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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-10-04 · Heft 40 (4.10.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 40 (4.10.1846)
Date
1846-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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316 und dessen strenge Sittlichkeit und Rechtlichkeit auch seine Gegner bewundern mußten. Zwischen beiden Parkbcicn standen die Schwankenden, deren Mantel im Winke flatterte und säumten sich nicht, den Fuß auf festen Boden zu setzen. Das Neologenrcscript erschien. Im Lager der Finsterlinge war lauter Jubel, Um doch den Sieg errungen; voraller Welt ansgesprochen, Anbänglichkeit am (wo nichtgeradegenaueKenntnisse vom) Talmud sei mehr als wissenschaftliche Bildung, mehr als tbeelogische Gelehrsamkeit und rbetoriiche Fertigkeit. Der Rabbinerstuhl war wieder zum für nienli bestimmt und einen solchen besteigen zu können, gibt mau sich als Orthodoxer auch die Mübe. Tie Folgen sind noch so neu, daß ich nicht glaube sic «aber zu beschreiben. Nicht alles ging, wie man hoffte, und wünschte. Selbst unter den streng orthodox lebenden Israeliten abulcn viele, daß ein Rabbiner des 19ten Iabrbunrcrts kein Mann des 4Oien sein dürfe, daß die jetzige Zeit und jetzigen Berbä'tniffe doch in Vielem anders seien und ließen sich nicht betbörcn. Aber so war und ist cs nicht überall. Wir schweigen über andere Bergäuge und gehen lediglich zu den Fragen über, welche'Aussichten hat nun die Reform in Bayern? Soll für den Fortschritt nichts gctban werden? Kann etwas gelhau werden? Wer soll cs thun? Wie kann es geschehet!? u. s. w. Wir kommen auf diese Frage in unserem zweiten Artikel zu sprechen. Geschichte des Tages. Sabbathbeschlüfse. (Schluß.) / Frankfurt a. M. im September.) — Wahrscheinlich um sich als kräftiges Institut, aus dem ein in „weiter Verbreitung durchdringender Fortschritt erwachsen kann" *), ausznweisen, hat die diesjährige Nabbinervcrsammlung versucht, selbst ein neues Institut, Schabbesvereine, ins Leben zn rufen; bisher hatte man blos Lern - Kippcs, Zi'zith - Kippcs, Maires- Kippcs, re. :e., nun auch Schabbcs - Kippes. Wir erlauben uns als Amendement zu dem praktischen Anträge des Herrn S. Adler in Alzcp an die diesjährige Rabb.-Versammlung, dahin lautend; „Die Versammlung wolle mit der Versammlung der Kasse zur Unterstützung der Nabbinerversammlungen flch benehmen und dieselbe dahin zu v rmögrn suchen, eine angemessene Summe für allzweijährliche von der Nabbinerversammlung zu stellende Preisfragen zu bewilligen, dann eine solche Preisfrage für den nächsten Termin bestimmen und eine Commission zur Beurthcilung der einlaufenden Arbeiten aus ihrer Mitte erwählen", welcher unseres Wissens in Breslau nicht zur Bcrathung gekommen ist, darauf anzutragen, daß diese Preisfrage dahin laute: „Kann eine Schabbcsgoje SchabbcsvereinS- Mitglied werden"? Gewiß würde sich auch nicinand mehr eignen, dieselbe gründlich zu erörtern und zu lösen, als Hr. S. Adler selbst, welcher über die Stellung des weiblichen Geschlechts im Zudeilthum die als Anhang VII zu den Protoeol« len der zweiten Rabbinerversammlung abgedruckte weitläufige hebräische Abhandlung geschrieben hat. Heißt das sich mit einer „offenen, alles gesunde religiöse Leben auszehrenden Wunde beschäftigen"? Wird auf solche Weise „die bisherige Gedanken- und Gesinnungslosigkeit in diesem Punkte in ihrer ganzen Nacktheit aufgewiesen"? Wer hat an die Nabbinerversammlung jemals das Ansinnen gestellt, sie solle aussprechen, daß der Samstag „als Werktag zu erklären", und der Sonntag „als Ruhetag zu adoptiren sei"?*) Waren die Anträge des vorjährigen Sabdath-Coinmissions-Berichtes, gegen welchen man nichts eingcwendet, so weit, waren sie selbst viel weiter gegangen, als die diesjährigen so heftig angcfeindctcn Sabbath - Beschlüsse? Geiger weiß sich diese Erscheinung nicht zu erklären (S. 3), wiewohl er den Grund dafür selbst hinzufügt. Nicht das Resultat, die Anträge des Berichts, sondern die in demselben knnv gegebene Gesinnung hatte man beachtet, und sie „als eine aufrichtig dem Fortschritte zugrwandte" erkannt, während man aus den diesjährigen Sabbath - Beschlüssen das Einschlagen einer entgegengesetzten Richtung abnehmen zu können glaubte. Um uns deutlich zu machen; man kannte die Schwierigkeit der Sabbathftagc, und fand, daß der Commissionsbericht gern weiter vorwärts gegangen wäre, wenn er es hätte wagen dürfen; die Sabbathbeschlüsse hingegen lassen den Eindruck zurück, als wären sie gern weiter rückwärts gegangen, wenn man cs hätte wagen dürfen. Dagegen hilft kein Berufen auf Protocolle, deren jedenfalls spätes Erscheinen noch problematisch ist, die abgeändcrt, wenn man will, erst noch für die Oeffentlichkeit rcdigirt werden müssen, welche nur Wenige lesen; sie vermögen das Vertrauen, wenn es einmal, wie die erste Verwahrung sich ausdrnckt, verscherzt ist, nicht wieder hcrzustellen. Geiger, a. a. 0., S. 12. ') Geiger, a. a. O.. S. 6, 7.

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