Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1846)
- Date
- 1846-09-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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16S vereinen wird, was selbst MaimonideS trotz seiner rabbinischcn Anschauung — freilich zum Staunen des Abraham den David (S. MaimonideS im Mischnahcommentar zu Sanhedrin 90 a) — nicht glaubt, eben so wenig wird Israel je in das ehemalige theokratische Vcrhältniß wieder zurücktretcn. Anstatt das seit Jahrtausenden Verblichene mit einem glänzenden Firniß zu überziehen, wird unser Messtasreich neues, höheres, nie dagewcse- »eS Leben schaffen, und wir können um ihrer Glaubcnsarmuth willen diejenigen nur bedauern, die daran zweifeln, ob wir diesem Mcsstasreiche mit derselben glühenden Sehnsucht und unbefiegdaren Ueberzeugung, wie der in der talmudischcn Anschauung mit Leib und Leben wurzelnde Jsraelite seinem Messiasreiche, entgegcnsehen könnten. Wohl wissend, daß die Geschichte nie Me gestanden hat, verschmähen wir die Schwäche oder Heuchelei derer, welche ihr ohne Vorweis eines fteinaltcn Empfehlungsbriefes keinen Fußbreit Bodens im Judenthum gönnen, und dann doch, sobald sie den Sieg davon getragen, die Welt erobert und das Werdende in ein Gewordenes verwandelt hat, sie wie Gott anbeten und heute das als ein unantastbares Heiligthum verehren, was sie gestern noch für Götzendienst ausgeschriccn haben würden. Hoppstädten bei Birkenfeld, im Januar 1846. vr. Einhorn Literarische Notiz. I« dem Machest der Zeitschiift für die religiöse Interessen deS JudcnthumS findet sich die Fortsetzung eines Aufsatzes über die Prinzipien des Talmuds in Bezug auf Reformen im Judenthum von Salomon Sachs, Kreisrabbiner, über den wir später, wenn er abgeschlossen uns vorliegen wird, ein Urtheil in diesen Blättern uns Vorbehalten. Bei Gelegenheit der Erwähnung der Mischnah (Chagiga 1,8-1: D."6 j’KI "PIKS piTOS OHU, “iD’H DDD'Bf HD „die Bestimmungen über Lösung der Gelübde fliegen in der Luft und haben gar keinen biblischen Grund", macht der Verfasser in einer Note das. (S. 168) folgende interessante Bemerkung: „Während wir von dieser Mischna sprechen, können wir nicht umhin, auf die sträfliche Oberflächlichkeit derjenigen aufmerksam zu machen, die in neuester Zeit zur Verdächtigung des Talmuds aus derselben schließen wollte: sie gebe die Auflösung der Eide für eine göttliche Tradition aus. Wer diese Mischna versteht, muß vielmehr in ihr etueu Beweis der Redlichkeit in Begehung auf die Quellenan. gäbe finden, indem sie da, wo sie keinen Anlehnungspunkt für die Satzung hat, es offen gesteht, daß sie gar keine Stütze habe. Wollte sie diese Lehre als Tradition auSgeben, so würde sie sich nicht des Ausdruckes l’miD bedient haben, weil keine Tradi-ion ‘■PlfQ nmiS heißt und für keine irgendwo ein Stützpunkt verlangt wird, denn darin besteht ja das Wesen der Tradition, daß sie nur mündlich überliefert wurde und keinen Stützpunkt in der Schrift findet, wie dieses schon Maimon. ausführ, lich erörtert und aus vielen Stellen im Talmud erwiesen werden kann. Wo also wird im Talmud die Auflösbarkeit der Eide als göttliche Tradition ausgegeben? Wenn Maim. Hilch. Scheb. Cap. 6. 6. 2. sagt: rtap »SD D»in ntPOD *p so ist dies keineswegs dem Talmud zur Last zu legen, und dann hätte man wissen sollen, daß selbst dieser Ausdruck bei Maimonid. nicht streng zu urgiren und ein Unterschied zu machen sei zwischen »J»DD ntPD*> und ntPDD 110% denn unter letzterem Ausdruck ist keineswegs eine göttliche Tradition zu verstehen." Also die Auflösbarkeit der Eide ist nach dem Talmud keine göttliche Tradition, und wenn Maimonidcs das Gcgentheil behauptet, so fällt diese Behauptung nur ihm, dem MaimonideS zur Last, nicht aber dein unschuldigen Talmud. Warum aber ich wegen dieser Behauptung einer „sträflichen Oberflächlichkeit zur Verdächtigung des Talmuds" geziehen werde, während man dem Maimonid. gegenüber, wenn er einen gleichen Verrath am heiligen Talmud begeht, nicht den Muth hat, ein unglimpfliches Wort zu äußern? und wieder: wie ich mich einer „sträflichen Oberflächlichkeit" schuldig machen kann, wenn ich den großen Maimonid. als Gewährsmann anführc? Diese Fragen wird der Vers, wohl schwerlich beantworten und verant- Worten können. Und wenn ich die Keckheit gehabt hätte, den großen Maimonid. wegen seiner Behauptung, daß die Auflösbarfett der Eide eine göttliche Tradition sei, einer '„sträflichen Oberflächlichkeit" zu zeihen, was würde unser Verfasser für ein Zetergeschrei erhoben haben! Es ist dies die Weife achter Poltrons; dem Maimonid, gegenüber ist der Verf. feig und stumm, mir gegenüber keck und vorlaut. Er irrt aber sehr, wenn er mich wehrlos glaubt; ich fühle mich auf meinem Standpunkt so sicher, wie Maimonid. auf dem seinigen. Ueberdies fühlt der redlich sein wollende Verf. den Pfeil in der eigenen Brust; er mag es sich nicht gestehen und es widerstrebt seinem bessern Gefühle, daß der Talmud die Theorie von der Auflösbarkeit der. Eide für eine göttliche Tradition halte. (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hcrmanu'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.