Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1846)
- Date
- 1846-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567056--2285-2570310- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
301 die Israeliten mitwählten. in Frage gestellt war — trat in den Stadtrath. Jndeß hatten sich die Israeliten an die Regierung gewendet. Die Wahl wurde ai-nullirt, eine neue angeoronct. die nach avgeineinrr Verordnung wahlfähiger Israeliten zugelassen, und der Kaumgrwählte fiel durch. Dies erbitterte den Ortsvor» stand noch mehr. Es zettelte sich eine Agitation gegen die Jsrae- Uten an. Man fand im israelitischen Gemeindehaus ein gelegte- Feuer, an der Synagoge war ein fürchterlicher Drohbrres angeheftet, Fenster wurden eingeworfen, Gebäude theilweise rninirt und mehrere Lcichensteine auf dem Frieohof ausgerissen und zertrümmert. Bemerkensweith ist, daß unter diesen Judenfeinden sich auch 2 israelitische Taugenichtse befanden, die gerechterwrise von ihren Glanbensbrüdtri, Unangenehmes erlitten, sich hiermit rächen wollten. Die Polizei ist froh, daß sie keinen Thatcr ertappt hat. Zur Besänftigung der unruhigen Gemüther wurde von ihrer Seite Nichts gethan. Im Gegentheil: sämmtliche Tharsachen wurden im Oeffentlichen bemäntelt, die Lage der Israeliten als ganz sicher dargrstellt, und in einer öffentlichen Rechtfertigung gesagt, daß sich fa der Schaven an den Leichensteinen nur auf circa fl. 23. belaufe!! Als sei Ehrenkränkung Nichts! die Jsraeliren haben sich deßhalb an die höchsten Behörden gewendet, und es ist ihnen, falls neue Unruhen auebrcchcn sollten, Schutz durch eine Adtheiluiig Militär versprochen. Der König soll, als er d.efen Scandal gehört, über dw christliche Bevölkerung Buchaus sehr entrüstet gewesen sein. Solche Anfirite soll man in unsern Tagen in Würtembcrg. in Buchau, wo Christen unv Israeliten gebildet sein sollen, hören! Briefe über die dritte Rabbiner-Versammlung. Breslau, im August. — (Erster Brief *) — Wir würden der dritten Rabbiner - Bersammlnug Unrecht thun, wollten wir sie von unserm eignen over überhaupt von einem besonder n Standpunkte aus beurthcilen. Der Rabbiner oder Prediger ist der geistliche Beamte «ncr Gemeinde uns als solcher darf er in seinen Rcformversuchen nicht blos seiner eigenen Uebcrzeugung folgen, sondern muß stets den religiösen Bildungsstand seiner Gemeinde im Auge behalten. Die Nefv'- *) Der Briefsteller ist zugleich der Vers, des Referats in Nr. 33, und hat cs, ehe er damit als eine spezielle Besprechung fortfuhr, vorgezogen, das Ganze von seinem Standpunkte aus, der natürlich keineswegs in allen Stücken der unsrige ist, zu erleuchten. Dee Red. men selbst können nur von der Gemeinde beschlossen werden Der Rabbiner oder Prediger muß aber auch in seinen Belehrungen, in seinen Versuchen, die Reform als noihwendig darzuftellen, nicht zu schroff der religiösen Anschauungsweise seiner Gemeinde entgegentrcten. Diese Abhängigkeit der geistlichen Beamten von den Gemeinden ist ein unschätzbares Kleinod der jüdischen Gemeindrvrrsassung, welches mehr werth ist, als alle Reformen, die von den freisinnigsten Rabbinen, ohne solche Abhängigkeit ausgehcn könnten. Was aber von dem einzelnen Rabbiner oder Prediger seiner Gemeinde gegenüber gilt, dasselbe hat auch bei einer Versammlung von Rabbinern und Predigern seine volle Anwendung. Wollen wir nun die Leistungen einer solchen Versammlung würdigen, so müssen wir uns vor Allem aus den Standpunkt der Gemeinden begeben. Eine große und so alte Glaubenszenosseisscha't, wie die jüdische, läßt sich in ibrem Fortschreiien von keinen logischen Conseqnenzen drängen, sie macht keine Sprünge, sondern Seht ihren ruhigen Schrill, ohne sich dabei um die Log'.k zu kümmern. Wenn wir nun den a.lgeme ticn Gesichtspunkt festhallen müssen , so dürfen wir uns roch nicht in eine zu breite Allgemeinheit verlieren. Jede größere Gerne nde ist jetzt noch gelheilt zwischen Anhängern der Stabilität und zwischen Reformfreunden, welche beide Parteien auch in der Regel ihre besonderen GnstUchen haben. Der Geistliche der Reformsreunve wird von den Stabilen als Ketzer betrachtet, mag er sich noch so sehr orthovor stellen, unv er darf daher in seinen Reformbcstrebungen nur seine eigene Gemeinde, die Resormsreunre, nicht aber jene Stabilen, mit denen er es längst aus immer verdorben, berücksichtigen. Nach dieser Feststellung des allgemeinen Gesichtspunktes un« s.-rer Beleuchtung können wir nun an den Gegenstand selbst gehen. Die kr-.tte Rabbiner .Versammlung hat t:e allgemeine Un« zu'nedcnhc.r von Seiten des gebildeten jüdische» Publiknins erregt, unv wir brauchen nur Üe Motive dieser Unzufriedenheit in ein klareres Bewußtsein zu bringen. Der ersten Rabbiner- Versammlung zu Braunschweig ist der l:utc Beifall aller gebildeten Juoen zu Therl geworden, der Beifall hat sich niwt nur in der öffentlichen Meinung und in bewnvern Adressen ausgesprochen, er hat auch den Bestand des Institutes der Rabbiner. Ber. sainmlung begründet, Eine Kasse für diese Versainmlung wurv« errichtet, deren Centralpunkl in der angesehensten Gemeinde Deutschlands, in Frankfurt a. M., war. Andererseits ging von der Braunschweiger Rabbiner Versainmlung ein mächtiger Stoß gegen den Conservatismus auS, welcher bis nach Amst.rram uns tief in Polen und Ungarn hinein die conseroaktven Rabbinen von i.rcn Schlafstellen ausrültelre. Die fanatischen Bannflüche die-