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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-13 · Heft 37 (13.9.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 37 (13.9.1846)
Date
1846-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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203 Komisches, freilich genau genommen Tragikomisches. Männer wie A. Adler und Einhorn in solcher Verblendung zu sehen, und es allein dem Umstande znschrciben zu können, daß sie mit ihrer Aufnahme zu Breslau, mit der Aufmerksamkeit, welche ihnen geworden, mit dem, waS sie in der Versammlung geredet und gegolten, kurz mit sich s.lbst zufrieden gewesen, und darüber ihre Aufgabe und deren Lösung aus den Augen verloren hat. len, war betrübend genug. Allein von M. Wagner in Mannheim ward unS berichtet, daß er diese Selbstzufriedenheit nicht getheilt, und wir loben seine bessere Einsicht. Eigcnthunilich ist auch da-5 Schicksal der Beschlüsse dieser Rabbiner. Versammlung. Uns eines Gleichnisses ans dem kaufmännischen Leben zu bcdie« nen. will für diese von der Versammlung auf gemeine Judenheit gezogenen Wechsel, nachdem sie nirgendwo Annahme gefuudcn haben, selbst in Pretest gegangen sind, nun niemand als Ausgeber aufkonrinen. Ein Mitglied der Rabbiner - Versammlung A. Philippson, rangirt sie unter die „Schwächen," und meint, sie würden sich als Schwankendes und Halbes schon von selbst verlieren^; und ein anderes Mitglied. Hr. Stein, ver. wahrt sich gar öffentlich „feierlichst dagegen, als wollte er sich und fein Streben mit jener Versammlung ioentificiren" *) **). Vielleicht cnlschlirßt sich noch Hr. S. Adler, die Tratten gegen eigne Accrrditive auf ihm befreundete Firmen, Erstgeburt, Viehreinheit Lcichenseklionenre, umzusetzen. Possirlieh war, daß wir die Vertheidigung der Rabbiner - Versammlung n cht nur gegen im übrigeu Gleichgesinnte, sondere auch gegen sonst blinde Verehrer tut. seres Rabbine» fuhren mußten; letzte wird er nun selbst wieder zurechtzusetzeu wissen, wenn es nicht schon geschehen ist. Und habeu wir nicht endlich einmal unfern alten Philippsou wieder gefunden? Welchen S-barfsinn, welches Urtheil, welche Ein. sicht bekundet nicht sein Ausfall gegen die hiesigen Neformfrelinde, vou welchen allein, wie tim sein feiner Takt erratbcn ließ, die erste dahier erschienene Vr-.Wahrung gegen die Beschlüsse rer d it. ten Rabbiner-Versammlung ausgegangen sein könnte, und in deren Verfasser er den der Ardrrsse der hiesigen Gemeinde an die zweite Nabbinrr-Versammlung sogleich wieder erkannte***). Wir sind im Stande diesem Trrffiiästeii der Redaetruis die V-rsicherung zu geben, daß der hicsiige s. g. Reform-Verein weder im vorigen noch in diesem Monate zu'aminengekoininen ist, noch irgend Noiiz von den Beschlüssen der Äab barer - Versammlung ge. *) Allgem. I. d. I., 1816, Nr. 35. **) Zweite Beilage zum Frankfurter Journal vom 28. d., Nr. 23'. . ***) Allgem. Z. d. Juv., a. a. 0. nommen, daß aber der Verfasser der vorjährigen Addrrsse nicht Thcil an der Verwahrung, sie selbst mißbilligt hat, und ihr aufs entschiedenste entgegen getreten ist. Wie ist es nur gekommen, daß Hr. Philippson in dem Verfasser der Verwahrung nicht den alten, bewährten Correspondenten wieder erkannt hat, der beim Entstehen deS hiesigen f. g. Reform-Vereines gegen denselben kein geringeres Geschrei wie nun gegen die Rabbiner- Versammlung, zumeist in den Steppen der allg. Zeit, des Inrcnthums ertönen ließ; mit welchem Hr. Philippson, als er zur Rabbiner. Versammlung hier anwesend war, unter einem Dache wohnte; dessen Denk- und Schreibweise ihm auck der O. Post- Amts.Zcit. :c. bekannt sein mußte; der ihm endlich in dem Satze: „wie einst Die, deren Nachfolger zu sein die neuen Rabbiner sich gerühmt, Religiox unv Gottesfurcht — freilich ohne böswillige Absichten — mit gehaltlosen äußerlichen Uetungen vermischren". „ras orienrallsche" Wasser entgegen duften ließ, mit welchem A. I n r st zu Leipzig Bude hält? Bei soll; f. belha trr Kurzsichtigkeit res litbographirten Reoaeienrs eines Blattes von zehn Jabren wundert es uns nicht, wenn derselbe gelegentlich einmal wirrer seine besondere Freude darüber äußert, daß die hie- -sigen Reform-Bestrebungen den gebofften Erfolg nicht gehabt haben. Niemand hat dieses aber mehr zu beklagen, als Rabbiner unr Prediger, welche, wie ix. Philippson von sich versichert ■■■), „froh sind, daß sic noch etwas festen Bodeu, etwas positives Judenthnm unter sich haben." Dieses ctwaS Juden« 1Hum dürste sich zuvörderst bei kritischer Sichtung auf die von den hiesigen Resormsreunden ausgestellten drei Sätze rerucireu. Sodann geben wir zu brrenken, ob, wann sich in allen größer» deutschen Städten Neformgemeinden wie in Berlin gebildet hätten. düs Ergebnis tcr diesjährigen Rabbiner-Versammlung dassclbe gewesen wäre; ob die geistlichen Verirrter solcher Gemeinden. wenn sie die Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag berathen hätten, „sanunt und sonders davon gejagt worden wären," was. wie Hr. Philippson richtig bemerkt, die Mitglieder der Rabbiner.Versammlung bei ihren Gemeinden. wie sie noch sind, solchenfalls allerdings z» risguiren gehabt hätten. Wie von der deutsch - kathol.schen Reform - Bewegung bisher allein die Theologen Nutzen gezogen haben, so mußte bei der jüdischen, wenn sie an Ausdehnung gewönne, sich zunächst dieselbe Erscheinug zeigen; tücktige Candwatcn brauchten nicht erst Heuchler zu werden. oder sich in einen künstlichen literarischen, poetischen oder religiösen Enthusiasmus zu lügen und zu forciren, um bei äugemesseucr Thä-igkeit und sorgenloser Eristenz weiter ihre» Stu- *) Allg. Z. d. Jud., a. a. 0.

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