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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-20 · Heft 38 (20.9.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (20.9.1846)
Date
1846-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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290 um das D uMniehen von schwächlichen und die übrigen Beschlüsse nentralisirenden Amendements zu verbüken; ich bringe dieses alles gerade ans Rechnung seiner diesjährigen Präsidenten-Eigenschaft, die er zn milde anfzufaffen schien, die ibm wie er glaubte, die Pflicht anflcgte, auch nicht in der entferntesten Weise dazu beizntragen, daß eine Meinung und Richtung, und sei sse auch die bessere und heilsamere, irgendwie pravaliren, sondern Alles eben nur die Phisiognomie der Mehrbeit der Versammlung an sich trage. A. Sie sprachen von den geringfügigen Ergebnissen der dritten Rabbiner-Versammlung. Zn diesen möchte ich auch die Beschlüsse über die zweiten Festtage und die rabbi'nischcn Trancrgebränche rechnen, da es auch so schon jedem klar war, daß für beide kein vernünftiger Grund mehr vorhanden ist. B. Ja ja! Sie haben schon recht; wenn nur Al« les das, wofür kein vernünftiger Grund mehr vorhanden ist,-.auch so leicht aus unserem Leben schwinde. Aber ist dieses so? Zst dieses namentlich bei den zweiten Festtagen und den rabbinischen Tranergebränchen der Fall? Wo sind außer in einigen wenigen west« phälischen Gemeinden jene abgeschafft? Und sind hinsichtlich dieser, nicht auch die sonst so ziemlich sich von allem rabbin'schen Cercmonialdrnck emancipirt, noch ängstlich, fürchten durch ihre Uebertrctnng sich gegen den Verstorbenen zn versündigen, oder sich ein Unglück zn bereiten. Ta, sollte ich meinen, sollte man cs nicht als so geringfügig anseben, daß die Rabbiner-Versammlung jene Gegenstände in den Kreis ihrer Berathungen gezogen, und einerseits mehrere Tage der Bernfsthatigkeit wictergegeben, anderntbeils uns von Gebräuchen entbunden, die eben so der frommen Ergebung, welche der Israelit gegen Gott, als der Achtung, welche er gegen die Sitte gebildeter Völker beweisen sollte, widersprechen. A. Wenn ich nicht irre, so hatten Sie in einem Stücke die dritte Rabbiner-Versammlung strenger angesehen und bennheilt; ich meine in Beziehung ans den Umfang »nd den Charakter ihrer Debatten. Glauben Sie denn wirklich, daß die letzteren hatten ganz vermieden, und an ihre Stelle überall nur ganz kurze motivirte Abstimmungen treten sollen L. Wie können sie das von mir erwarten? Ich sollte einer Versammlung von Volkslehrcrn ansinnen, daß sie die wichtigsten Gegenstände mit kurzen Worten abmache, daß sie der Sabbalhssrage, der bedeutendsten und umfassendsten in der Gegenwart, nicht eine förmliche, gründliche Discnssion widme. A. Was harren Sie aber sonst an den Debatten zn tadeln? Den Mangel an Beredsamkeit, an tüchtigen parlamentarischen Talenten? B. O Rein! an diesen fehlt es nicht; solcher sind sogar einige in der Rabbiner-Versammlung, die in jeder Ständeversammlnng glanzen wurden. Aber die Rabbiner-Versammlung ist eben keine Ständeversammlnng, sie hat es nicht wie diese mit der weitern Entwickelung eines schon geordneten Ganzen zu thun, und dazu einen Zeitraum von mehreren Monaten zn verwenden. Rein, ihr sind nur wenige Tage zngemessen, und in diesen soll sie vieles, vieles zn Stande bringen, soll sie der Zerrüttung unserer religiösen Zustände wehren, soll sie Heilung, und wenn noch nicht die, so doch große, wirksame nachhaltige Linderung bringen. Und da muß sie denn allerdings in der Debatte ein weises Maß und eine von dem Ernste u n b dem Umfange ihrer Aufgabe gebotene Resignation beobachten. Es müssen ihre Mitglieder darauf verzichten, große und gelehrte Theorien anfznstellen, wofür ja die wissenschaftlichen nnd journalistischen Organe vorhanden; sie müssen darauf verzichten, lange zn sprechen, wen» sse auch gut sprechen, nnd sich damit begnügen den Standpunkt, von dem sie ansgehen, die Gesichtspunkte, von welchen sie die Sache erfaßten, die Richtung in der sie sich begegnen, in klarer und ei ndr lugender, aber in kurzer Rede darznstellen, nnd cs müssen diejenigen Mitglieder, denen bei sonstiger Würdigkeit doch die Gabe der Rede abgebt, oder die dem Gegenstand im Augenblick nicht neue wichtige Seiten abzugewinnen, odersonstWesentliches und Erhebliches zn sagen vermögen, ans das Wort verzichten nnd der Versammlung, was immer das Wichtigste ist, durch ihren Willen und ihre Vota dienen. Daß dieses Maaß nicht fest gehalten wurde, daß auf diese Weise mehrere Mitglieder der Versammlung zn dem — wenn auch nicht begründeten, aber doch einmal entstandenen — Verdacht Anlaß gaben, daß neben dem Interesse für die große heilige Aufgabe, noch Motive der Eitelkeit und des »nächten Ruhmes in ihnen Raum finden konnten, beklage ich sehr, beklage ich um so

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