich bin also durchaus dem Rabbinismns nicht feind; daß ich aber denselben und die Hierarchie nicht liebe, dazu hätte es nicht eines zwei Seiten langen Beweises bedurft. Endlich in Betreff des Citats aus den Schriften des allgemein geachteten Hrn. vr. Holdheim hat Hr. Cassel recht gut gewußt, daß ich die Worte desselben anführe; allein er wollte die Gelegenheit benutzen, den Frommen zu zeigen, daß er Herrn Holdheims Schriften nicht lese, und konnte zugleich einen außerordentlich scharfsinnigen Spott gegen m ch zum Besten geben. Holdheim wird sich wohl geschmeichelt fühlen, daß ein Selig Cassel seine Aufrichtigkeit durch ein (?.') in Zweifel zu ziehen oder sie gleichsam in seiner scheinheiligen Manier zu verdächtigen sucht. Nach dem Borausgegangcncn wird eS nun nicht mehr auffasten, daß es mir Cassel zum Vorwurf anrechnete den Reformbestrcbungen und der Braunschweiger Rabbinerversammlung meinen Beifall gezollt zu haben. UebrigenS findet die Verlagshandlung das heuchlerische Bedauern des Selig Cassel höchst überflüssig und läßt vielmehr für die gediegene Rezension danken, indem sie ihm versichern kann, daß nach denselben der Absatz des Werkes gestiegen ist; sie wünscht nur daß zu diesem Behufe das Blatt, worin sie steht, nicht verbreitet wäre. Baiersdorf, im August 1846. vr. I. H. D e s s a u e r. Zur Kritik der Beschneidungsfrage im Reformverei«. Don vr. I. Beryson in Berlin. Vorwort. Zweck folgender Zeilen ist cs, die Bedeutung eines Prinzipienkämpfe-3 auf dem Gebiete deS JuventhumS Denjenigen klar zu machen, die es aus den bisherigen Verhandlungen vielleicht noch nicht vermochten. Ein solcher Darflellungsversuch kann, auch als eia Votum über und neben die vielen gleichnamigen Gutachten gestellt ein gedrängtes Resultat ihres weitläufigen Inhalts in sich concentriren. Ohne eine Apologie deS Reformverrins zu schreiben. gla/.bte der Vrf. seine Meinung über die Aufgabe desselben essen aussprechrn z» dürfen. Daß er hierbei die Cärimonialfrage berührte und die Zukunft des JuventhumS andeutrte, wird ihm derjenige gerne Nachsehen, der über seine Stellung dem Invenihume gegenüber, zum klaren Bewußtsein zu gelangen ernst bemüht ist. Der Verfasser. Seitdem das Judenthum durch viele Vorgänge in der neuern Zeit aus seiner mittelalterlichen Ruhe und Stagnation wiederum zum selbstständigen Bewußtsein erwachte, hat sein religiöses und sociales Leben mit den verschiedenen Richtungen der Gegenwart in vielfachen Widerspruch gerathen müssen. Die durch so viele Jahrhunderte ungetrübt bestandene Harmonie zwischen Glauben und Leben der Juden war mit einem Male gestört, das Band, welches kirchliches und sociales Bewußts.in so lange innig zusammengehalten, aufgelöst und Ruhe und Frieden, bis dahin in ununterbrochener Herrschaft auf den Gefilden des mittelalterlichen Jcschuruns, waren plötzlich vor den Kämpfen und Parteiungen geflohen, welche seither in diesen Act im Judenthuine ungekannt waren. Diese gestörte Ordnung, diese aufgelöste Uebereinstimmung zwischen dem religiösen und politischen Bewußtsein der heutigen Juden wiederherzrrsttllen, ist das unsere Zeit charakterisirendc Merkmal. Alle in neuere Zeiten verfolgten Schritte zielen lediglich auf die Lösung der entstandenen Widersprüche, auf die Ueberbrückung der Kluft zwischen Religion und praktischem Leben, auf die Beruhigung des von allen Seiten erhobenen Geschreies nach Reform, diesem Schiboleth unsrer Tage, ab. Mitten unter diesen Wirren soll daS Indenthum feine Wiedergeburt, feine Verjüngung finden. (Fortsetzung folg!.) Verlag der I. C. Herrn ann'sche', Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Kräh.e in Offendach.