Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1846)
- Date
- 1846-10-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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31.1 genden Gcmcindcdienste ftöinib cm wirken de Ausnahme durch das Gesetz nicht zngestanden sei, und auch nicht zugcstauden werden könne, denjenigen von ihnen, welche die Verrichtung dieser Gemeindedienste mit ihren Rcl-igionssatznngen nicht vereinbaren zu können glauben, blieben daber lediglich die den Christen im Verhinderungsfälle zustehenden Mittel offen. So wurden auch die Landwcbr - Kreis- Commando's benachrichtigt, „daß die Bekenner des mosaischen Glaubens in der Landwehr wie in dem stebenden Heere unter dem Vorwände von F e i er- oder Festtagen eben so wenig diipensirt werden, als dies bei den Christen der Fall ist, für welche vielmehr gerade die höchsten Festtage als Paradctage vorgeschricben sind, und vor welchen die Israeliten einen Vorzug weder verlangen können noch zu einer Zen verlangen werden, wo gerade Gleichstellung die dringende Bitte der gesammten Indcnschaft ist". So wurden auch die Rabbiner, welche gegen die Bayreulher Synagogenordnnng Gutachten abgegeben hatten, mir den Worten zmückgewicsen, „wie nur durch ein bemcffenes Benehmen der kirchlichen Vorstande wahre Einigkeit und Andacht unter den Israeliten begründet und befestigt werden könne, wie sie, welche sich in die kirchlichen Anj ordnungen anderer Rabbiner mischen, und die israelüij schen Gemeinden mit ihren Rabbinen entzweien, die er-! klartcsten Feinde einer Verbcfferung des Zustandes ihrer 1 Glaubensgenossen und die eigentlichen Hindernisse jeder j ganzen oder tbcilweisen Emancipation sind". Rach solcher Demonstration, deren beispielsweise noch viele angeführt werden könnten, darf man sich nicht wundern, wenn die Rabbiner, ohnehin noch sehr jung, und kaum von der Universität gekommen, sich vom Eifer für die gute Sache fortreißcn ließen und ihren Gemeinden zu rasch vorwärts eilten, sowohl in der Aeußerung ihrer religiösen 'Ansichten als in ihrer Lebensweise und selbst bei ihren Anordnungen den damaligen Standpunkt ihrer Gemei'ndeglieder zu wenig beachtend sich Manches erlaubten, woran die noch fest an alten Gewohnheiten hängenden Gemeinden Aergerniß nehmen. Aber auch das würde sich bald verloren haben, denn die Rabbiner jener Zeit in Bayern hatten durch ihren moralischen Lebenswandel, ihre strenge Rechtlichkeit, eifrige Tbäkigkeit und uneigennützige Bemühungen zum Besten ihrer Gemeinden, was man bei deren Vorfahren weniger gewohnt war, sich Achtung und Zutrauen errungen, so daß wir ans dein friedlichsten Weg einer gründlichen Reform wären tkeilbaftig geworden, wenn — — der Wind sich nicht gedreht härie. — Rene Regierungs- Prinzipien gaben auch hier der Sache eine andere Wendung . Man wollte weder Fortschritt im Religiösen, noch Aussicht ans Emancipation gewähren, und nicht mir hörte jede direkte Beförderung des Fortschrsttes an-', sondern auch direkt und indirekt wurden demseraen Hindernisse eutgcgkirgestellt. Diese Wahrnehmung gab den politischen Eiferern, die, wenn auch das ganze Juden« thuin zu Grunde ginge. ihren Ingrimm anslaffen wollten und nach rachs-chtiger Verfolgung schnaubten, neuen' Mnrh. Sie fielen mit verleumderischen Reden und Vrr- . däehtigungen über die Rabbiner her, schürten, wo daS Feuer noch m-bk ganz erloschen war, wieder von Renern an, und in Fürth, wo die große >Zahl der Abfalle der Glntb lange Rahrung gab, schlug die Flamme dato empor und brannte lichterloh. Ter Gang des Furt her Prozesses ließ keinen Zweifel übrig, die Reiorm fei heberen Ortes nicht genehm, das Indenthnm solle in seinem Schlamme bleiben, inan will seine Reinigung nicht, ob, weil man seinen Glanz besorgte, oder um den damit immer gegründrtercn Ansprüchen ans Emancipation auszuweichen, oder weil man überhaupt Fortschritt nicht wollte: wer mag das untersuchen oder hierüber ein entscheidendes Unheil zu fällen sich getrauend Für jetzt ist der Augenblick noch nicht gekommen, den Schleier zu lüsten, aber wenn es einmal geschehen kann, dann würde Manches klar werden und überraschenden Ansschluß bieten. — — Wer für Reform war, hielt es für zeitgemäß an sich zu halten, zu schweigen, um der Reaktion nicht neuen Stoff zu bieten. Tie Gegner waren darum nicht verlegen, sondern griffen heftig nach den früheren Reformen und reformistischen Bestrebungen, Aeußerungen und Handlungen. Sie denuncirten, klagten an und sprachen Beschuldigungen ans, von deren Falschheit sie sowohl, als die Behörden überzeugt waren, nicht bedenkend wie hiedurch sie sich selbst und das Judenthum, als dessen treue Atihänger sie sich präsentirten herabwürdigten. (Was hatten sich auch Männer, die Raben» Tbams Thephillin legen um niffn ^if?n zu kümmern?) Man halte den Zweck vor Augen, den heiligen Zweck, einen Rabbiner um seine Stelle zu bringen, dem % seiner Gemeinde ergeben war, als Seelsorger und Vater liebten