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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-27 · Heft 39 (27.9.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 39 (27.9.1846)
Date
1846-09-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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167 fammten israelitisch,n Stamme- und der daraus erzeugten Derpflichttmg zur Erfüllung des Ceremonialgesetzes. So lauge auch nur ein einziges Glied dieses Stammes — gleichviel an welchem Orte — noch vorhanden ist, kann es sich weder seiner Heiligkeit, noch seiner speziellen religiösen Verpflichtung entäußrrn, so lange dieser nicht äußerliche Hindernisse, welche ihre Erfüllung unmöglich Wachen, entgegenstehen. Nicht das Volk, sondern der Stamm ßilt den Rabbinen als Träger der Heiligkeit und des Ceremonialgesetzes. Wenn die Heiligkeit des palästinensischen BodenS wenigstens hinsichtlich der Fähigkeit zur Erzeugung agrarischer 'Pflichten an einen gemeinsamen Aufenthalt Israels auf demselben geknüpft ist; so hat dies seinen Grund darin, daß dies- Heiligkeit eben keine üatürliche, aus der Beschaffenheit des Bodens folgende, sondern durch die Besitznahme deS Volkes erzeugt ist, und kann es den Rabl'inen um so weniger zur Inkonsequenz angerechnct werden, daß sie die Heiligkeit des Stammes überhaupt als natürlich betrachten und nicht ebenfalls an den Aufenthalt in Palästina suüpfrn, da ja rin großer Theil des Cercmonialgesetzes schon während des Aufenthaltes in der Wüste uud schon vor der Besitznahme LeS Landes Geltung erlangt hatte. Mie wenig ich nun auch das Urtheil des Verfasserhinsichtlich der radbinischcn Inkonsequenz theilcn kann; so bin ich hoch weit entfernt, vorliegender Schrift ihre mannigfachen Verdienste absprcchrn zu wollen, welche gewiß alle Freunde des religiösen Fortschritteder vom Verfasser versprochenen größer» Schrift über diese Materie nur mit desto freudigerer Spannung entgegenschen machen. Unser religiöse- Bewußtsein — hierin stimme ich mit dem Verfasser vollkommen überein — hat sich vor den Rabbinen überhaupt nicht zu legitimircn; denn cS zieht feine Nahrung aus dem Gerste Gotte-, der im Menschen, in der Geschichte und — für gesunde Augen — auch in der Bibel valtet. Die Differenz läßt um so weniger eine Ausgleichung stoffen, als sie in der religiösen Grundanschauung liegt. Dem rabbinischen Judenthum wird nämlich die Hülle des Heiligen nie entbehrlich, weil es sie selbst alS heilig, als absolut heilig betrachtet; sie kann daher wohl durch die Dunstwolken der Sünde auf eine Weile unsichtbar, aber nimmer zerstört Verden. Wie nach dieser Anschauung der Leib des Frommen Mittelst der auch dem besten Menschen anhaftenden Sündenhaftlgkrlt l«t:n nnna pei vor der Macht des Totes eine Weile vom Schauplatz? des Lebens weicht, um über kurz oder lang ln strahlender Glorie zu einem neuen und vom Tode unbesiegbaren leiblichen Leben wieder zu erstehen (S. Abraham bea David zu Maim. Buße 8, 2.), zu einem leiblichen Leben, welches nach der Ansicht Einiger mit «2,1 ganz und gar zusammenfallt und um so besser und veredelter fei» muß, als es den Weg nicht durch das Medium menschliche» Zeugung nimmt und unmittelbar auS GottcS Hand hervorgehen wird; so wird und muß auch nach derselben Anschauung der heilige Tempel, wegen Israels Sünde gesunken, in unaussprechlichem Glanze von Gottes Hand selbst wieder aufgerichtet (S. Josaphat zu Traktat Schebuoth 15 d f’SO werden, um nimmer untcrzugehcn und das heimkehrende Israel auf ewig an den heiligen Boden Palästinas zu kesseln. Es ist dahe» durchaus falsch, zu behaupten, daß die Rabbinen die Lehre vor» der Unsterblichkeit der Seele in ihrer vollen Höhe aufgefaßt hätten; sie lassen die Seele in den Himmel ziehen, um sich dereinst wieder mit dem geläuterten Leibe zu einem heiligen und glückseligen Erdcnleben zu verbinden. Daß die Hülle deS Heiligen, mag dieses nun als Tempel oder Gesetz oder auch als Leib der frommen Seele sich äußerlich manifestiren, ein für allemal und zwar deßhalb schwinde, um das Heiligthum nach seiner Entfesselung und gerade durch dies» in eine höhere Entwickelungsphase treten zu lassen, das können sie sich schlechtcrdiugs nicht vorstellcn. Im Gegentheile. Ein» solche Entfesselung ist und bleibtihnen ein mangelhafter Zustand, eine Verkümmerung des Heiligen, dessen Grund fi« darum immer unv immer wieder in der Sünde suchen. Lann denn aber Gott, ja kann der Mensch fein Heiligthum für immer zu Grunde gehen oder auch nur beeinträchtigt lassen? Gewiß nicht! Die Lücke muß wieder auSgefiiltt, das Heiligthum wieder ganz, die unsichtbar gewordene Hülle wieder sichtba, werden. In dieser Vorstellung wurzelt der Glaube an die Ewigkrit des Cercmonialgesetzes, die Restauration der Theokratie und die leibliche Auferstehung. Wir hingegen erkennen im Verschwinden deS leiblichen Daseins nicht eine Wirkung der Sünde, sondern unseres erhabenen Berufes, in ein höheres Leben aufzugehcn und für immer von der Stufe deirdischen DafeinS zu scheiden, weil wir die Hülle des Heiligen nur für relativ, d. h. in Rücksicht und für die Dauer ihrer Verbindung mit dem absolut Heiligen heilig halten. Geht endlich die Hülle unter, so geht ihre Seele auf, und das Heilige hat alsdann nichts verloren, sondern nur gewonnen. Daher können und dürfen wir auch die Zerstreuung Israels nicht als eine Wirkung der Sünde, sondern deS höhern israelitischen BrrnfeS, daS Sittcngcfetz und die Glaubenslehren des Judenthums immer mehr auS der Hülle des besondern CcremonialgesetzeS hcrauStreter» und in dieser geläuterten Gestalt ein Gemeingut aller Menscher» werden zu lassen, betrachten. €o wenig als die vom Leibe ent- > fesselte Seele mit dem abgefchüttelten Staube sich |e wieder

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