Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1846)
- Date
- 1846-10-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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34.1 nicht austreten. Wirklich hört man. daß einige Engherzige schon am folgenden Tage ausgetreten sein sollen. Jedoch ist dies nur ein Gerücht, welches kaum glaublich ist, da solche damit öffentlich zu erkennen geben, daß ffe den Geldfack über das rel giose Gewissen stellten. Was die Contrahirungsverhältnisse betrifft, so erfährt man, daß sich Dr. H. harten (?) Paragraphen unterworfen hat. Er soll seinen freien religiösen, und wie zu erwarten, durch wissenschaftliche Forschung begründeten Willen, dem des Vorstandes und der Masse untergeordnet haben. Was die Generalversammlung in religiösen Dingen entscheidet, ist gethan, ist unumstößlich und unerschütterlich; er muß mit der religiösen Masse Schritt halten. Der Gewählte zeigt zwar hiermit von einer großen Z>muth und Selbstverleugnung von der einen Seite, und auf der andern von einer hohen Anerkennung des souveränen religiösen Volkswillens; allein dürfte er nicht leicht die hieher gehörige Volksintelligenz überschätzen? Indessen stehen ihm große und gewichtige Mittel zu Gebote, den Volkswillen mit dem wahren Judenthume zn erfüllen und wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, daß der Mann seinen Wirkungskreis gefunden. Die Wahl des Hilfsprevigers, welche auf Herrn vr. Friedlau der aus Brilon gefallen ist, beschloß den Abend. Der Hilfsprediger ist auf drei Jahre gewählt mit einem jährlichen Gehalte von 500 Thaler. Er allein wurde als Canrivat vorgeschlagen, wodurch natürlich von einer Wahl kaum die Neve sein konnte. Es traten zwar im Laufe des Sommers noch zwei Canvidaten für die zweite Predigerstelle auf, auch hielten sie Probepredigten, allein es scheint nicht im Plane gewesen zu sein, sie als Candidaten der Versammlung vorzuschlagen. Es ist übr genS festgestelltes Prinz p der Genossenschaft Jeden, den der Geist treibt, wie bei den Quäkern, zum Predige» zuzulaffen. Auch braucht der sich Versuchende kein Theologe zu sein eo wird von ihm nur gefordert, daß er in sich den Trieb füole, das gefühlte o>t Vorträgen zu wollen. Denn vier waltet abermals der Grundsatz in den Gemüthern der Genossen, vaß wir alle Priester Gottes sind. Die Genossenschaft zählt jetzt 408 Mitglieder im Orte und etwas über 1000 in der ganzen Welt. Unter den hiesigen Genossen befinden sich auch 4 Damen. Wittwen, zu welchen auch Frau Anialia Beer. Dame des Louisen-Orvens und Mutter des berühmten Meyer Beer zählt. Diese, wie die andern drei Damen sind auch als eifrige Beschützerinnen der Reform auzu« sehen. — Wenn man sich eine Vorstellung davon machen will, welchen Beifall die gottesdienstlich, Reformeinrichtung bei Christen findet, so braucht blos der Umstand angeführt zu werden, daß Einige unserer christlichen Mitbürger, feste Plätze im Temprllopale sich gcmieihet haben, und keinen Sonnabend oder Sonntag j vorübergrhen lassen, ohne dem Gottesdienste beizuwohnen. Aehn« liches, was indessen minder zu verwundern, ist der Fall bei mehreren getauften Juden. — Dieser Tage hat sich auch der Kammerdiener des Grafen von Brandenburg, eine längst verschollene jüdische Seele, im neuen Gotteshause für sich und seine Gattin zwei Plätze aequirirt; derselbe soll in 20 Jahren kein Gotteshaus gesehen haben. Eine verlorne Seele ist so durch die Reform dem Judenthume wieder gewonnnen. Jüdischer Vorschußverein in Berlin. Es hat sich in diesem Jahre hier in Berlin ein Verein gebildet, der die Beachtung größerer jüdischer Gemeinden im vollen Maaße verdient. Der Zweck desselben ist, hilfsbedürftigen Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde, denen noch geholfen werden kann, durch Wiederbelebung ihres Geschäfts und ihrer gewohnten Thätigkeit Unterstützung durch zinsfreie Geldvorschüsse zu gewähren, um dadurch dem gänzlichen Verarmen ohne Almosengabe entgegen zu arbeiten und die Zunahme der Armuth möglichst zu vermindern. Der Fond hiezu bildet sich aus Schenkungen oder aus Darlehen, die dem Vereine zinsenfrei in Summen nicht unter 50 Thlr. und wenigstens auf zwei Jahre gegeben werden. Jedes Mitglied der israelitischen Gemeinde in Berlin, das wenigstens seit drei Jahren hier ansässig ist und eben so lange selbstständigen Handel oder Gewerbe betreibt, kann Vorschuß erhalten, wenn selbiges nicht durch eigene verbrecherische Schuld over entehrende Gewerbe hiilfsbedürftig geworden und die Aussicht vorhanden ist! daß es durch denselben wirklich in den Stand gesetzt ist, seinen! Erwerbszweig zu beleben oder zu verbessern. Bon jedem vorge- ■ schoffenen Tvaler muß wöchentlich ein Silbergroschen zurückgezahlt i werden, so daß 30 Wochen nach dem Tage des erhaltenen Vor-! schuffes die gelammte Schuld getilgt ist; als Garantie für die Rückzahlung muß ein Jeder, der Vorschuß erhält, einen sichern Bürgen stellen. Die Verwaltung besorgt ein unbesoldeter Borstand, der an« neun Beamten besteht und aus der Zahl der Mitglr'eder gewählt wird. Der Verein zählt bis heute 40 Mitglieder, die sämmtlich durch Schenkungen hinzugetreien sind und besitzt bereits ein Capital von 1100 Thlr.; ausgeliehen sind an 28 Jnvividuen 1015 Thlr. Den Gründern hat vorzugsweise das seit 1816 in Hamburg bestehende jüdische Vorschuß - Institut als Vorbild gedient, welches nach feinem Berichte im Fahre 18>1, bei Gelegenheit der Feier des 25jährigen Bestehens der Anstall durch Legate unv Geschenke ein Grundvermögen von 6058 Beo. Mk. 5 Schilling und 5238 Conv. Mk. 14 Schill. 6 Pi. besaß. Mtt Hülfe der lhm zinsfrei gegebenen Darlehen hatte dasselbe in ven