Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1846)
- Date
- 1846-10-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567058--2314-2570341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
320 den das Präfentationsrccht) verordncte die Eonfirmation und zählte unter den Unterrichtsgegeuständen auch jüdische Geschichte, biblische Geographie und Gesang auf, Disciplinen, die leider noch in vielen jüdischen Schulen umsonst gesucht werden. Den Unterricht selbst besorgen aber noch größtenteils unwissende und ungebildete Subjekte, die des Hansel- oder Gewerbelrbrns über« drül'stg geworden, nun dem Lehrcrstande sich widmen, dessen Beruf sie treiben, ohne von ihm getrieben zu werden. Seminaristisch herangezogene Lehrer sind an den Fingern abzuzählen. Nebst der theoretischen und praktischen Befähigung glaube ich aber vorzüglich auch die ganze Hingabe an den Beruf, das alleinige Leben und Streben für denselben, was den eifrigen Lehrer charakterisircn dürfte, zu vermissen. Bei meiner Frage an meinen Lehrer, der noch für gut gepriesen wird, ob derselbe, und welche pädagogische oder jüdische Blätter er lese, erhielt ich die Antwort, daß er wohl die vom Nabbinen in Cireulation gesetzte ZudenthuniS-Zeitunz le« fcn müsse, um nicht anzustoßen, einen Kreuzer aber für ein Schulblatt zu verausgaben für eine wahre Beischwendung halte, lieber wollte er dieses Geld vcrschnupfen re. Ein düsteres Bild gewahren Sie daher in fast allen Schulen. Die Unterrichlsbücher sind zwar die neuesten, in Wiesbaden, Wcilburg, wie in Langenschwalbach, gewahrte ich sehr brauchbare Lehrmittel, ohne welche man vur mit Mühe Gedeihliches leisten kann. Flehinger's und Schmidts biblische Geschichte, Höchstädter'S und Hechr's Lesefibel, Kley's, Johlsons und Herrheimers Neligionsbüchrr, Salomons Bibel, Elkan's jüdische Geschichte, sind, ich weiß nicht, ob gesetzlich, eingeführt. Hingegen ist in Bezug auf eine zweckmäßige äußere Einrichtung der Schule und der Schüler nichts gcthan, aber Dieles ist, wie gesagt, von der Zukunft zu hoffen. Der Mangel an einheimischen Lehrern war Ursache, daß sich die Gemeinden mit unbefähigten Ausländern einstweilen begnügen mußten, und konnte man bei den dürftigen Gehalten, die ausgeschieden werden konnten, nicht so wählerisch sein. Das Landesseminar zu Idstein nimmt indessen auch jüdische Seminaristen auf und wird es in kurzer Zeit nicht an Jünglingen fehlen, die sich dem Lchrcrbernfe widmen werden, sobald nur etwas äußere Anerkennung und nur einigermaßen hinlängliche Subsistenzmittel mit dem fraglichen Stande sich verbinden. Die günstige Srcllung der Nassauer christlichen Lehrer wird dann auch auf die der jüdischen übergrtragcn und damit zugleich rin gutes Schulwesen erzielt werden, dessen weiterer Erfolg gewiß die völlige Einverleibung der Juden in den Bürgervcrbanv, die völlige Gleichstellung, sein wird, da es bei den Nassauer Ständen und Negierungen gewiß nur noch einer geringen Anregung von Seiten ver Juven bezüglich ihrer Veredlung bedarf, um sich vollends zum Vorthe le der Juden auszusprechen. Ich erinnere h erbei nun noch an die diesjährigen Verhandlungen der Nassauischcn Stände- Versammlung und an die Bestrebung des in Nassau angestellten Geistlichen Robert Haas, der sich gewiß in dem dankbaren Herzen aller unserer Glaubensgenossen ein ewiges Denkmal gestiftet hat' Prediger Goldstein. (Waren, im Mcckeliiburgischcn. im Aug.) — Mit gespannter Erwartung sah die, in unsrer Gemeinde nicht unbedrutinoe Anza,l warmer Freunde einer entschiedenen Reform im Judentum den Resultaten der diesjährigen Rabbiner-Versammlung entgegen, und freute sich daher ganz besonders, daß sie erwarten durste, über dieselben aufs baldigste von einem Mitgl.rde der Versammlung selbst, von unserem, wegen seines verdwiistlichcn Wirkcns im Geiste unseres verehrten Landes Nabbinen von seiner Gemeinde überaus geschälten Prediger, Herrn Gold stein, der dieses Mal zu unserer Freude an rer Versammln ng Thcil genommen, Kunde zu erhalten. Wir wurden in dieser freudigen Hoffnung auch nicht getäuscht. Gleich am ersten Sabbath nach seiner Rückkehr von Breslau, am verwichencn Sabbath Nachamu, belehrte und erbaute uns Hr. Goidstein durch einen eben so geistvoll als warm gehaltenen Vortrag über 5. B. M. 4, 5, 6. worin er sich, nach Anleitung des Textes, besonders darüber verbreitete, daß nur der die Gemeinde belebende religiöse Sinn und die wahre Frömmigkeit, die Frömmigkeit mit erleuchtetem Verstände, ihr den Namen eines DDn Dy zu verschaffen im Stande seien, darauf passend an die Rabbiner - Versammlung anknüpfte und deren diesjährige Beschlüsse nebst den Gesichtspnnk» ten, aus welchen sämmtliche Fragen erörtert wurden und ven Motiven, von welchen die Versammlung sich leiten ließ, zur Kenntniß seiner zahlreichen Zuhörer brachte. — „Wem (sagte der Redner u. A.) hebt hier das Herz sich nicht, daß es bereits zu tagen angefangen? Wer, ver es aufrichtig und treu, der cs ernst meint mit Gott nnv Religion, blickt nicht mit Frohgefühl auf die Bewrgunz der Ze.t; gewahrt nicht mit innigem Wohlgefallen, wie es sich auch in Israel ans dem religiösen Gebiete zu regen angefangen! Wer könnte einem Streben seinen Beifall versagen, vaS uns eiiw helle und freundliche Zukunft verbürgt! Und sehen wir diese helle und freundliche Zeit auch noch in weiier Ferne; dünkt eS uns, die wir wissen, daß Gott nur im Geiste und in der Wahrheit von uns verehrt sein will, — dünkt es uns auch lange bis dahin, wo alles Erstarrte und Abgestorbene geschwunden sein wird und wir uns eines geläuterten, unserem religiösen Bewußtsein zusagenden Judentums rühmen dürfen, — wir zagen dennoch nicht; denn wo einzelne Strahlen sich bereits gezeigt, da geht endlich auch die ganze Sonne in ihrer Pracht und Schöne ans. Und wenn auch drin edlen Streben derer, die es gewagt, in den heiligen Kampf für Gott und Ncl.gion zu ziehen, noch so viele Hindernisse von denen in den Weg gelegt werden, die, in ihrer Beschränktheit, jenes fromme Streben nicht zu würdigen wissen, und von demselben nicht die Erhaltung, sondern die Gefährdung, den Umsturz der Religion eiwartrn. — w r zagen dennoch nicht; denn was zu siegen verdient, wird siegen." In diesem Geiste sprach der Redner fort, unv ich habe es mir nicht versagen können, ihm dafür im Namen Vieler öffentlich meine Anerkennung und meinen Dank auszuspreche»» vttlag der I. C. Hcrmann'ichea Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbäch..-