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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-04 · Heft 40 (4.10.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 40 (4.10.1846)
Date
1846-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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AIS stwtgähren und fortqualmcn läßt, unbekümmert, wenn da, durch die reine religiöse „HimmelSglüth umnebelt" wird, und ohne auch nur im Geringsten den Mißbräuchen Einhalt thun zu wollen. Man frage hier den schlichten, biedern Hausvater, ob er nicht warmer für eine Reguliruaz des Gottesdienstes in allen hicstgen Lethausern (waS in manchen durch die S>lbstthätigkeit der Sy« nagogeu. Vorsteher bereits geschieht), oder für sonstige wohlthä. tige Anstalten stch intercsstrt, als der Herr Oberjurist N —, der nur darauf strenge sieht, daß ja auf der betreffenden Bekanntmachung ein hinlänglicher Raum zu seiner obersten NamrnS« Unterschrift leer bleibe, wenn bereits ohne sein Zuthnn eine wohlthatige Anstalt durch den Eifer Anderer ins Dasein getreten, wie z. B. daS von einigen hiesigen barmherzigen Hausvätern gegründete jüdische Hospital in Karlsbad u. dgl. Darum Glückauf, Herr Oberjmist, zu Ihrer Wiedergeburt Ihr in Hoffnung gestelltes thatigeS Auftreten in der Theologen- *)Wie wäre denn sonst sein schillerndes Benehmen in all seinem Thun und Lassen zu ekläreu? Warum z. B. hören wir ihn in seinen rwn selbst in solchen, wo er so gern als Eiferer gegen alle Neuerungen u»d N formen erscheinen möchte, niemals! gegen TerephoS - Esser losziehen, deren Zahl hier mit jedem! Tage zunimmt? Etwa weil die Meisten, die — eine freimüj thige Tätigkeit von ihm erwartend — seine Aufnahme in Prag! begünstigt, in n'Z11“,“; sehr bewandert sind und cs so zu sai gen verstehen? —Warum ferner ist eine gewisse Doppel-! züngigkcit an ihm unverkennbar, selbst (wer sollte cS glauben?) wenn er wissenschaftliche Gegenstände verhandelt? War er doch z. B. schwach genug, seine gediegenste wissenschastiche Arbeit, die gründliche Kritik des M. I. Landau'schcn «Aruch" (Picure Haitim. Wien 1836.) seit er in Prag angcstellt ist „Flecken in seinem Leben" zu nennen, „die er höchlich bereue", (kerem Chemed VI, 95. Prag 1841.) WaS bewog ihn dazu? Etwa weil er in seiner gegenwärtigen Stellung mit dem jüdischen Amtsvorstehcr Herrn M. I. Landau in gutem Einvernehmen zu leben gegründete Ursachen hat. Und gerne die alte Scharte auswetzeu möchte? Wo bleibt aber dann die wissenschaftliche Forschung, die heilige redliche Wahrheit? Warum endlich seine in Prag rege gewordene abgöttische Verehrung der Geldaristokraten? anstatt daß der praktisch frömmere Dr. Sachs hier gegen diese sich immer ein,! seinem Selbstgefühle entsprechendes Uebcrgewicht zu geben wußte, j Welches selbst den hiesigen Reichen Hochachtung abnöthigte? — Za, Rap. nimmt eine zu hohe Stelle in der Prager Judenh eit ein, als daß man solche moralische Verstöße und Mißgriffe, die man selbst einem Privatmanne schwerlich verzeihen würde, nicht bemerken ßollte! — Versammlung läßt unS eine, wenn auch nur theilweife, heilsame Reformation in Ihrem Wirken als NeligionSvorsteher in Zukunft erwarten. ttebcrhaupt ist dieser erste Schritt zur Selbstprüfung, eine Theologenversammlung ( — bezeichnencr wäre eine Anti - Nabbinerversammlung —) zusammen zu berufen, von großer Bedentung. Der Geist des entschiedenen Fortschrittes i,-> Sinne der jüdischen Reformer ist dadurch gleichsam als Macht anerkannt, die man befehden müsse, und diese stillschweigende Anerkennung könnte von erfreulichen Folgen sein. Als Louis XVI. im Jahre 1789 die Generalstaaten zusammen berief, um das schwankende Staatsgebäude zu stützen, und somit dem Volke eine Stimme, dem Zeitgeiste ein Dasein zuerkannte— damals schon war die alte Herrschaft und mit ihr die alte Tyrannei vernichtet, so wenig damals die legitime Partei cs auch vorauszusrben im Stande war. Die Anwendung dieses welthistorischen Aktes — so paroristisch cs vielleicht klingen mag, —wäre ich nicht abgeneigt aus die Theologen. Versammlung zu machen! Die Theologen verschiedener Farben konstituiren sich — die morsche talmudische Selbstherrschaft ist dahin! — Nur ein Louis XIV mit seinem l’etafc c’est mal! so wie heutzutage der unbeugsame hartnäckige Laindan mit seinem Grundsätze: Das Jndrnthum, daS ist der „Schilchaa — Aruch" verstehen die vermeintlichen Rechte ihrer Despotie zu wahren. Mit solchen Feinden läßt sich nicht kämpfen, die mit uns auf einem Kampfplätze nicht erscheinen wollen. — „Mt dem Unverstände kämpfen Götter selbst vergebens"! Die Thcologenversammlung aber rüstet sich ernstlich zum Kampfe, erkennet den Widersacher direkt ooer indirekt als ebenbürtig an, ermangelt so wenig des schweren Geschützes, dem alten rostigen Arsenal entnommen, als des Kleingewehrfeurrs des gesunden Verstandes und der modernen Bildung. Ich wiederhole es. diese Zurüstungen könnten von ersprießlichen Folgen sein! Wir wollen sehen. — Jüdische Zustände. (AuS dem Herzogthum Nassau, im September.) Auch in dem klimatisch so schönen Nassau leben Juden, und zwar nicht weniger als 6000 Individuen, die in 222 Gemeinden zerstreut wohnen. Hievon sind im Amte Höchst 670, in Wiesbaden 560, Runkel 500, Selters 450 Seelen. Nur in Dillenbürg und einigen anderen Orten sind und dürfen keine Juden wohnen. Obgleich nur immer sehr wenige Juden eine Ge-

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