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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-25 · Heft 43 (25.10.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 43 (25.10.1846)
Date
1846-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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341 die Feier biblisch berechtigter Tage, dadurch, daß zu viel gefeiert wird, um Vieles geschmälert wirv. Die Worte fanden beim Publikum Eingang und des Morgens am zweiten Tage waren nur sehr Wenige beim Gottesdienste, der, abgesehen von der Predigt, des Pricstersegens, dem des ersten Tages ganz gleich war, zugegen. Auch wurde am ersten Tage, anstatt des gewöhnlichen Prophcienabschnittes, der der Tagcöfeicr nicht ganz entsprechend ist, aus Nehemia 8, verlesen. So sehen wir die Thätigkeit unscrs Rabbiners immer mehr erstarken und im Gestalten und Uniformen des Gottesdienstes und sonstiger religiöser Gebräuche die erfreulichsten Resultate hcrbeiführcn. Verschiedenes. Würtemberg. (Vom Ncckarthale, im Sept.)— Mitdemjüd. Neujahre zog in Würtemberg Wonne und Jubel ein. Der Einzug des Kronprinzen mit seiner ihm angetranten Kronprinzessin, fand am 23. d. in Stuttgart statt. Ich theile nur das mit, was für diese Spalten von Interesse sein kann und auch dieses Ereigniß thut wieder kund, wie das Vorurtheil gegen den Juden schwindet, wenn er auch strebt einen Thcil des Volkes auszumachcn, wenn er sich ihm integrirt und nicht in seinem starren Partikularismus beharrt; wenn er sein Jdeol, „die Selbstliebe" aufgiebt, als Mann des Volkes in ihm lebt und webt und nicht Vorrechte für sich in Anspruch nimmt. Denn, wenn auch andere Blätter und ihre Corrcspondcnten in sanguinischer Selbstgefälligkeit die würtembcrgischen Zustände überaus loben, so kann ich damit nicht ütcreinstiuimcn; auf dem Lande sind nicht selten noch Bigotterie die Religion; Egoismus der Bürgcrsinn und Wucher die Industrie des Juden. Nur in einigen Städten bricht der bessere Sinn, und der edle Charakter des Juden das starre Vorurtheil, und wir sehen, wie in der Residenz der bescheidene Bürger ohne Elaubcnsuntcrschicd Anerkennung findet. Die prachivotte silberne Vase, welche die Bürgerschaft der Stadt Stuttgart ihrem Königssohne als Hochzeitsangebinde fertigen und überreichen ließ, war mehrere Wochen im Hause des Banquiers Moses Benedikt zur össenfticheii Schau ausgestellt. Unter dem Eomitst, das am 26. d. M. diese Vase überreichte, bestehend aus „neun" Mitgliedern, waren „drei" Juden: Moses Benedikt, Dr. Dreifuß und Hofrath Kaulla, und Ersterer wurde von der Kronprinzessin, an den sie sich besonders wandte, aufs Hulrreichste angeredct und ihm die Versicherung gegeben, daß sie stets die Liebe aller ihrer Landeskindcr sich zu erwerben und zu erhalten bestreben werde. Die Stuttgarter Blätter bezeichnen unter den Häuser - Dekorationen die der Gebr. Benedikt und des l)r. Dreifuß als die geschmackvollsten. Ein von Franz Dingelstedt verfaßtes und von Moses Benedikt der Kronprinzessin überreichtes Festgedicht war ein Meisterwerk der Calligraphie, geschrieben von Raphael Blumcnfeld, Cassier des israel. Waisenvereins, der sich in diesem Fache bereits rühmlichst bekannt gemacht hat; es war eine Art gothische Frakturschrift gewählt. — Kirchenrath Maier war natürlich der Stuttgarter Stadtgeistlichkeit beigeordnet, die an Stuttgarts Thore das hohe Neuvermählte Paar empfing. Der Text zur kirchlichen Feier des Geburtssestes Sr. Majestät des Königs wurde von ihm selbst aus Proverb. 21, 2 gewählt und von Maier meisterhaft behandelt. Die israel. Oberkirchenbehörde ist gegenwärtig sehr theitig. So hat sie in einem Generalerlasse an alle jüdische Gemeinden des Landes zu erkennen gegeben, daß durchaus keine Profanmelodien beim Gottesdienste mehr gelungen werden dürfen, sondern wo ein Chor ist, die vorgeschriebenen Ehoralgesäuge, wo aber bis setzt ein solcher nicht besteht, soll alles recitando vorgetragen werden. In einer sehr orthovoren Gemeinde des Landes, wo jener Erlaß mißliebig ausgenommen worden, bcthätigte er sich als ein Fingerzeig Gottes. Dort war es besonders Brauch recht schnurrige Sangesweisen — polnisch oder deutsch — den Gebeten unterzulegen und der Gottesdienst wurde dadurch über die Maßen in die Länge gezogen. A n Neujahrsfeste erreichte dieser Mißbrauch sein Ende, was Rabbiner und Gemeinde beklagten, weil der Gottesdienst schon eine Stunde früher als sonst zu Ende ging. Kaum verließ die Gemeinde das Gotteshaus, so-stürzte ein Theil des Plawuo aus einer Höhe von 40' herab, und ohne Zweifel hätten diese fallende Maucrstücke mehrere Gemeindemitglieder, wären sie noch aus ihrer Stelle gcwe. sen, erschlagen. In Beziehung auf die Einrichtung der Frauenbäddr hat das Ministerium sehr Zweckmäßiges verfügt und sich dabei otif die Protokolle der R.-V. bezogen. Aus diese Weise ist die N.-V. von der wiirtembcrgischen Gesetzgebung anerkannt. Mehrere Gemeinden des Landes haben durch die königliche Gnade wieder Beiträge zu Schulhausbauren aus der Staatskasse erhalten. Ein jüd. Eandivat der Theologie soll auch mit einem schönen Reisestiperidium bedacht werden. Die vom Ministerium in Sachen der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten von den Civilgcrichteii eingeholten Gutachten

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