Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1846)
- Date
- 1846-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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330 und die eben darum keinen Einfluß auf seine Veredlung und Heiligung haben, nicht aber der Beobachtung derjenigen Gebote, deren symbolische Bedeutung er erkannt bat und die er also nicht durch äußerlichen Zwang, sondern mit dem Bewußtsein ibres We'lhes und Einflusses auf sich selbst, also nicht mebr als etwas Fremdartiges und ihm Aufgedrungenes befolgen soll. Sagt er sich auch von diesen los unter dem Vorgeben, daß er bereits so weit fortgeschritten sei, um keiner sinnbildlichen Vergegenwärtigung der höheren Religionsideen mehr zu bedürfen, so scheint er sich denn doch der Gränze zu näberu, wo die Freideit in Zügellosigkeit ausartet Und wollte man auch noch weiter gehen in seinen Conccssionen und denjenigen, welcher eine so Hobe Stufe der Vollkommendeit und sittlichen Heiligkeit erreicht hat, daß er auch ohne die auf die innige Verbindung mit Gott hinweisenden Symbole die Gemeinschaft mit ihm nie aus den Augen verliere und seiner höheren Bestimmung stets eingedenk bleibe, von der Beobachtung der Ceremoriialgesetze dispensiren, so kann das immer nur von dem einzelnen Menschen gelten, nicht aber von der ganzen Religionsgesellschaft. Eine Religionsgemeinde ohne religiöse Symbole ist nicht denkbar. Die erdabencu Ideen der Religion und der Sittlichkeit werden zu keiner Zeit so ganz und gar in die Denk-und Handlungsweise der Mensilwn übergehen, daß alle änsserlichen Miitel zur Veranschaulichmachnug und Einscharfung derselben völlig überflüssig werden; der Wunsch unseres Gesetzgebers Moses.- onPy inn nx jrv ’D dwzj '» Op pn »di bleibt auch beute noch und wird immerfort ein frommer Wunsch bleiben, bis es Gott selbst gefallt, seine Verheißung durch den Propheten Io,l (3, 4—2.) ri’m ni2Q by 'NN nx *]ise?x p nnx rc. in Erfüllung zu bringen. *) (Schluß folgt.) *) Diesen Unterschied zwischen den einzelnen fortgeschrittenen Individuen und der ganzen Neligionsgescllschaft läßt besonders Herr 1>r. Holdhelm ausser Acht, welcher mir der ganzen Schärfe seines Geistes für die gänzliche Abrogirung des Cerrmonialgsctzes in unseren Tagen kämpft. So zeigt er. unseres BedünkenS ganz mit Unrecht, in No. 10. des Literatur. Blattes zum Israeliten Herrn S. Hirsch de. Jnconsequenz, weil dieser in seiner oben;itirtcn Schrifl sagt: „Biele Symbole sind dem alten Judcnthume, den alten Religionen überhaupt nörhig gewesen; denn zu einer Zeit, wo noch keine Buchvruckerkunst erfunden, wo schriftliche und Geschichte des Tages. Theologen - Versammlung. Rabbiner - Versammlung. / (Frankfurt, a. M. im Ociober.) Das französische moutnräe Äprös tnKIe wird im Jüdischen gewöhnlich durch: Es. rogim nach Snkkoth wiedergegeben, und sollte in diesem Jahre nach einer nco-. im übrigen unlogischen Bersson des Hrn. Dr. Frankel in Dresden heißen: Theologen nach Sukkoth. Es hatte Nachbar Fürst, der Orientale, es hatten seine Gesellen, Hanv. langer uno dienstbaren Geister mächtig in die Posaunen gestoßen, zahlreiche Anmeldungen waren gemacht unv veröffentlicht, und welche Anmeldungen! ein KlauSprimator, ein Ober-Jurist, ein Ober-Lotterie-Einnehmer, ein Lericoguns so ma >ch>.-r andere Raph. Das Sukkorhlest ist vorüber, unv der „Orient" schweigt; wir hören auch nicht, daß unsere hiesigen Angeurelveien Anstalten Privatbelehrnng kaum möglich war, mußte das Symbol im öi. sentliche» Cultns und in der häuslichen Anoacht den Religionsgeranken immer lebendig zu erhalten suchen". Nach dieser Prämisse, sagt H., sollte man erwarten, daß in einer fortgeschrittenen Zeii. in welcher namentlich die Buchdruckerkunst den Menschen in gei« üiger Beziehung völlig umgewanvelt, in welcher öffentliche und Privatbelehrunz den Geist fortwährend anrezen, das Symbol entbehrlich sei. Trotz dem behauptet Herr Hirsch, baß Symbole auch heute noch unerläßlich sind unv schleudert uns so mit einem gewaltigen Stoße von der Höhe der Gegenwart in die Tiefe der Bergangenheit hinab. Aber möchten wir fragen, ist denn die Menschheit im Ganzen, sind namentlich die Israeliten inSgesammr wirklich schon ans einer solchen Höhe der achten Bildung und : ollenrung angelangt, daß sie mit Stolz und Geringschätzung die Vergangenheit und ihre Institutionen herabsehen, und sich von allem dem lossagen dürfen, was die Allweisheit selbst zur Anregung und Befestigung der Religionsideen anzuordnen für gut befunden hat? Ist nicht trotz der großen Erfindung oer Buchdrücke,knust die Zahl derjenigen noch sehr groß, welchen schriftliche und Pr. vatbelehrungen, sei es aus Mangel an Kenntnis uns U.iterri.hr. fei es aus Mangel an Zeit, heute noch unzugänglich ist? Nunnit man diesen auch die symbolischen Religwiishandlnngen oder sag - sie sich selbst von denselben los, so werden sie. die Erfahrung spricht nur zu deutlich, gar bald in völlige Ungebundenheit und Verwilderung ausarien. Allein auch für die, welche sowohl die Fähigkeit als vre Muße haben, die Werke der Buchdruckerkuiin zu benützen, mag es gar oft wohlgerathcn sein, wenn sic neben der aus jenen Werken geschöpften Belehrung unv Anregung zu höheren Ideen durch äussere Handlungen ihr Relrg:onslcben sich und Andern zur Anschauung bringen. Und müssen wir bei unfern Bestrebungen für die Reform nicht eben so sehr, ja noch mehr die Gesammtheü der Glaubensgenossen im Auge behalten als die einzelnen Fortgeschrittenen?