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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-13 · Heft 37 (13.9.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 37 (13.9.1846)
Date
1846-09-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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294 dien obliegen und an ihrer Ausbildung arbeiten zu können. Doch genug, wir begreiftn, daß Hr. Philippson dies nicht begriffen hat. *) Andacht ft und e. (Frankfurt a. M., im August.) — Wir vernehmen aus guter Quelle, daß die seit dreißig Jahren hier bestehende An.- dachtsstunde binnen Kurzem wesentliche Lerbesserungen erfahren wird. In der That war es hohe Zeit darauf Bedacht zu nehmen, wenn dasjenige Institut, welches eine so lange Reihe von Jahren den Fortschritt vertrat, nicht selbst ein Opfer des eignen Stillstandes werden sollte; und man darf wohl voraussetzm, daß die Theilnahme, welche in den letzten Jahren augenscheinlich, weil der Andachtsstunde mehrere nöthige Momente abgingen, sich verminderte, nunmehr in Folge der zu treffenden Veränderungen demselben sich wieder zuwenden werde» Gewiß ist es sehr verdienstlich, daß dieser Anstalt von neuem Aufmerksamkeit gewidmet wird, indem es unverantwortlich sein würde, eine Anstalt von so hoher Bedeutnng verfallen zu lassen. Keinem in Frankfurt ist unbekannt, wie viel derselben verdankt wird, und unzählig viele Fremde, welche diese Stadt besuchen, erkannten in derselben die Vertretung der Neuzeit so, daß jeder heutiges Tages den Untergang derselben ernstlich bedauern würde. In dieser Anstalt verwirklichte man schon vor dreißig Iah-, ren gottesdienstliche Einrichtungen, welche die .Synagoge damalS durchweg unzulässig fand, und gegen welche sie sich auch zum Theil heute noch, als mit ihrem Wesen unverträglich sträubt. Sie erhob die Predigt zum Hauptbestandtheik der Feier, und machte sie zur Regel; sie führte die deutsche Sprache ein, als die, welche allen Anwesenden Erbauung verschaffen könne, während daS Hebräische der jüngeren Generativ» meist unverständlich bleibt; sie nahm zeitgemäße Formen der Schicklicheit an, indem die Männer unbedeckten Hauptes sind, und den Frauen innerhalb der Räume ohne Abgitterung und Sonderung der Zutritt gestattet ist,. — Umstände, welche kleinlich erscheinen möchten., wenn nicht der beständige Widerspruch, welchen de Einführung überall noch erfährt, deutlich zeigte, welches Gewicht man noch darauf legt, und wie hiev eingewurzelte Vornrtheile himveggeräumt werderr. Heute meint man im Audachtshaufe, eS sei dirS ganz, sachgemäß und *) Dia Redaktion konnte zwar dieser in sich gerechtfertigten Abwehr die Aufnahme nicht versagen., ist jedoch nicht gemeint deren Vertretung darum selbst übernehmen zu wollen. natürlich. Aber nicht blos die äußere Form erwarb sich durch Anstand und angemessene Feierlichkeit bei der jüngern Welt, welche sich an deutsche Sitte und deutsches Wort gewöhnte, Anerkennung und Beifall; noch weit mehr leistete die öffentliche Belehrung über religiöse Angelegenheiten und Fragen, denn im Hause der Andacht konnte von Anfang an die Wahrheit unverschleiert ausgesprochen werden, und eine Welt von Ideen, welche in der Synagoge nicht an's Licht zu treten wagten, ist jetzt Gemeingut sehr vieler Zuhör.r geworden. Wie sehr durch den Besuch dieses Hauses auch Nicht-Israeliten ihre Ansicht und ihr Urtheil über Judenthum geändert und berichtigt haben , fand man oft genug Gelegenheit wahrzunehmen. Die alljährliche Feier der Neligionsweihe von hier auswar stets wahrhaft erhebend, und hat sich allgemeine Geltung verschafft. Wohl ist oftmals, und nicht mit Unrecht bemerkt worden, daß gerade beim Zunehmen der religiösen Erkenntm'ß auch dir Mängel der Anstalt immer mehr ins Bewußtsein treten. Für die Aufklärung der Begriffe wargenug geschehen, dagegen vermißte man ungern die Elemente der Erbauung, während diese doch das Wesen der Anstalt sein sollte; es fehlte Gebet und Betrachtung, soweit solche das Gcmüth ansprechen und erheben, wie auch feierlich stimmen; es war auch dem musikalischen Theil nicht die gehörige Sorgfalt zugewendet, dabet schien auch die confessionelle Seite, in neuerer Zeit häufiger angeregt und als Tagesfrage behandelt, in dieser Anstalt nicht immer hinlänglich beachlet zu werden. Diese Mängel trugen offenbar dazu bei, den Antheil zu verringern, welcherihr früher in vollem Maße bezeigt wurde, und man geht nun damit um, den Nebelständen abzuhelfen. Man wird Gebete und Betrachtungen, wie eS der AndachkSstunde gemäß ist, damit sie zur Wahrheit werde, cinführen, das Confessionelle überall gehörig würdigen, so wie auch in den Andachtsübungen zum Bewußtsein bringen, und daS Musikalisch« nach Kräften ausstatteu. ES he.ßt, daß man sich theikweise den Einrichtungen der Berliner Reformgenoffenschaft anzuschließen beabsichtige. DicS wäre gewiß, freilich mututi8 mutaudis, in mancher Beziehung zu bil* ligen. Doch wollen wir dies weder als zuverlässig berichten, noch überhaupt vorgreifen.*) *} Da für die Samstags-Andacht vom Hrn. Rabbiner <3i tl\v bereits hinlänglich gesorgt ist, so wäre nur noch wie in Berlin eine angemessene Sonntags-Andacht ins Werk zu setzen, welche ohnehin nicht lange mehr abgewiesen werden kann. Anm. d. Eins.

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