Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1846)
- Date
- 1846-09-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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313 dem armen Jud -»sprechen, ob doch Gott Gnab gebe, daß er sich von seinem Unglauben bekehren wollte, damit seiner armen Seel geholfen und gerathen werden möchte. Dessen weigert sich ermelveter Pfarrer von Göppingen, mit dem Vermelden, weil sie den Juden allein auf den rechten Messiam gewiesen, durch sein Leiden und Sterben allein Vergebung aller seiner Süuden zu erlangen, wäre er genugsam erinnert und vermahnet, und Nichts an ihm versäumet worden, darum man eS Gott befehlen müsse, deß Werk es sei, die Herzen der Menschen zu ändern und zu bekehren, die er erschaffen hat, und sei verhoffentlich, so ernstlich für ih^i ge. beten würde, Gott möcht sich sein annehmen, und ihn mit seiner Gnad zur Erkenntniß kommen lassen. Da aber der Pfarrer von Weißenstein anhielt, auch etliche Umstehende, deS Pfarrers zu Göppingen gute Freunde und De. kannte, ihn vermahnten, auch etwas mit dem Juden zu reden: ob Gott Gnade gebe, daß er bekehret würde! hat er sich dann ver. mögen lassen. Ist darauf in Ring getreten, und hat den Juden auf nachfolgende Weis angesprochen: (Hier folgt im Tert: Häberlins Speciwen tdeoloKiae practica« v. I. 1690 18 Seiten lang die Beweisführung von der Gottheit Jesu und unserer Sünd. Hastigkeit, Jerem. 36, 6, Jes. 7 und Cap. 53). So lange nun ermeldeter Pfarrer zu G. mit dem Juden redete, hingen auch die Hund still neben dem Mann, und thäten ihm kein Leid. Der Jud aber sah den Pfarrer ernstlich an, und verwendet seine Augen nicht, aber er redet nicht ein Wort, schwieg also still, bis der Pfar. rer aus dem Ring durch das Volk den Berg herab ging. Als der Pfarrer eben aufsitzen und wegreitcn wollte, kamen etliche eilend zu ihm und sagten ihm an, der Jud wolle sich taufen lassen, bitten ihn auch fleißig, er wollte wiederum zu ihm hinaufgehen, und ihn ferner aus Gottes Wort trösten. Da ging er wiederum hinauf zu dem Hochgericht, und als er sich durchs Volk drang und als ihn der Jud ersehen, schrie er mit lauter Stimm ein mal oder zehen! O Herr! der Pfarrer antwortet ihm: Liebe» Anstret, es ist dir in Herzen gangen, was ich mit dir von dem gesandten Messia geredet habe? Der Jude antwortet: Das weiß Gott wohl. Der Pfarrer fragte ferner: Glaubst du aber von Herzen, daß Jesus sei deS lebendigen Gottes Sohn, und der wahrhaftige Messias, durch welchen allein die Sünder aus dem Fluch Gottes erlöset werden? Ja, sprach der Jude, ich glaube es von Herzen. Der Pfarrer sagte ihm weiter: Lieber Anstret, bedenk dich wohl, und betrüg dich nicht selber, daß du wolltest desgleichen thun, und diesen Messiam bekennen . dadurch du vermeinest, wieder ledig zu werden, solltest du eS denn mit einem falschen Herzen thun, so würde dein Urtheil noch schwerer werden; der Jude sagte: Ach nein, lieber Herr, ich glaube eS von Herzen. Gott hat mir mein Herz gerührt und solches zu erkennen gegeben, und begehre von Herzen auf den Namen Jesu getauft zu werden, bitte derhalben, wollet mich nicht verkürzen, ich begehre allein getauft zu werden, will darnach gerne sterben, begehr auch nicht länger zu leben. Da er nun beständiglich auf dem Bekenntniß Christi verharret, und die Tauf so ernstlich begehret, hat ihn gemeldter Pfarrer ferner aus dem Propheten Jesaia sonderlich getröstet, und ihm das Leiden, Sterben und Aufcrstehen Christi, warum es geschehen, und was er damit ausgerichtet, erkläret und ermahnet, in solcher Erkenntniß und Glauben sein Leben seliglich zu beschließen, auch sich die äußerliche Schande nicht irren zu lassen, so er vor der Welt leiden müsse, und wissen, daß er in die ewige Herrlichkeit und alle Ehr durch den Verdienst Messiä werde eingesetzt werden. — Unterdeß hat man zu dem Edelmanne Görgen von Stechberg u. s. w., desselben Orts von Gott gegebener Obrigkeit, geschickt, und sich Bescheids erholet, was mit dem Juden ferner fürzunehmen, weil er sich zu dem christlichen Glauben hatte bekehret, und der heiligen Taufe begehret. Endlich er hangend am Hochgericht mit Wasser im Namen Gottes re. getaufet, von Füßen ledig gemacht und am Hals gehänget worden, und also mit lauter Bekenntniß und Empfahung der heil. Taufe sein Leben, wie alle Umständen verhoffend, selig in unserm Herrn beschlossen, welchem sei Lob, Ehr und Preis, Amen. - Man wird nach dieser offenbar wahren Erzählung, mit uns einverstanden sein, wenn wir behaupten, daß solche Bekehrungen ä tont prix, wie sie — die Folgen der Barbarei des Zeitalters natürlich abgerechnet — auch heute noch betrieben werden, — hat sich auch die Form gemildert — im Wesentlichen doch dieselben geblieben sind und stets bleiben werden. Wir müssen gestehen, daß bei den Bekehrungen pur force wie sie heut zu Tag im Schwange sind, uns für die Bekehrten kein anderer Gewinn herauszukommen scheint, als der, welcher in dem Unterschied li'gt, daß der Unbekehrte an den Füßen, der par force Bekehrte aber am Halse sich aufgehängt fühlt." Literarische Anzeige. Neueste israelit. Literatur. Bei F. E. C. Leuckart in Breslau, ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Geiger, «r Abr., Die dritte Versammlung deutscher Rabbiner. Ein vorläufiges Wort zur Verständigung. Preis l'/2 Sgr. -Vorläufiger Bericht über die Thätigkeit der drei Versammlungen deutscher Rabbiner. Preis l'A Sgr. _Vor neun Iahren und heute. EmWort zur Verständigung aus jener Zeit für heute. Preis 3 Sgr. Treuer Bericht über die Ereignisse in der hiesigen jüdischen Gemeinde. Dritte Auflage. I1/, Sgr. «erlag der I. C. Hermaon'scher» Buchhandluvin Frankfurt tu SR. - Druck von Fried, «rähe m Offenbach.