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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-11 · Heft 41 (11.10.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 41 (11.10.1846)
Date
1846-10-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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324: welche einen jeden Eingriff in die freiere Entwickelung zu vermeiden hat, genug bewußt, wenn sie, da der Gegenstand dock berührt wurde, gegen die Verlegung in ibrcn Beschlüssen nicht direct sich ausgesprochen bat; von ihr zu verlangen, sic solle sie bevorwortcn, das ist wahrlich, scldst abgesehen von aller theologischen Erwägung, rein vom Standpunkte des praktischen Lebens betrachtet, mehr als Unbesonnenheit, es ist ein Zeichen von gänzlicher Verblendung, von Verkennung der ganzen Verhältnisse. Allein, sagt man, wenn ihr eingesehcn habt, daß ihr in dieser Frage eine Ausgleichung nicht erwirken könnt, wozu euch gar mit dem Gegenstände befassend Wir haben Recht, wenn wir behaupten, daß ihr euch mit Kleinlichem befaßt, das Wesentliche umgangen habt, daß eure Thatigkeit nicht den Erwartungen entsprochen und ihr das in euch gcsetze Vertrauen nicht gerechtfertigt habt. — Ich frage aber, ist es nicht durchaus noihweudig, daß eine Versammlung von Lehrern der Religion in entschiedenstem Ernste mit dieser offenen, alles gesunde religiöse Leben auszehrenden Wunde sich beschäftigt? Es muß immer mehr zur Klarheit kommen, daß hier der wunde Fleck in unserm religiösen Leben ist, mit allem Nachdrucke darauf hingewiesen werden, dann wird die Heilung näher gebracht werden. Tie bisherige Gedanken- und Gesinnungslosigkeit in diesem Punkte muß in ihrer ganzen Nacktheit aufgewiesen werden. Es ist schmachvoll, wie man bis jetzt, während man oft mit jüdischer Frömmigkeit prunkte, mit eingeschläfertem Gewissen diesen Kernpunkt eines religiöskirchlichen Lebens mißhandelte; dieses Gewissen regt sich daher auch, so oft der Punkt ernstlich zur Sprache gebracht wird, aber statt, wie cs sollte, sich gegen sich selbst zu wenden, klagt cs Diejenigen an, welche es aus seiner Schlaftrunkenheit aufwecken. Nein, diese Frage muß zur Entscheidung kommen, wenn das Jucngen Grenzen, welche die Beschlüsse gesetzt, werde bannen lassen, hätte die Rabbiner-Versammlung dem Gewissen und der freien religiösen Erwägung der einzelnen Glaubensbrnder mehr Spielraum gestatten muffen. Dieses würde die überaus heilsame Wirkung gehabt haben, daß man sich nicht fortwährend in unseligen Widerstreit mit dem bestehenden Religionsgesetz gefühlt, darum aber nicht minder, ja noch mehr, als bisher, wo die Gewissen nun doch einmal beirrt und entzweit waren, bestrebt hätte die Heiligung des Sabbaths so viel, als irgend die Verhältnisse es zulasscn, zu beobachten-. denthum ein kräftiges dauerndes Leben behalten soll, und sie wird zur Entscheidung kommen, wenn sie nur immer und immer dem Bewußtsein vorgcführt wird, sie muß zur Entscheidung kommen, mag cs sein, wie es wolle, durch eine« gereiften Entschluß der Gesummt« beit. Aus der schaudererregenden Verwirrung und Unklarheit, in deren Schlund das ganze religiöse Leben verschlungen wird, muß das Judenthnm, muß eine seiner wesentlichsten Institutionen, der Tag der Weibe und der Ruhe gerettet werden, und aus der Unklarheit kommt man nur, wenn sie recht lebhaft in ihrer Halbheit und Leere nachgewiesen wird. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages« Predigerwahl der Reformgenossenschaft. Berlin, im Sept. — Die am 10. d. M. erfolgte Wahl Hylvheims zum Prediger der Neformgeiiossenschaft wird überall mit Freuden vernommen, da sie offenbar eine sehr gelungene ist; denn wer unter den neuen Rabbinen kann sich rühmen, die Sache der Reform mit solcher Wissenschaftlichkeit unv p.incipiellen Schärfe, aber auch mit solcher Freimüthigkeit und Entschiedenheit vertreten zu haben, als der Mecklenburger Landes-Nabbiner. Er wird sie ferner mit derselben Kraft nach außen hin Vertreten, aber auch durch seine geistreichen Predigten auf ihre Erstarkung und Fortbildung im Schooße der Gemeinde selbst mächtig cinwirken. Wer die Predigten, welche Holdheim veröffentlichte, gelesen hat, wird ihm auch Schwung und Fluß der Neve nicht absprechen können; nur die äußere Begabung, namentlich die Stärke des Organs, läßt Manches zu wünschen übrig; aber eine so intelligente Gemeinde, wie die Genossenschaft, wird hoffentlich mehr von der Gediegenheit der Münze, als von ihrem Klang und ihrem Gepräge sich fesseln lassen. Sachs wird aber jedenfalls an Holvhcim einen gefährlichen Rivalen haben, denn steht dieser jenem auch an einem gewissen Nednertalent nach, so übertrifft er ihn um so mehr an Klarheit und Schärfe des Gedankens, und ist durch seine vieljähri'gen talmudischen Studien dergestalt in jedem Gäßchrn und Winkel der Gottrsstadt bewandert, daß er Jeden, der sich etwa dorthin verschlagen möchte, mit großer Leichtigkeit heranszubringen weiß. Möchte er recht bald .seinen Wirkungskreis unter uns antreten, und uns lange, lange erhalten werden. Als Hstlfsprediger hat ihm die Genossenschaft den Dr. Frierstander aus Brilon bcr'gegeben.

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