Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1846)
- Date
- 1846-09-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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200 rin Solvat, zu der Waffe zu greifen oder ein Unteroffizier, seine Mannschaft anzuführen? Hindert nun aber die Lebensweise der Israeliten dieselben nicht, Militärarzt oder Unteroffizier zu wer» den, warum soll sie dieselben hindern, Oifizier zu sein; können die Israeliten als Rechtspracticanten richterliche Functionen Verse, hen, warum können sie nicht wirkliche Richter werden, ist ihre Lebensweise kein Hinderungsgrund für sie, in Mannheim Bürger zu werden, warum denn in Freiburg? und steht sic ihrem Eintritte iu den Ausschuß nicht entgegen, warum ihrer Wirksamkeii im Gcmeinderathe? Aber auch die Erfahrung aller Länder, in wel. chen dieses Borurtheil besiegt ist, beweist, daß die Lebensweise der Israeliten ihrer Gleichstellung nicht im Wege steht, und wenn ein großer Theil der Juden bei unS noch hinter der gewünschten Bildung zurücksteht, wenn sie noch ein Streben nach Ucbervor« theilung und Wucher kund gibt, so vergesse man doch nicht die Worte de- Dichters: „Schon ja die Hälfte der Tugend entrückt Zeus waltende Vorsicht Einem Mann, sobalv nur der Knechtschaft Tag ihn ereilet." §. 12. Die Volksstimme wird in die Schranken gerufen, zuweilen gerade von Solchen, die gewöhnlich nicht viel darnach fragen, wenn sie in Wahrheit ertönt — um hier die Forderungen des Rechtes zu bekämpfen. Meine Herrn! Wer den Muth hat, unter dem Schutze der öffentlichen Meinung für die Verwirklichungen der Ideen des Rechtes gegen die Gewalt in die Schranken zu treten, der müßte auch den Muth besitzen, gegen die öffentliche Memuiig anzukämpfen, wenn sie etwas Unrechtes verlangt, und wenn auch Der« wenige, welcher in öffentlichem Staatsleben sich bewegt, den Ruf dieser öffentlichen Meinung berücksichtigen muß, so darf er doch nicht ihr Eclave werden, namentlich wenn die öffentliche Meinung irre geleitet ist. Wer aber repräsentirt die öffentliche Meinung? Doch wohl nicht Diejenigen, weiche sich berechtigt halten, den Nächsten um seines Glaubens willen zu verfolgen, doch wohl nicht Dicicn gen, welche eine Verletzung ihrer eigenen Rechte darin fin. den, daß ihrem Mitbürger die g'eichcn Rechte eingeräumt wer. den? Die öffentliche Meinung ist hauptsächl.ch repräsentirt und spricht sich ans durch die Vertreter des Volkes. Schauen sie um sich in die Kammern unserer Bruderstämme, wie sie sich erheben für diese Forderung ihrer Mitbürger, wie sie dies verlangen oder doch auf die Verbesserung dcS rechtlichen ZustandeS der Israeliten hinarbeitrn. Schauen sie nach Frankreich, Belgien und Nordamerika, wo die Grundsätze der Religionsfreiheit den Juden die gleichen Rechte erkämpft haben, welche die Christen besitzen. und Sie werden die Ueberzeugung gewinnen, daß die öffentliche Meinung sich für die Emaneipation der Juden ausgesprochen, und daß nur noch das Borurtheil dem Verlangen unserer Pe. teilten entgegensteht. Ja, offen gesagt, nur das Borurtheil steht dem Juden als feindliche Schanze gegenüber, das Borurtheil, welches seine Grundlage in dem zartesten Kindesalter erhalt, wo der unreife Knabe seinen Gespielen verachten zu dürfen glaubt, weil er der Sohn eines Juden ist, wo er sieht, wie er diesen seiner Gebur, tnicht seines Glaubens wegen — denn von einem solchen kann hier wohl noch keine Rede sein — ungestraft mißhandeln und beschimpfen darf, das Borurtheil, welches schwer der Mann über, wäligt, wenn er das Gift in frühester Jugend eingesogen hat, (Schluß folgt.) Literarische Anzeige» Iu der I. G. Calve'schdn Buchhandlung in Prag ist neu erschienen: HJ10K c&etib-Eizmmäi.) Biblischer Katechismus, Leitfaden für den ersten N.'ligivnsunterricht der israelitischen Jugend. Von vr. Wolfgang Wessely, öffentlichem Neligionslehrer der 3n\,e iirn in Prag, k. f. beeideten Translator in Ilebniicis unv Mitglicoc nifürmr gelehrten Gesellschaften uno Vereine des In- und Auslandes. Zweite, bedcutcnv vermehrte und verbesserte Auflage, gr.8^ gcheftct, Preis '/, Rthlr. Der Name deS auf dem Gebiete der Wissenschaft rühmlichsi bekannten Herrn Verfassers enthebt unS einer jeren Anempfehlung diies in verbesserter Ausgabe erscheinenden Buches, das bereits in der starken ersten Auflage die ehrenvollste Anerkennung grfunden, an mehreren Schulaiistal-en als Lehrbuch eingeführt, unschön nach wenigen Jahren vergriffen worden ist. — Der Vrrfas. ser hat ffch's zur Aufgabe gemacht, rin treues Bild des rel giösen Glaubens und Lebens der Iracliten, wie solches sich in der Geschichte dieses Volkes reflek-irt, dar;» stellen, an diesem di« einzelnen Glaubens- und Sttteiilchreu nachzuwiiw», und dem jugendlichen Geiste zum lebendigen Bewußtsein zu bringen. Nm die Anschaffung dieses Lcitfadens möglichst zu erleichtere wurde der Preis drsselbcn, trotz seiner großem -Voflkommenheit unv schönrrn Ausstattung, dach bedeutend ermäßigt. _ i,j — Druck von Flirr. Krähe in Lffrubach. Verlag rer I. E. Hrrmann'jchku Duchhauvluug in Frankfurt a. M.