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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-01 · Heft 44 (1.11.1846) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 44 (1.11.1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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351 big zu machen, und doch ist eS schon längst der Wunsch der Re. gierung. den geregelten Gottesdienst überall eingeführt zu sehen.— Rückert scheint nie die Prager Judenstadt gekannt zu haben, sonst hätte er nicht so unbedingt, so allgemein ohne AuSnähme gesungen: „Aus des Gottes schwangrem Haupte Springt der lichtgeborne Glanz. Pallas, schild- und speerbcwaffnet. Und die Welt gehört ihr ganz!" Prüfung der galizischen Rabbine«. (Aus Lemberg, im Sept.) — Bei der bald inS Leben tretenden Wirksamkeit des hohen Patents der österreichischen Regie, rung , daß in Zukunft die auf eine Rabbineranstellung reflektiren* den jüdischen Theclogeu in Galizien sich mit den nöth gen Schulzeugnissen aus den philosophischen Gegenständen auszuweisen haben, sind mehrere bereits in Aktivität stehende Rabbiner auö der alten Schule nunmehr darauf bedacht, sich nachträglich durch Pri« vatprüssmgen mit solchen Zeugnissen zu versehen, um bei einer erneuerten Wahl — die hier alle 3 Jahre stattfindet — mit gültiger Competenz mitconcurriren zu können. So hat der rühmlich bekannte Gelehrte, Hr. H. Chajes, Kreisrabbiner zu Zolkiew, sich einer Privatp'üfung aus den vorgeschriebenen philosophischen Gegenständen an der Lemberger Universität, dem Vernehmen nach mit äußerst günstigem Erfolge, unterzogen. Da von Seiten des galizischen Guberniums dem Concurs zur Besetzung der Lemberger Kreisrabbinerstrlle (Hr. Abr. Kohen ist eigentlich nur als Religionsweiser und Prediger angestellt) bereits ausgeschrieben wurde, so hegt die Mehrzahl der israelitischen Einwohner Lembergs, die den Werth des Hrn. Chajes zu schätzen wissen, den unsch, die. sen würdigen Gelehrten bald als ihren Nabbincibegrüßen zu können.*) Und wirklich dürften die gründlichen theologischen Forschungen, die dieser ausgezeichnete Theolog in mehrcrn seiner Druckschriften , namentlich in dem selbst in Deutschland durch geachtete Organe bekannt gewordenen DlSCn und “vobnil NQD niedergelegt, so wie sein humaner Sinn, der die Anforderungen der Gegenwart nicht verkennt, ihn mehr als irgend Einen in Galizien eignen, diesen ehrenvollen Posten zu bekleiden. Mit Scharfsinn und einer kritischen Auffassungsgabe ausgerüstet, die Hrn. Rapoport, auf demselben Gebiete thätig. so schnell berühmt gemacht, verbindet Hr. Chajes, noch den Vortheil eines rüstigeren Alters, *) Der letztverstorbene Lemberger Kreisrabbiner, Hr.J. Ornfiein, war ebenfalls früher Zollkiewer Kreisrabbiner. einer größer» Unbefangenheit und gründlichere Kenntnisse der eigentlichen Talmudslehrrn, was man mit dev Ausdrücken Haiache (TD^n) und Horaah (n&mn) zu bezeichnen pflegt. — Wir erwarten nächstens über diesen Gegenstand ausführlichere Berichte, die wir in Ihren Blättern zu veröffentlichen uns beeilen werden. Religiöse Fortschritte. □ (Hirschberg in Schlesien, im Sept.) — Gibt es einen Ort in unserer Provinz, wo der Geist mit jedem Tage größere- Terrain über den starren Buchstaben gewinnt, wo der Gegensatz von Theorie und PrariS, von modernen subjektiven Gefühlen und Ideen und objektiver Gegenwart der Vergangenheit mit raschen Schritten zueilt, wo man, innig durchdrungen von dem geistigen Princip der Neuzeit, mit aller Kraft bestrebt ist, das Begriffene und für wahr und heilsam Erkannte zugleich auch in den concre» ten Lebensvcrhältnissen zu verwirklichen, so ist eS gew ß unser Hirschberg. Es ist sehr leicht, vermittelst unserer Einsicht im Himmel unserer Ideen kein graugeworvenes Borurtheil, keine Art von Haß gegen Andersdenkende herrschen und das absolute Recht einejeden Menschen anerkannt werden zu lassen; allein ist man daran, dies geistig gewonnene Resultat auf die Wirklichkeit zu verpflanzen und die Schärfe des GedankenschwerteS dem verkörperten Egoismus in, um und außer sich zuzukrhren, da fehlt es bald an Willenskraft, bald an Muth. Dieser die Meisten treffende Vorwurf trifft unser Hirschberg nicht. Hier weiß man es sehr gut, dem Fortschritt in allen Lebenssphären nicht allein in Gedanken zu huldigen, sondern ihn auch du ch die That Eingang in die Wirklichkeit zu verschaffen. Hier find bereits jene confesfionellen Scheidewände, die früher und noch jetzt in vielen Orten eine Religionsgemeinschaft der andern sich brüderlich zu nähern hinderten, zertrümmert und von diesen Trümmern find auch nur noch Spuren zurückgeblieben, die mit der Zeit bald verwischt sein werden. Die wenigen starren Orthodoxen, dir mit aller Hartnäckigkeit an allem Ueberkommenen und dessen verderblichen Conseqnenzen festhalten, die jeder Bewegung in der Entwicklung Trotz biecen, find hier ohne alle Bedeutung. Zum Beweise, mit welch lebendigem Eifer und regem Sinn man hier den Geist des Bessern erfaßt und denselben zugleich im Leben zu verw.rklichen sucht, möge folgende Thatsache dienen. Die große Zunahme der hiesigen jüdischen Gemeinde machte das alte, an und für sich schon ohnehin unangemessene Gotteshaus unbrauchbar und drängte d:e Gemeinde z» dem Entschlüsse, ein neues, geräumigeres und entsprechendere»

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