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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-04 · Heft 40 (4.10.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 40 (4.10.1846)
Date
1846-10-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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lchaftlichkrit auch baS so lange brach liegende Gebiet der indischen Theologie beleuchtet und bald überzeugte man sich, daß auch das Judentbnm eine Geschichte hat mit lebensvoller und lebensfähiger Entwicklung, daß cs weder an bestimmte Her^ortretungen ewig gebunden fei, noch aber auch von vornherein irgend eine Erscheinung verworfen, völl.g ignorirt werden dürfe, daß es vielmehr in der Totalität seines ganzen Lebrnsproz^sses betrachtet werden müsse» daß jedes Theilchen, in welchem Leben wohnt, das aus dem Geiste, der dein Ganzen ursprünglich zu G.unde liegt, hervorgegangen, und noch in innigem Conncxe mit ihm steht, erhalten werden müsse, gleichviel wo es sich finde, im Talmud oder in der heil. Schrift, daß aber Alles, was kein Leben mehr hat, im Gegentheil das Leben des Ganzen gefährdet, vom streng pofitiven Standpunkte aus entfernt werden könne unv müsse. Es ist ries das positiv-historiichc Streben, das sich geltend macht, unv ras positiv-historische Judenthum als das binstellt, dessen Erforschung man anstnben muß, als das allein richt ge Pruzip res religiösen Lebens. Das pofitiv-historifche Jutenthum hat demnach den doppelten Sinn, einmal, insofern hier das Posit-ve. das göttlich Gegebene an die Spitze gestellt wird, wie es sich durch die Geschichte, histcr sch, rn.wickelt, erweitert hat, sodann aber auch, wie es durch die Geschichte, historisch, beschrankt wurde; wie E.nzclnes durch die Geschichte neue Blüthrn trieb. Anderes durch sie, indem es die Beringungen seiner Erist.nz verloren, abgestanden ist. Es kommt also vorerst Alles darauf an, das Positive in seinem ganzen Umfange kennen zu lernen, und dann zu ermessen, wie es sich g'schichkl ch entwickelt, oder mit andern Worten: ob uizp welche Geltung cs noch heute mr uns hat. We.S nicht als positiv, oder mindestens als notbwendige, lebensvolle Entwickelung desselben in den Quellen selbst enchemt, das kann von vornherein auf religiöse Geltung, für dessen Festbaluiiig und Uebung eine obligater sche Verbind! chkcit für den ernsten Bekenner besteht, nicht Anspruch machen, das muß endlich auch der strengste Ortho' dorismuS als ein dem Jurrnrhuin völlig Fremdes fahren lassen. Darüber kann unmöglich unter den ernst Meinenden, den wissenschaftlich Klaren ein Streit bestehen: daß nur das Positive und die nothwenvige historische Entwickelung desselben zum Judenthume gehöre, alles Andere aber, das nur als Jnterpre, tation der positiven Destiimiiiiiigen erscheint, als eine solche Interpretation. dir mit einer w.ssenschastlichrn, vcrnrtheilölosen Exegese im Widerspruche stehet, oder als willkürliche, in subjektiven Ansichten oder in momentanen Befürchtungen ihren Grüne habende, Bestimmungen, kerne Verbindlichkeit von dem Israeliten beanspruchen könne, und nur die Unwissenschafrlichkeit, die auf das Entstehen, den Grund und den Zusammenhang der Erscheinungen nicht 1*1 eingebt, ober die völlige Anw ffenbeit. oder die Heuchelei. die mit beiden liebäugelt, kann dagegen sich erbeben. Da aber die Au» Wissenschaftlichkeit immer mehr sich verliert, d e Andern belehrt; werden können, wenn wir selbst erst in Allem klar find, und dir Heuchelei, da sie keinen Gewinn mehr findet, dann von selbst fich verlieren muß, so wird der Einigung über da- Prinzip auch die Einigung im Leben, wenigstenvon dirser Solle, folgen, vnv jene ew gen Zersplitterungen, die die Einheit des Glaubens endlich ganz zu vernichten drohen, werken ihr Ende erreichen. llm diesen Schwankungen rin Ende zu machen, ist es vor Allem nothwenrig, daß der Begr.ff und der Inhalt der Tradition klar gemacht werde. Denn gerade darüber herrscht der Srrrit und dir Zerspluirrnng in der Spnagogr. Wlll man unter Tradition Alles verstehen, was das spätere Judemhum zu Tage gefördert hat. jede Interpretation eines mosaischen Gesetzes, wie jede momentane Anordnung einer N^ligionsbehorre. wie dies nicht selten geschieht, so ist man damit einmal mit den Quellen selbst in Wirerspruch, welch.- die Tradition keineswegs so weit ausdeh» neu, sondern jede derartige Dtst'unnung, wie wir Meter sehen werden, mit dei'onrern Ausdrücken einführen; sooanii wäre gerade | dieses der Weg. der Tradition ein fü> allemal den Todesstoß zu > geben, da man es nie mehr dahin bringen wird, Erklärungen, welche auf den ersten Blick im Widerspruch mit dem einfachen Worisinne der Schrift erscheinen, allgemeine positive Verbindlichkeit zu erringen, und dann, wie es bisher wirkt.ch geschehen, da- Kind m t dem Bare ausgeschüttet, alle T>adition i» Bausch und Bogrn, ja oft sogar daS schnstliche Gesetz selbst, über Bord geworfen wird. Versteht man aber unter Tradition, wie es gewöhnlich ge» j schiebt, von Gott selbst offenbarte Bestimmungen, die zwar dem! Inhalte der heiligen Schrift nicht einverleibt, aber mündlich von Geschlecht;o Gi schlecht als göttliche Offenbarung fich fortgrpflanxt haben, bis sie zu e ner bestimmten Zeit schriftlich nierergelegt wurden, so kann zwar rer Umstand, daß sie eben blos mündlich traditionell überliefert wurden, um so weniger von ihrer Berpflich» hing entbinden, als dann konsequenter Weise auch die als geschriebenes, göttliches Wort sich ankündigenden Bestimn ungen reu tiefsten Giunv ihrer Verpflichtung verlieren würden, unv ein Nihilismus eintreten müßte, vor dessen öeer Leere ver Menschenfreund schauderte, da auch die Schritt selbst am Ende auf Trakit:on beruht. wenigstens ihrem größten The le nach, wie aus 5. Mos. 27, 2. hervorgeht, wo schon der fromme Nachmanides die Schwierig, keit. „die ganze Thora", wie es dorten heißt, die Thora, wie ffe uns jetzt vorliegt, auf Steine auszuhauen, fühlt, unv wie es Vs»

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