Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1846)
- Date
- 1846-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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34 O zur Abreise treffen. Wäre rtwa von der k. sächsischen Regierung nicht die Erlaubnis zur Abhaltung der Versammlung zu erlangen gewesen? Oder hätte gar Hr. Frankel dieser Negierung wie Hr. Laube bei ähnlicher Veranlassung der in Weimar, angezeigt, die Versammlung beabsichtigte, politische, staats- und kirchcnrecht« lichc Fragen öffentlich zu discutircn, und so absichtlich deren Nichtgcstattung veranlaßt? Denn darüber hegen wir keinen Zweifel, daß demselben die angemeldete, an sich rcspcctable Gesellschaft nicht zugesagt haben kann, daß er eingesehen haben muß, mit diesen Leuten lasse sich nichts anfangen, bei einem Zusammentritte bleibe nichts übrig, als mit ihnen offen zu brechen, oder sich unter ihnen öffentlich zu blamiren, und wir würden, wäre er dem von Laube gegebenen Beispiele gefolgt, darin nur eine gute Art sehen, diese unüberlegt gebetenen Gaste vcn sich fern zu halten. Dies ließe sich auch mit Manier bewerkstelligen durch das Verschieben der Zusammenkünfte auf eine spätere, etwa auf die Carncvalzcit, unter rem plausiblen Vorwände, daß alsdann die erscheinenren abcnthrurrlichcn Gestalten neben anderem Mummenschanzc kein Aussehen erregen würden. Zu unserem wahren Bedauern sahen wir einer solchen Ankündigung, wenn auch anders motivirt, in einem der nächsten Blätter des „Orient" entgegen, denn wir lieben einen guten Schwank, und freuten uns im Voraus auf diese Versammlung, welche einen trefflichen zu liefern versprach. Sollten die Geldmittel fehlen, so wären dcßhalb in der Zudcnhcit Sammlungen zu veranlassen, und auch wir würden uns gern bereitwill g finden unser Schärflein beizustcuern. Ach, uns fällt dabei die Caffe zur Unterstützung der Nabbiner-Vcrs. ein, in welcher die letzte Versammlung schwerlich etwas gelassen, und ihr überdies durch die berüchtigten Sabbatbbcschlüsse die Zufluß- und Nadrungequrüen verstopft, oder doch unergiebiger gemacht hat; vcn unserer Gemeinde zum wenigsten dürfte, wenn die in derselben noch verwaltende Stimmung andauern sollte diese Caffe nicht viel zu erwarten haben. Wir zweifeln jedoch i nicht, daß diese begreifliche und gegründete Verstimmung in kurj zer Zeit einer richtigern Würdigung der Ve: hältniffe weichen wirr.! Man mag zwar mit Geiger in den Versammlungen deutscher 1 Rabbiner das kräftigste Institut, aus dem ein Fortschritt erwachsen kann, finden, ohne deßhalb wie er hinzufügen zu müssen. > „das Institut, das immer mehr als mächtigen Hebel sich bewähren wird zur Läuterung unserer religiösen Zustände", ohne mit ihm den Salto mortale von dem zweifelhaften Kann des Vordcrzu dem bestimmten Wird des Nachsatzes machen zu müssen. Der j Zweck des Instituts sei noch jo löblich, noch so sehr auf den Fortj schritt gerichtet, die einzelnen Versammlungen können ihn aus i dem Auge verlieren, eine entgegengesetzte Richtung, gar Selbst-! zwecke verfolgen, und unsere religiösen Zustände trüben, statt ste zu läutern. Allein die letzte Nabbinervcrsammlung hat zwar zur Unzufriedenheit, doch nicht zu solcher Besorgniß Veranlassung gegeben; sie hat inzwischen die Erfahrung gemacht, welche Früchte kurzsichtige Einseiligkeit trägt, und die nächste Versammlung wird hoffentlich ihres Berufs fortwährend eingedenk sein, nicht weiter geschreckt oder eingeschüchtert durch den Popanz einer frankclschen Gegenversammlung. Hat sich doch selbst an der l tzten Rabbiner« Versammlung die Güte des Instituts an sich in sofern bewährt, als auch sie nicht ohne praktische Folgen geblieben ist. So hat Herr Stein die zweiten Feiertage für gesetzlich unbegründet erklärt und darüber einen eigenen Vortrag in der Synagoge gehalten; er hatte das Umreichen eines Klingelbeutels bei dem festtägigen Gottesdienste beantragt, was die einstweilige Aufstellung eines Opferstocks in der großen Synagoge während der letzten Feiertage, rT"i, 3"1 und niDD vcranlaßte. Im Andachtssaale der Gemeinde- Schule, wo am Jom Kippur ein Gottesdienst nach Weise der Berliner Reformgenossenschaft statt fand, begleitete den Gesang mit der Orgel — ein Jude, die letzte Rabbinerversammluag hatte dies für zulässig erklärt. Wahrscheinlich sind auch in anderen Gemeinden Neuerungen gemacht worden, die nicht wieder spurlos verschwinden können. Wer den Fortschritt im Iudenthume will, kann nicht zugleich eine Unterbrechung der Rabbinerversammlungen wollen, die zu den frommen Wünschen unserer Frommen gehört, und wird jener Caffe den bisherigen durchgängig mäßigen Beitrag nicht entziehen. Der zweite Festtag. C (Breslau, im Oft.) — Die Beschlüsse der diesjährigen Nabbinervcrsammlung haben hier bereits begonnen ins Leben zu treten. Am ersten Tage des Hüttenfestes theilte Hr. Dr. Geiger nach der Abhaltung der Predigt den von der Rabbiner- Versammlung in Bezug auf den zweiten Feiertag gefaßten Beschluß der Gemeinde mit. Er setzte zugleich die Gründe, welche die Versammlung zu diesem Beschluß geführt hatte, die Entstehung und die spätere aller Begründung entbehrende Fortbcstehung des zweiten Festtages in klarer Darstellung auseinander. Es sei etwas Unnatürliches, in einem Zeiträume von 23 Tagen mit Einschluß der Sabbathe und der bürgerlichen Ruhetage, 13 Tage zu feiern, wodurch der Handwerker und die Andern, welche sich kümmerlich von ihrer Hände Arbeit ernähren, nothwcndig leiden müssen, wodurch dem Müssiggangc Vorschub geleistet und