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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-18 · Heft 42 (18.10.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 42 (18.10.1846)
Date
1846-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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333 rigcn Gesinnungen der Juden verdächtigt, als hätten sie bis jetzt darin einen Unterschied gemacht. Im Gegentbcil aber wissen wir, daß wir hier nur dem herrschenden Bewußtsein unter den Juden seinen Ausdruck verlieben, und der Beweis dafür ist, daß nicht ei» einziges Mitglied ein Bedenken gegen de» Jubalt dieses Antrages äußerte, selbst diejenigen nicht, welche mit Acngstlichkeit sich an das Bestehende halten zu müssen vermeinen, der Beschluß war einstimmig. Als» nicht das Leben und die gegenwärtige Gesinnung verlangte dieses ausdrückliche Hcrvorhebcn, daß kein Unterschied bestebe zwischen Inden und Nichtjuden, sondern die Bestimmungen, welche durch die engherzige Anschauung trüber Zeiten noch in zwar veralteten, aber doch von Vielen mit normativer Geltung ausgestatteten Büchern zu finden sind. Freuen wir uns, daß das Leben selbst derjenigen, welche diesen Büchern noch volle Autorität beilegen, in diesem Punkte, wie in anderen stillschweigend über sie hinweggeschritten ist; aber diese gesunde, im Leben bcrrschende Anschauung muß auch als Grundsatz bestimmt und unzweideutig ausgesprochen werden, und es ist ein Verdienst, daß wir es gethan. Man täusche übrigens nicht sich und Andere mit dem Vorgeben, daß Alles, was die Versammlung gestattet, bereits von alten Rabbinern zugegeben sei. Ohne auf die Beschlüsse einzugeben, welche zu Gunsten des Gottesdienstes und der Beamten-Tbätigkeit das Arbeits- Verbot des Sabbalbs znrückdrängen, was von der starren Orthodoxie entschieden verworfen werden muß, so ist auch derselbe Fall bei Militari dienst und bei der durch die Nolbwendigkeit gebotenen Erlaubniß, das Gewerbe durch Nickt - Israeliten fortsetzen zu lassen. Wer dem Juden gestattet, am Sabbat he Militairdicnste zu leisten, insofern diese nicht zirr Abwendung von Lebensgefahr gebokcu werden und in sofern als nicht direkter Zwang dazu anscrlegt wird, der bat den starren ortbodoren Standpunkt verlassen, und wenn er bei andern Gegenständen denselben doch bebauptcn will, so befindet er sich entweder einem ihm selbst llnbewußten Widerspruche, indem sein besseres Gefübl über seine falschen Grundsätze zuweilen das Uebergewicht erhielt, oder er lebt in bewußter Lügenhaftigkeit. Freuen wir uns, daß die Masse, die, falls sic auch orthodox ist, doch von richtigen Instinkten geleitet wird, in diesem Punkte gleichfalls von den Strömungen der richtigen Erkenntniß überwältigt worden ist; wenn aber der sich seiner Grundsätze bewußte starre Anhänger des Rabbinismus hier nachgiebig ist, so beweist er, daß er aus Streben nach Emancipation doch von seinen Grundsätzen ctrvas opfert, was auf seinem Standpunkte noch weit sträflicher ist, und was mau uns so oft, aber mit Unrecht, voiw.rft. Also es ist ni.tit wahr, daß wir den alten orthodoreu Standpunkt hier cinnebmen, cs ist vielmehr der einer gesunden, innein Entwicklung, der eben der Standpunkt der Zeit im Allgemeinen unter den Juden ist, wenn auch bei Vielen dieses Streben mcbr in dunkler Ahnung vorbanden ist, als daß es zum klaren Bewußtsein geworden. Eben so verbielt es sich auch mit der Erlaubniß, solche Gewerbe, die nicht unterbrochen werden können, durch Nichtjuden fortsetzen zu lassen. Ja, es mögen alle Rabbiner diese Erlaubniß ertbeilt haben, aber unter welcher Bedingung? Daß man sein Geschäft dem Nichtjndcn für den Sabbath geradezu übertrage und ihm auch den Gewinn dafür überlasse. Wahrlich, eine große Ausbülfe.' Eine Ausbülfe, die wiederum zu allen den unwürdigen Fictionen führt, mit denen man Gott und den Sabbath belügt! Weg mit diesen Vergleichen! Wir verfahren redlich, man sei auch redlich gegen uns; dieses Recht dürfen wir in Anspruch nehmen, und wer dasselbe gegen uns verletzt, der rühme sich nicht seiner Aufklärung, der wendet blos List und Blendwerk an, um zu verdächtigen, und solche Ast wird zu Schanden. Uebrigens mögen wir un't dem Zeugnisse wohl zufrieden sein, daß wir dem wüklich Heiligen Nichts leichtsinnig entzogen. Unsere Aufgabe ist, dem Leben religiöse Nahrung zu reichen, nicht jenes von dieser auszuleeren, wir erleichtern nicht, um alle Opfer, welche ein wahrhaft religiöser Sinn fordert, hinwegzuräumen, um das Leben zu verflachen, sondern wir beseitigen das, was bloße Werkheiligkeit ergrübelt, wir entfernen das, was der Religion ihre Herrschaft im Leben verkümmern könnte. Eine Ausgleichung des Lebens mit der Lehre in dem Sinne, daß wir diese jenem zum Opfer bringen, da sei Gott für! Ich mag auf die anderen heilsamen Resultate der diesjährigen Versammlung nicht weiter eingchen; man schiebt sie in den Hintergrund, um mit desto größerem Nachdrucke gegen die Sabbathbeschlüsse zu Felde zu ziehen, man ignorirt sie, um den Geist der Versammlung, wie

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