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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-20 · Heft 38 (20.9.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (20.9.1846)
Date
1846-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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300 schmerzlicher, weil dadurch uusere auf die Ergebnisse der Rabbiner-Versammlung gespannten Gemeinden an Reden gewonnen, an jenen aber eingebüßt und verloren haben. A. <So fdjeiucn wir uns doch so ziemlich verständigt und in unserm Urtbeil über die dritte Rabbinerr - Versammlung geeinigt zu haben, und wahrscheinlich wird dieses auch in Beziebung auf die lauten Angriffe, welche dieselbe öffentlich von einer gcwiffeu Seite her erfahren, der Fall sein. B. Ich zweifle nicht daran, mein Freund! Ich zweifle nicht, daß jener kecke, oftentwse von den unhaltbarsten ungereimtesten Beschuldigungen wimmelnde— Absag - und Verwahrungsbrief, welchen einige Frankfurter in die öffentlichen Blatter haben setzen lassen, *) auch von Ihnen mit Indignation ist ausgenommen worden; daß auch Sic cs diesem Werke angesehen, daß verkappte Freuudschatt mit den frankel'fchen Jesuiten cs diktier und ein gutmütbiger Enthusiasmus es geglaubt und nachgeschrieben, und daß alle Einsichtigen jene Vorwürfe gegen eine Versammlung zurückweisen müssen, die, wenn sie auch bei ihrem dritten Zusammentrcten der reineren Idee nicht so die volle, umfang, reiche Anwendung wie früher, gestattete, doch wohl eben durch das, was sie früher gethan sich den Dank und die bleibende Anerkennung der deutschen Juden verdient bat, die indirekt und zu öfteren und entschiedenen Malen dem Talmud jedwede gesetzliche und verbindende Kraft abgesprochen, die durch Verwerfung des Opfcrdienstes, der Rückkehr nach Palästina, des persönlichen Messias, der jüdischprivcligirten, oder narionalen Sprache beim Gebete, der Reform die tiefste und sicherste Grundlage gegeben und die auch in ihrem letzten Zusammentreten das starre Gesetz flüssig zu machen und die Kluft zwischen Lehre und Leben, wenn auch nicht auszugleichen, doch um Vieles zu mildern und zu verengen bemüht gewesen. *) Von dem zweiten ganz anders gehaltenen Frankfurter Protest haben unsere beiden Freunde damals noch nichts gewußt. Der Eins. Geschichte des TageS. Ein Jude als Stadtrath; die Vorfälle in Buchau. (Aus Würtemberg. im Aug.) — Das Ministerium veröffentlicht die im Etatsjahr 1845/46 ju SchulhanSbaukosten aus der Staatskasse bewilligten Beiträge. Darunter: für israelitische Schulen 9 )0 fl. — E nes unserer beliebtesten Volksblätter enthält Nachstehendes: „Es war am 27. Juli zum ersten Male, daß in Stuttgart ein Jsraelite auf dem RathhauS als Mitglied eines bürgerlichen Collegiums beeidigt wurde. Merkwürdig ist, daß diese Wahl eigentlich ohne Opposition durchging. Man erkennt daraus einmal den moralischen Credit der Vorschläge, welche bei den Stadtrathsnnv Bürgrransi'chuß. Wahlen von der Bürgerge. sellschaft auszugeben pflegen, dann aber anch den unleugbaren Fortschritt der Zeit, welche nicht mehr vaS Glaubenöbekenmniß, sondern die Ehrenhaftigkeit des Charakters oben an gestellt wissen will. Wir glauben, daß eine solche Wahl beide Theile ehrt, Israeliten wie Christen. Denn die Hauptsache hiebei ist natürlich nicht die Person des Gewählten, sondern das Princip, vaS durch seine Wahl zur äußerlichen Geltung kam. Vollends um so erfreulicher ist eine solche Wahl, als keine andere Tugend so viel mit Worten gepriesen wird, als die der Toleranz, keine andere aber auch in der That so wenig geübt wird. Würde man im Allgemeinen mehr bemüht sein, mehr innerliche und wesentliche Berührungspunkte zwischen Israeliten und Christen herzustellen, so würve die Feindschaft bald erloschen, das Mißtrauen bald abgeschliffen sein, womit beide Theile auf manchen Gebieten unläugbar bis jetzt noch sich betrachten." — An demselben Tag wurde auch in Folge der glücklich beendigten Wahl ein Mahl gehalten. Unter andern Celebritäten war anch der Abgeordnete Römer anwesend. In dem Toast, den er ausbrachte, rühmte er namentlich die Wahl eines Israeliten. (Traurig genug, daß dieser Akt der Humanität noch ein Ruhm ist!) Auf die Emancipation zu sprechen kommend, gab er d.n Israeliten den Rath, dieselbe — wie ihre Haltung über- Haupt — nicht in der Anlehnung an die Machthaber der Erve, sondern im Volke suchen zu wollen. — Die Veranlassungen zu den Unruhen, welche jüngst zu Duchau am Ferrrsee gegen die dortigen Israeliten ausbrachen, werden von einem Blatte im Wesentlichen also zusaininengestcllt: Bei einer bevor stehenden Wahl eines Stadtrath-Mitglieds hat das dortige S adt'chulthrißen - Amt in den Localblättern bekannt gemacht, daß die Israeliten nicht wählen dürften. Neklamationen beim dortige» Tarischen Amt waren erfolglos. Die Präsides beider Stel. len sind keine absonderlichen Zsraelitriifreunde. Die Wahl ging vor sich. Ein Günstling des Stadtschultheißen, dessen Wahl, so

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