Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1846)
- Date
- 1846-09-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567057--2300-2570326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
311 wird schwinden, wie er schon geschwunden ist bei einem großen Theile der Juden, welche wir in unsere Gesellschaft aufgenom. mrn haben. Meine Herren! Die Zeiten, in welchen die Menschen sich des Glaubens wegen anfeindetrn, des Glaubens wegen Rechte streitig machten, sind vorbei, und so wie die Petenten begonnen, wollen wir mit Cannings Wo.-ten schließen: „Politische und religiöse Freiheit der ganzen SBfü!" j tz. 13. Ihre Commission, meine Herren, geht auf weitere Details über die Art der Durchführung der Emancipation nicht rin, sie überläßt dies einem zu hoffenden Gesetzentwürfe, in wel. chem allerdings wird Vorsorge getroffen werden muffen, daß die. > senigen Nachtheile nicht eintreten, welche mit der plötzlichen Durch« I führung einer solchen durchgreifenden Maßregel verbunden sein | könnten, und zweifelt nicht, daß eine spätere Kammer, welche! einen solchen Gesetzentwurf zu berathen haben wird, dir erforderlichen Bestimmungen trifft, und will zum Schlüsse nur noch wiederholen, daß die Emancipation, auch im Prinzipe vollständig durchgesührt, dem Wucherer oder Nothhändler für seine Person! keine Früchte br ng.n kann. Ihre Com.sffon, meine Herren, schlägt Ihnen einstimmig vor:! „Die sämmilichen, die bürgerliche Gleichstellung der Zuj den mit :rn Christen bezweckenden Petitionen dem großh.! Staatsministeriu« mit Empfehlung zu überweisen." Bekehrungssucht. (Vom Neckar, im September.) — Am 24ten Anglist ist i» Stuttgart das alljährlich wiedcrkehrende Misstonsfest abgehal. ken worden. Eines unserer freisinnigsten Blätter erstattet nur hierüber Bericht, und zieht in ausführlicher Rede gegen den falschen Bekehruugseifer der Jetztzeit zu Felde. Wir stellen eine im Verlauf des Aufsatzes gegebene Erzählung und die Schlußworte desselben hierher: „Im Jahr als man zählt nach der Gedurt Christi, taufend fünfhundert fünfzig drei, den ly. Juli, ist zu Weißenstein in Schwaben ein Jud, Anstret genannt, peinlich beklaget und um feiner Uebelthat willen zum Strang erkennet worden. Als er aber viel und oft durch die Meßpriester daselbsten vermahnet worden, von seinem Unglauben sich zu dem rechten, wahren Messt« zu bekehren, welcher ist Jesus von Nazareth, GotreS *fld Marien Sohn; ist er auf seinem Unglauben halsstarrig ge. vlieden, und nach ergangenem Urtheile des Todes zu dem Hochgericht ausgcführt worden. Da er auf dle Rlchtstätte gebracht, und abermals zur Bekehrung ernstlich und fleißig ermahnt worden, aber sich von seinem Jrrihnm und Blindheit nicht wollen weisen lassen, ist er gebunden an seinen Füßen an daS Hochgericht aufgezogen und gehenkt, und als er um Hochgerichte gehangen, abermals zur Bekehrung durch allerlei tröstliche Sprüche des neuen Testaments vermahnet worden, sich zu bekehren. Da aber keine Besserung zu hoffen, alsdann sind erst neben ihm, dem Inden zween große Hunde an den Füßen aufgezogen und gehängt worden, an ihn gefallen, die Ohren abgebissen, und angefangrn, seine Ellenbogen zu nagen, als wenn man ihnen sonst ein Bein vorgeworfen hätte. Als er nun jämmerlich grsihrien, und ihm die Meßpriester zuriefcn: er solle seiner Seele helfen, weil er doch sehe, daß es um seinen Leib und zeitliches Leben geschehen wäre, hat er sich doch gar nicht an ihr Gespräche gekehrt, sondern auf seinem Vornehmen beharret. Wann aber die Hunde mit Geschrei und Beißen nachließen, hat er die allertröstlichsten Sprüche, so im Psalter geschrieben sein, in hebräischer Sprache zum Theil gesungen, zum Theil geredt uns gesagt: Du ewiger, einiger, allmächtiger Gott, der du nicht verlassest alle die, so auf dich hoffen, sei mir gnädig und barmherzig, komm mir zu Hülf, errette und erlöse mich aus dieser Roth. Du bist mein Fels und meine Burg, du bist mein Retter, du kannst allein helfen, du hast gesaget: rufe mich an, am Tage deiner Noth, so will ich dich erretten. Ach Herr errette mich, ach hilf mir. Und dergleichen Sprüche mehr. Darnach rief er den Leuten zu, die um ihn standen und sagte: ach ist aber kein Mensch der mir helfen will, ach helfet, erbarmet euch über mich, lasset euch doch meine große Noth bewegen, wie könnet ihr nur so unbarmherzige Leute sein? Darauf antwortete ihm der Pfarrer zu Weißenstcin, er wäre an diesem seinem Leiden selbst schuldig, er solle seiner Seele helfen, damit dieselbe von der ewigen Pein deck höllischen FeuerS errettet und erlöset werde, dem Leibe würde allbereit geholfen sein, wenn seine Seele zu Gott gekehret würde. Er solle sich zu Jesu mit dem Herzen, Glauben und Gebet wenden, der nicht allein ein reiner Mensch, sondern auch wahrhaftiger Gottes Sohn sei, und sei kein anderer Raine unter dem Himmel gegeben, darinnen selig zu werden, denn dieser. Da aber alle diese tröstliche Vermahnungen bei ihm nicht« helfen wollen, und sich ansehea ließe, als wären sie allzumal an ihm verloren, geht aber der Pfarrer von Weißenstein zu Jakod Andrea, dem Pfarrer zu Göppingen, so auch wie andere an dem Hochgericht gestanden und gehört, wie sich der Jud in seiner Marter gehalten hatte, bittet und vermahnt ihn auf das Allerhöchst um der Ehr unstrS Herrn, und um der armen Seel willen, er soll