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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-04 · Heft 40 (4.10.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 40 (4.10.1846)
Date
1846-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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317 «Es gibt in unserer Zeit Jemand", äußerte Talleyrand in der französischen Pairskammcr, «der alles besser weiß als alle Cabinettc", und, fügen wir hinzu, als alle Rabb.«Congrcsse, «dieser Jemand ist alle Welt". Das sehen noch ganz andere > Leute als unsere Rabbinrn nicht ein; das Volk, welches Herr! Stein, nach seiner Erklärung auf die erste Verwahrung zum; wenigsten, als Gegensatz zu sich und seinen Herren College« j denkt, das Volk fühlt heute aus allen Beschlüssen die geheim«! sten Motive gleichsam insiinktartig heraus, aus den Beschlüssen > der Rabbmerversammlulig in Breslau nicht weniger als aus denen der evangelischen Synode und der Hauptversammlung des Gustav Adolph - Vereines zu Berlin. Wenn man aber in Breslau nach Geiger «eine unbefangnere Würdigung gerade von intelligenteren Männern erwarten zu dürfen glaubte", wie konnte man Beschlüsse veröffentlichen, zu deren Würdigung eine Inteli ligenz gehörte, die bei den wenigsten Lcftrn vorausgesetzt j werden durfte? Hätte die Versammlung von ihren Sabbath-! bcschli'isftn die unter 2,6 und 7 (S. 251 d. B. und I.), welche doch allein praktische Bedeutung haben, einfach ohne Wortschwall bekannt gemacht, keine Stimme wäre gegen sie laut geworren, zum wenigsten keine, die Beachtung verdient hätte; man würde an der Bersammluug nur einen mäßigen Fortschritt, und nicht wie nun einen in reaetionairem Geiste ermäßigten wahrgenommen haben, welchen man aus den Protoeollcn immer noch früh genug hätte kennen lernen. Wir sind geneigt, diesen reactionairen Geist selbst sowohl als dcssn absichtliche Maniscstirung dem bedaucr ichen Einflüsse solcher Mitglieder der Versammlung zuzuschreibcn, von welchen Geiger (S. 10), berichtet, daß sie „mit Acngstlichkcit sich an das Bestehende halten zu müssen vermein, n", daß sie «veralteten, aber doch von vielen mit normativer Geltung ausgcstattetcn Büchern*) noch volle Autorität beilegen", und die wir nur da, „von den Strömungen der richtigen Erkeuntniß überwältigt" finden, wo cs in ihren kleinlichen Kram paßt, oder, was noch schlimmer, ihre selbstischen Zwecke Offene Briefe aus Prag. Geehrter Hr. Redacteur! Ein großes Ereigniß steht uns bevor. Nicht etwa soll die Jenny Lind uns mit ihrem himmlischen Gesänge bezaubern, oder die göttliche Fanny Elfter auf der hiesigen Buhne — um *) Schaß und Poskim. mit Theodor Mundt zu reden — „Goethe tanzen"! Nein titt neues unerhörtes, unerwartetes Ereigniß steht uns bevor: Der hiesige Obcrjurist Herr Salomon Lob Rapoport will — wie der lärmende Posaunenstoß so manchen konservativen jüdischen Organs jubelnd verkündet — zu der von l>r. Frankel aufgeforderten Theologenveriammlung sich begeben, um zum ersten Mal für ftin durch religiöse Wirren vielfach zerfallenes Volk mitwirkend und mitkämpfend aufzutrcten. — Glückauf, Herr Oberjurist! es ist nun einmal hohe Zeit, aus Ihrer mehrjährigen, mit nichts zu entschuleigendcn Lethargie zu erwachen und der Welt zu zeigen, daß ein Rabbiner für seine Gemeinde, nickt die Gemeinde für den Rabbiner da sei! Es ist nun einmal hohe Zeit, daß ein Jeder, der sich von seiner Gemeinde aushalten läßt, auch zeige, daß ihm die Sache des Judentbums — welchem heurziltage mit einem altvaterischen, nachgeahmten rvsT crrn,, und mit längst außer Kurs gekommcueu nx*~Ti wenig gedient ist — nach seiner besten Ucberzeugung in der That am Herzen liege; daß der Geist des Fortschriltes, der sich durchaus keinen Hemmschuh anlegen läßt, der in allen Ländern und in allen Richtungen heilsame Veränderungen hcrbeiführt, von seinen Gegnern eine vernünftige energische Gegenwirkung, eine gründliche, thatkrästige Prüfung erheische, wenn sie sich nicht lächerlich machen wollen. Die Zeit ist um, wo man uns literarhistorische Forschungen, auf den Begräbnißplätzen längst vermoderter unbedeutender Literaten und Literaturen angestellt — so kritisch und scharfsinnig sie an und für sich auch sein mögen — als das Heil, welches Israel zu erwarten hat, ausgebcn möchte. Die Zeit ist NM, wo man einen Kritikus, der auf dem schlappen Seile der Geschichte verschrobener Aftcrgrößcn (wie die sinnverwirrten Paitaniin und Consorten) mit großer Geschicklichkeit tanzt, und den Vor. und Nücksprung mit vieler Grazie crecutirt, auch geeignet fand, als Volkclehrcr, als Rcligionsvorstehcr in einer rhrcnwcrtbcn Gemeinde wie Prag würdig und wirksam aufzutreten. Ich will hier nicht mißverstanden sein. Nicht die wissenschaftliche Richtung R —'s ist cs, die ich zu rügen beabsichtige. Ich schätze seine antiquarischen Leistungen, die für Gelehrte vom Fache von ersprießlichem Nutzen sind, als solche von ganzer Seele. Die praktische Richtung R — 'S ist eS, die ich zur Zielscheibe habe. Es blutet mir, wie einem jeden Unbefangenen, das Herz, zu sehen, wie R —, der im Leben alle Untugenden und Unarten seiner Landsleute in sich vereint*), den alten Quark

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