Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1846)
- Date
- 1846-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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A4S find aus dem Jartkretse schlecht anSgefallen und werden die Bewohner der dortigen Gegend meist als Wucherer bezeichnet. Die Gerichte haben aber zu sagen vergessen, daß ihre Milde, die die Bessergefinnten beklagen, allein die Schuld tragt. In zwei Gemeinden des Landes geht man damit um, zur Unterstützung und Hebung des Gesangs in der Synagoge Orgeln cinzuführen. In beiden Gemeinden rufen die Glocken zur Synagoge und herrliche Uhren an denselben zeigen an, daß wir tn eine neue Aera eingetrctcn find. Wenn der Zionswächtcr dielen Fortschritt nicht glauben sollte, so möge er kommen, sich überzeugen und sich als Hahn auf das Dach fetzen, sonst hat feine Warte in Würtcmbcrg er noch nicht aufschlagen können; denn hat auch der Jude bei uns Zuttitt zu öffentlichen Acmtern, so konnte doch trotz der Empfehlung mancher Wohlmeinender, der Altonaer Zionswächtcr nicht zum Nachtwächter bestallt werden; übrigens hätten wir cs nicht zu beklagen gehabt, wenn er „dänisch" gerufen hätte, da sein Deutsch nicht gut zu verstehen ist. Predigerwahl bei der Reformgenossenschaft. * (Berlin, im September.) — Gern entspreche ich Ihrem Wunsche unv thcile Ihnen Ausführliches über die Predigerwahl der Neformgenossenschaft mit. Vor einigen Tagen schickte der Vorstand der Ncformgcnosscnschaft ein Circular folgenden Inhalts an die Mitgli der: t) Wir laden Sie zu einer Generalversammlung ein. in welcher rer Antrag mehrerer Mitglieder in Betreff des Vorbeters, 2) die Predigerwahl, 3) die Errichtung kineo Instituts für gemeinsamen Religionsunterricht und 4) einige Veränderungen in der inner,, Organisation des Vorstandes in Bcrathung gezogen werden sollen. Die Versammlung fand am 10. d. M. statt und der Vorsitzende las zunächst eine Eingabe mehrerer Mitglieder vor, welche den Wunsch auespricht, „daß fernerhin das Borbeteramt einem bestimmten besonders dazu geeigneten Individuum übertragen werden, daß es nicht, wie es bisher geschehen, einem Jeden gcstattet ,ein möge, als Vorbeter zu fungiren". Nach vielfacher De. batte entschied sich die Versammlung dahin, daß der Vorstand auf ein Jahr lang die Bcfuzniß haben solle, geeignete Reform. Mitglieder abwechselnd mit vrm Ehrenamte des Vordeterö zeitlich zu bestallen, wobei besonders die Versammlung von dem Gesichtspunkte ausging, daß alle mögliche Mittel und Wege finzuschla» geu seren, der Bildung emcr Hierarchie in der Genossenschaft vorzubengrn. Mit Recht wurde die Bemerkung gemacht, daß man selbst keinen festen Geistlichen haben sollte, wenn die Abhaltung von regelmäßigen Predigten auf einem andern Wege ermöglicht werden könnte. Nachdem dieser Berathungsgegrnstand erledigt war, leitete der Vorsitzende durch eine feierliche, in die Gemüther eingreifende Rede die Predigerwahl ein. Füglich hob er die Bedeutung d.eieS Moments hervor, und wies darauf hin, daß die Zukunft der Bewegung zum Theil von diesem Entscheidungsacte abhängig sei. Mit Bedauern hob er den Umstand hervor, daß selbst die Rad« binervrrsammlung der Agitation untreu geworden sei, und man sei daher um so mehr in die Nothwcndigkeit versetzt, der Geiioffenschaft einen Mann an eie Spitze zu stellen, welcher geeignet sei, ihr Thun vor Freundcii und Feinden zu vertreten. Er nannte alsdann als Candidaten der Prerigerst-llc die Landrabbinen: Hold heim, Heß uns Hirsch. Mehr Candidaten, wurde bemerkt, habe man, als für die Zwecke der Genossenschaft angemessen, nicht auftreiben können. Im kategorischcn Tone ersuchte endlich der Vorsitzende die Versam-ulung, daß sie doch über diesen Gegenstand nicht weiter debattiren, sondern sofort an das Scrutinium geben möge. Man vernahm zwar bei diesen, etwas harten Imperativ hie und da ein Murmeln, aber doch erhob keiner seine Stimme dagegen, und man schritt zur Entscheidung der Sache. Von etwa 165 anwesenden Mit. gliedern entschieden sich 105 für den Nr. Holvheim. jetzigen Landrabbiner zu M. Schwerin. Nach geschehe er Wahl wurde ein an dem Wahltage eingctroffenes Schreiben des Gewählten verlesen, worin er nach den an ihn im Voraus weggesansten De» putirten erklärte, die etwa auf ihn fallende Wahl annehmen zu wollen. Der Gewählte hat so, was auch im Voraus verlangt wurde, die absolute Stimmenmehrheit gehabt, und der Thätigkeit des Mannes ist jetzt ein Feld eröffnet, wie es nur noch wenigen Nrligionslehrcrn geboten war. Ihm ist es gegönnt, Mit» und Nachwelt einen Namen zu überliefern, an den, sich künftige Geschlechter segnen, aber auch — könnten. Jedoch darauf werden wir »och oft Gelegenheit haben znrückzukoinmen. In Bezug ans diesen Gegenstand bemerke ich nur noch, daß H. den jährlichen Gehalt von 1500 Thlr. bezieht und ledenslänglich angestcllt ist, und daß er im Falle »inrr etwaigen, aber unter den gegebenen Verhältnissen nicht zu erwartenden Auflösung der Genossenschaft durch die Negierung — aber auch nur durch die Regierung — nur die Hälfte des Gehalts so lange bezieht, als er keine andere Stelle einniinm . Zur Erfüllung dieser Verpflichtungen haben sich die anwesenden, auch vielleicht die nicht anwesenden > Mitglieder stillschweigend verstanden, insofern sie vor der Auflösung