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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-20 · Heft 38 (20.9.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (20.9.1846)
Date
1846-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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29S B. Meine Hochachtung vor Geigers Talent und Wissen ist nicht geringer, aber ich sollte meinen, daß auch seine Gesinnung eine so bewährte sei, daß es wohl erst eine nähere Prüfung verdiene, ehe man dem gereizten N-tbeil, wie es jetzt noch gegen die Mitglieder und Leiter der Rabbiner - Versammlung vorzuherrschen scheint, bcipflichte. A. Und was konnte eine näbere Prüfung in diesem Falle für ein besseres Nrthcil bervorrufen. B. Wollen Sie mir gestatten, Sic nur auf zwei Punkte aufmerksam zu machen. Erstens: Hat nicht das, was Geiger in Frankfurt a. M. beantragt, nicht auch seine Gemeinde gekört, so gut es ganz Deutschland da cs ihm getreulich durch den Truck zugcfnhrt worden , gehört hat. Und hat Geiger in der Breslauer Rabbiner - Versammlung etwa keine, ja noch freisinnigere Anträge gestellt, als zu Frankfurt a. M. Hat er sich nicht geradezu in dem von ibm entworfenen Commissionsberichte für Abschaffung der Cbaliza, eines mosaischen Gesetzes, ausgesprochen, worüber, wie ich Ihnen schon erzählte, Rappoport, als er die ersten Aeußerungen darüber voriges Iabr in einem jüdischen Blatte las, in dem kirchheim'schcn Sendschreiben klagt, daß dieses so viel sei, als das göttliche Gesetz von seinem tiefsten Grunde aus entwurzeln. A. Und wie erklären Sie sich denn die Zurücknahme jenes Satzes? B. Mit nichts Anderm, als womit Geiger selbst in dem mchrgedachtcn veränderten Commissionsbericht dieses erklärte, „weil die Commissionsmitglieder darüber zu einem übereinstimmenden Resultate zu gelangen nicht vermochten." A. Und warum sprach er in der Versammlung selbst dafür? B. Weil er sab, mein Lieber, daß er damit doch nicht durchgedrungen wäre, und weil er als Vorsitzender besonders sich verpflichtet fühlte, alles zu vermeiden, was der Versammlung einen Verlust an Zeit und keinen Gewinn in der Sache gebracht hätte. A Ich will das zngeben. Aber wie erklären Sie Sich das, waS aller Welt — (B. Sie wollen sagen, den Correspondenten der Zeitungswelt) A. Gleichviel; ausfiel, daß Geiger in der Debatte über die zweiten Festtage die Bezeichnung des Talmuds als unseres Gesetzbuches, oder, was dasselbe ist, als unsere religiöse Urkunde vertbcidigte, und nachdem die Versammlung für Aufhebung aller zweiten Festtage sich erklärt batte, er cs wieder war, der in der inconsequentcsten Weise in der folgenden Sitzung darauf antrng, daß man den zweiten Tag des Wochen- und Neujahr-Festes davon ausnchmen möge. B. Tie eine Beschuldigung entkräftet die andere. Hätte wirklich Geiger den Talmud durch jene Beziebttng zu einem noch jetzt verpflichtenden Gesi-tzbuche er, heben wollen, so würde er ja keme Veranlassung gebabt haben, sich für die Beibehaltung des zweiten Nenjabr- und Wockenfestlages zu erklären, da nach dem Talmud kein Unterschied bierin, namentlich in Beziehung auf den letzteren, statt findet. Allein durch den Ausdruck „religiöie Urkunde" wird der Talmud durchaus nicht zu n» nein Gezetzbuche für die Gegenwart gestempelt, und eben so wenig ist es eine Inkonsequenz, den zweiten Tag des Wochen - und Reujabrfcstes nicht in gleiche Kategorie mit den übrigen zu stellen, da das erste Fest überhaupt nur zwei Tage dauert, und das Mmjahrfest bei uns einen Charakter hat, der auch deiWzweiten Tag zu einem das Gemüth erbebenden macht. A. Sie äußerten aber doch dieser Tage selbst, daß Geiger trotz seiner gewandten Leitung der Debatten, seiner Geistesgegenwart und Entschlossenheit bei denselben, sowie seines kochst geistreichen Resümees, in welchem er die Grundgedanken eines jeden Redners auf die stärkste Weise anfzufassen, und wicdcrzugcbcn und so ein äußerst trcffeudes Gesammtbild des Vorgekommenen zu zeichnen wußte, daß er trotz dem allem manchen Fehler gemacht und dazu beigelragen, daß die Ergebnisse der diesjährigen Versammlung nicht bedeutender wurden. B. Dieser Meinung bin ich noch; aber ich trage Bedenken, dieses der Gesinnung Geigers zuzusch»eiben, die gewiß noch so frei und entschieden geblieben, als sie sich erst kürzlich wieder in dem kleinen Schriftchen, das ich Ihnen nannte, „Vor neun Jahren und heute", ausgesprochen. Ich bringe vielmehr die vielleicht allzu große Berücksichtigung, welche Geiger auch befangenen Aeußerungen in der Versammlung werden ließ, die hie und da nicht binreichende Sorgfalt, welche er auf die Formulirung der Beschlüsse, wodurch diese theilweise einen so vagen Cbaraktcr angenommen, verwendet, sowie daß er nicht Eifer genug anwendete,

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