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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-01 · Heft 44 (1.11.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 44 (1.11.1846)
Date
1846-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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35# des Lebens mit dem Sabbath überhaupt nicht berührt*) und ff« mußte daher auch diesen Antrag fiir die nächste Rabbinerversammlung verschieben. Offene Briese aus Prag, ll. Se.'t dem wohlthatigen Akte der Judensteuer - Aufhebung in Böhmen, die unsere Regierung aus freien Stücken und aus reiumenschlichen Motiven unlängst veröffentlichte, scheint die hiesige Juvrngemeinde — d. h. die gebildetere Klasse derselben — auch ihrerseits aus die Verbesserung ihrer religiös-moralischen Zustände bedacht zu sein, und an den Bewegungen, die in Deutschland im Zudenthume vergehen, insoweit es hier thunlich, theilnehmen zu wollen. Da sie von den sogenannten Machthabern in Israel keine Beihülfe zu erwarten haben, so gehen sie selbstihätig zu Werke, auf den Wahlspruch gestützt: aide-toi, le ciel t’aidera. Ein jüdischer Gewerbverein hat sich hier soeben gebildet, dem einige industrielle Mächte vulgo Fabriksinhaber bereits beigetreten, und er erwartet nur die Genehmigung der österreichischen Regierung, um thatkräftig io Wirksamkeit zu treten. Mehrere Vorsteher der hiesigen Synagogen entfalten ein löbliches Streben, um den geregelten Gottesdienst nach und nach auch in den ihrer Leitung anvertrautea Gotteshäusern ein;uführen; welches Streben um so löblicher ist, als es am hiesigen Religionsvorstande 0'^ tiuen gewaltigen Stein des Anstoßes— nicht den Stein der Weisen — findet. Es ist rührend, die junge Pflanze mit dem Mover des graugewordenen Borurtheils ringen zu sehen, um in seiner Mitte selbst Blüthe und Wachsthum zu gewinnen. — Doch der weise Spruch: M 'ITn "D niSTO ffi» üben ro»?St (Prov. XVI. 7) bewährt sich auch hier. So ist unlängst die hiesige sogenannte Neuschule renovirt und mit der Ordnung der Sitze — dorridUe dictu! — eine förmliche Reform vorgenommen worden.**) Man dünkt sich beim Eintritt in *) Wie wir uns deutlich erinnern, wurde Herrn Jolowitz nur geantwortet, daß die gegenwärtige Versammlung ja nicht über alle CoMsionen des Lebens mit dem Sabbath entscheiden könne, sondern dieses späteren überlasse« müßte. Die Red. **) Selbst d. Al-memr, welches überall bei öffentlichen Vorträgen den Zuhörern hindernd im Wege steht, kam aus der Mitte dieser Synagoge weg, weil die Bauunternehmer vorsichtig genug waren, keine Anfrage deßhalb beim Religions-'l'i-rgonO'^^) zu machen; welche Vorsicht aber beim inner« Umbau der Pink.,6- Schule nicht beobachtet wurde, sondern man consiiltirte deßfalls zuerst die Dreiuneinigkeit. und wo eine nbtiW/ ist auch eine N2WN, und so blieb d. Al-memr stehe«, zur Freude aller Obskuranten und zum Hiuderniß aller Zuhörer öffentlicher Vorträge v'v' Jfivbl einem Tempel, wo gottverhaßte deutsche Vorträge gehalten werden! Dieser gottlose architektonische Fortschritt wurde von den anerkannten gottseligen Baukünstlern ’J'ü), die schon seit vielen Jahrhunderten in ihrer Studierstube am Wiederaufbau Jerusalems arbeiten, nicht wenig angefcindet und gehindert. Was geschah aber, nachdem die Baulichkeiten nichtsdestoweniger glücklich beendet waren? Hr. Rapoport, einer jener gottseligen Architekten Jerusalems. — wenigstens wie er die Frommen weis machen will — hielt die Einweihungsreve, welche aber, da sie ihm nicht vom Herzcn kam, was ihm oft passirt, verunglückte. — Solche Beispiele ihrer Gesinnungslosigkeit entfalten die hiesigen JTÜ nDW tagtäglich zur Belustigung des schlichten Mannes, der durch solche Züge seine Religions. Vorgesetzten in ihrer wahren Gestalt und im rechten Lichte kennen lernt. — Dasselbe war der Fall bei der Renovation der Pinkas-Synagoge, wo gegenwärtig Hr. Dr. Wessely seine populären Vorträge über den Koscri u. s. w. hält. — Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, zu erwähnen, daß W. bei mehrern Gelegenheiten ein sehr glänzendes Rednertalent entwickelt und daß er unstreitig einer der begabtesten jüdischen Theologen in Prag ist. durch den — wiewohl er in seinem Vortrage ein ängstliches Zuste-mllleu beobachtet — der Fortschritt gefördert werden könnte. — Was Dr. Kaempf betrifft, der strebt nur eine gemeine orthodoxe Weltanschauung am Tag zu legen, um so — wie er glaubt — in die Fußstapfen des Dr. Sachs zu treten, ohne auch nur im Entferntesten jene gefällige Rednergabe feines Vorgängers zu besitzen. — In unserer Gemeinde ist auch seit einiger Zeit ein neues In. stitut entstanden, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, Knaben sowohl als Erwachsenen unentgeltlichen musikalischen Unterricht im Choralgesange zu erthnlen. Da die Pinkas-Schule, wie auch die Neu-Schule die innere Einrichtung so viel wie möglich geordnet haben und wirklich weiter dem Gottesdienste in denselben nichts fehlt, als der eigentliche Gottesdienst, so haben die Gründer der erwähnten Gefangschule sich hcrbeigelaffen, den geregelten Gottesdienst einstweilen unentgeltlich zu verrichten, wenn selbe vom Vorstande eines der erwähnten Bcthäuser dazu aukgeforvert werden sollten; sie hatten bereits zu diesem Behufe seit dem 22. Mai d. I. täglich Gesangsübungen. Auch hat Hr. Dr. med. Karpeles die Oberaufsicht derselben übernommen. Ader auch dieses lobenswerthe Bestreben findet leider bei der Mehrzahl wenig Anklang; denn bis heutigen Tags ist es noch keinem jener Herren wrb W? D^ttUnDn eingefallen, diese Gesangschule zu besuchen, um über Absicht und Zweck derselben nähere Kunde einzuziehen; vielmehr trachten die F inde jeder noch so nützlichen Neuerung, die Kinder oder deren Eltern der guten Sache abwen.

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