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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-20 · Heft 38 (20.9.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (20.9.1846)
Date
1846-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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103 Grade der Sünde die Sühne bald einzeln, bald in größerer oder geringerer Anzahl vereint bewirken, Buße, VersohnungStag, Schmerzen und Tod aufgezählt und für die Ilebcrtretung von l"2 mrvDl mrn")2, welche in unvorsätzlichrm Falle zur Zeit beö Tempels das Schuld» oder Sündenopfer nachzog, die Wirk» samkeit rer Sühnmiitel der Art in Anspruch genommen, daß die Sünde durch die Vereinigung von Buße und Versöhnungstag verringert und erst durch das Hinzulreten von Schmerzen getilgt wird. Der Widerspruch zwischen dieser Ansicht und M-sch» nah Schebuoth 2 b wird von Maim. ibid 1, 3 (S. Lech. Misch.) und dessen Conrmentar zu Mischnah Ende Joma als blos scheinbar nachgewiescn, indem lediglich wahrend des Bestandes des heiligen Tempels Buße und Versöhnungstag resp. der an diesem ge» opferte Sündenbock zur Sühne der Kareth, und Todsünden ausreichten, hingegen später der Sündenbock durch D’H'ID’ ersetzt werden mußte. Natürlich vertreten nun diese in gleicher Weise, so lange der Tempel nicht restaurirt wird, auch die sonstigen Sühnopfer. Vom Lesen der Opferkapitel, Gesctzesstndium over Gebet als Stellvertreter des Opfers findet man hier auf halachischem Boden trotz der umständlichen Auszählung der Sühnmiitel keine einzige Spur. Zum Ueberflnsse mag für die halachische Geltung der Leiden als Stellvertreter des Opfers noch auf Cheritoth 26 a ziehung immer weiter. Da nun auf diesem Standpunkte das verwandtschaftliche Element blos ein negatives, das trennende hingegen ein positives ist; so war das Judenthum, der herrschenden Kirche gegenüber, nie besser gewaffnet, als eben setzt. Der Missionär W o l f mit anderen christlichen Seelen, fischern wissen darum recht gut, warum sie der jüdischen Orthodoxie ihre Honneurs machen und die deutschen Juden vor den gefährlichen, d. h., dem Christenthume mißliebigen Tendenzen drr Rabbiner-Versammlung warnen. Doch lassen wir diese Herren gewähren. Das Judenthum wußte sich von jeher zu helfen und wird sich mit göttlicher Gnade auch ferner zu -elfen wissen. So lange es seine Bahn nach irgend einer Rich' tung hin, welche der Strömung des waltenden, göttlichen Gei' steS nicht entgegengesetzt ist, kräftig verfolgt und nur weiß, was eS will, darf eS wahrlich für feine Erhaltung nichts fürchten. Gefahr würde ihm erst dann drohen, wenn man jetzt, nachdem der Loden der Gesetzlichkeit nun einmal so schwankend geworden, sein inneres Wachsihum hemmen wollte, oder wenn gar jener Jntiffcrcntismus überhand nehmen sollte, für welchen alles Religiöse — wie der menschliche Leib für den Anatomen— blos als ein wisscnsch a ft l ich es Ob j e kt und darum auch erst nach seiner Erstorben heit Werth und Bedeutung erlangt, der blos dcßäalb in die Vergangenheit verliebt ist und der Gegenwart zürnt, weil jene seinem Sezirmesser reichliche Ausbeute bietet, diese hingegen in ihrer Lebcnsfrische das Wühlen in ihren Eingeweiven nicht duldet. hingewiesen werden, wo die Gemara die Nothwendigkeit der Sühne durch Opfer für den Nasir, den Aussätzigen und die Wöchnerin, obgleich sie als sündenhaft betrachtet werden, in Abrede stellt, weil — wie Raschi erklärt — der Wöchnerin die Gebnrtswchen, dem Nasir die schmerzliche Entbehrung und dem Aussätzigen die erlittenen Qualen zu Sühnmitteln dienen. Hicrnit ist unserm Autor die ganze Grundlage entzogen, worauf sein Beweis von der rabbim'schen Jucoiiscquenz hinsichtlich ves Glaubens an die Wiederherstellung des Opferdienstes beruht. Die Opfer sind nach den Rabbinrn keinen einzigen Augenblick ent» bebrlich geworden; venu seit ihrem Schwinden sühnt nicht eine geistige Tbat. nicht das Lesen einiger Gesetzesstetten oder derart!» ges die Sünve; nur die Geißel bittern Schmerzes kann entsündigen, und wer selbst unvorsätzlich eines zur Klaffe der mnn2 nm’Ql gehörigen Vergehens schuldig geworden, betet auch am Versöhnunzstage vergeblich „o Herr! Vertilge meine Sünde durch Deine große Barmherzigkeit und nicht mittelst böser Leiden uno Krankheiten"! Wie sollte diese leidende Menschheit nicht nach Erlösung seufzen und die schöne Stunde herbeiflehen, wo wieder wie ehemals das Opferthier ihre Sünden und Leiden auf seine Schulter nimmt, oder gar wegen ihrer Sehnsucht nach Befreiung von der fürchterlichen Zuchtruthe inconsequent genannt werden können?*) Wahrlich! die Radbincn sind mit einer eisernen Eon- *) S. Keritbot 26 b DniDYl p pr6. Der acht talmudische Jude, welcher mit seiner Religion kein Spiel treiben will, darf daher die Leiden des 1'^, die die Sühne ohne Zweifel mit bewirken helfen, vor der Ankunft des Messias in keinerlei Art zu mindern wünschen. Ich kann daher in dem Versuche des Pres, burger Rabbinats, die Emaneipation der ungarischen Juden zu verhindern, worüber die öffentlichen Blätter vor einigen Jahren ein so furchtbares Geschrei erhoben, nur achtungswerthe Conse« quenz und religiösen Ernst erblicken. Diese Art von Orthodoxie verdient wirklich unsere volle Achtung, und Hr. Dr. Holdheim wirft ihr, so lange wir weder 1X21 15X, noch hinsichtlich ihrer Abstammung zuverlässige Priester haben, gewiß mit Unrecht vor, daß sie keine Anstalten zur bestmöglichen Einführung des Opferdienstes trifft. Wie hohl ist dagegen jene Orthovoxie, welche rrotz allen Klagcns und Jammers über die Beschlüsse der Rabbiner- Versammlung hinsichtlich drr Gebete um Restauration des Opferdienstcs, trotz der Trauer um Zion und Jerusalem alle möglichen Mittel aufbietet, sich in ein christliches Casino einschmuggcln zu dürfen, und sogar die Verschwägerung mit Sabbathlchändern und Uebertretern der Speiseverbote blos um d?s lieben Geldes willen nicht scheuet, indem sie sich mit den D'"HD' begnügt, welche sie darüber empfindet, daß ihre Schwiegersöhne — eigentlich sie selbst — Frevler sind, und am Ende wohl gar noch diese etwas bequeme Art von .12,1X2 DniD’ n^2p als ein frommes Opfer betrachten.

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