Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1846)
- Date
- 1846-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SSL Gotteshaus zu bauen. Zm vorigen Jahre kaufte sie ein geeignetes Lokal auf der Priestergaffe und begann den Bau einer Synagoge, der durch den strebende» Eifer der ganzen Gemeinde in kurzer Zeit so gedieh, daß die Einweihung derselben schon am 14. d. stattfinden konnte. Hr. vr. Geiger, Rabbiner zu Breslau,wurde zur Vollziehung der Einweihung eingeladen, woraus zu ersehen ist, daß in der hiesigen Gemeinde der Geist der Reform lebt. Früh um 8 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder in dem Saal des in der Nahe des Gotteshauses stehenden Ressourcengebäudes und von da begann der feierliche Zug, an welchem die dazu eingeladenen königl. und städtischen Behörden und ein großer Theil der christlichen Bürgerschaft theilnahmen, nach dem Tempel, der sich durch ein geschmackvolles Aeußere und durch innere freundliche Einfachheit auszeichnet und seinem erhabenen Zwecke ganz entsprechend ist. Der Landrath sprach bei der Ueberreichung der Synagogenschlüssel an die Gemeinde einige die Gemüther tief ergreifende Worte. Man trat in die innern Räume des Gotteshauses, die von Personen dreier Confessionen bald gefüllt wurden. Die Andacht war erhebend und ist von dem hohen Gefühle nur noch erhöht worden, daß selbst die Christen, von dem feierlich-religiösen Akt des Tages angeregt, an derselben theilnahmen. Es war ein hohes Gefühl, zu sehen, wie Christen und Juden, zwischen denen früher das Verhältniß von Verfolger und Verfolgten herrschte, nun in evler Gemeinschaft zu einem Gotte ihre Wünsche emporsandten. Wo hätte man erwartet, daß wegen der Einweihung einer Synagoge die merkantilische Welt einer großentheils von Christen bewohnten Stadt stillstehen und an der Feier ihrer jüdischen Mitbürger mit der wärmsten Theilnahme sich bethelligen werde? Alle Laven waren geschloffen und der Tag hatte daö Aus' sehen eines allgemeinen Feste?. Der Gesang wurde von einem christlichen Cantor geleitet, katholische und evangelische Geistliche, letztere im Ornat, wohnten dem Einweihungsgottesdienste bei. Sagen Sie selbst, auf welcher Höhe der Bildung eine Stadt ste. hen muß. wenn ihre Bürger über alle religiösen Parteiungen erhaben find. Die Liturgie wurde von dem hier fungirenden Candchatcn, Hrn. Levi, abgehalten, nnd Hr. Dr. Geiger hielt die Einweihungsrede. Die Rede war reich an innern geistigem Gehalt und in schönste Form gekleidet, ihrem Zwecke ganz angemessen. Alle Gemüther wurden von ihr ergriffen, und der Eindruck, den die edle Stimme, die alle Sinne fesselnde Kraft der Gedanken und das Prophetenartige im Vortrage dieses unbedingt größten Rabbiners in Deutschland auf seine Zuhörer machten, wird zm Herzen unserer friedlichen Gemeinde auf lange Zeit leben. Das Streben dieses Mannes, eine gänzliche Umgestaltung des innern Wesens im Zudenthum zu bewirken, sein unrrmüdeteS Ringen im Kampfe gegen die Stabilen und Heuchler nach Licht und Wahrheit, veranlaßten unsere Gemeinde, zum Zeichen ihrer Anerkennung und hoher Achtung, ihn mit einem großartigen Fakkelzug zu begrüßen, eine Ehre, die noch keinem Rabbiner zu Theil geworden ist. Auch die christliche Bürgerschaft und die studirende Jugend nahmen den wärmsten Antheil an demselben. Alle Fenster auf dem Markte und den Straßen, durch welche der feierliche Zug sich bewegte, waren erleuchtet. Das Musikchor spielte und ein paffender Gesang, vom Cantor Hoppe geleitet, wurde gesungen, worauf Hr. vr. Geiger ergreifende Worte des Dankes sprach und sämmtliche Einwohner zum engeren Anschluß im Streben nach geistigem Fortschreiten aufforderte. Literarische Anzeigen. Wichtige Nachricht! In 10 Tagen erscheint im Verlage von E. E Lemkert in Breslau Protokolle der dritten Versammlung deutscher Rabbiner. Abgehalten zu Breslau vom 13. bis 24. Juli 1846. Preis für Vorausbesteller 25 Sgr. — fl. 1. 30 Kr. Rhein. Späterer Ladenpreis 1V3 Rthlr. Erzählungen aus den heiligen Schriften der Israeliten. dargestellt fiir die kleinere israelitische Jugend B. H. Flehinger, Rabbinrr in Mciseiihkim. Fünfte, neu durchgesehene Auflage. 90 Seiten. 8. Preis 27 Kr. — Rthlr. - 7'/, Silbgr. Darmstadt. L. Pabft. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.