Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1846)
- Date
- 1846-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2NS Aufgeklärten mit Entrüstung zurückgewiestn worden wäre. A. Demnach scheinen Sie an den Sabbaths-Beschlüssen gar nichts auszusetzcn zu haben. B. Wer hat Ihnen das gesagt. Ich gebe eben so wenig mein Urtheil sklavisch der Zeitnngsprcsse, als den Ansichten der Mehrbeit der Rabbiner-Bcrsanunlnng hin; ich schmälere das nicht, was von ihr geschehen; ich freue mich, daß zwei Tage in dem Jahre 1846 im Stande waren, das außer Gültigkeit zu setzen, an dessen Einsetzung die Trauer der Zeiten Jahrhunderte gearbeitet; ich freue mich, daß all' die hundert Erschwerungen, all' die vielen urrwrirdigen Umzäunungen und Ficlionen, all' die sogenannten ,D,_n3 ,dtd mit welchen Folianten des Talmuds angcfüllt, mit weichen aber noch mehr das Leben belästigt, gequält und entwürdigt worden, durch zehn Zeilen jener Beschlüsse religiös und gesetzlich geschwunden; ich freue mich, daß die Rabbiner-Versammlung den Grundgedanken der heutigen Reform, die Heiligkeit des Staats und die Pfl'cht sich wesentlich an seiner Wohlfahrt zu belhatigen, anerkannt und den Beamten, wie den Soldaten, von der Cabbatbpslicht entbunden hat; aber ich tadele es an der Versammlung und niache es ihr zum Vorwurf, daß sie nicht den Much gehabt hat, sich, wie in dein vorjährigen Eommissionsben'chte vorgeschlagen war, klar und bestimmt darüber auszusprechen, daß da, wo die Subsistenz irgend gefährdet sek, die Sabbathsrnbe zurücktrctcn mußte; ich tadle cs, daß sie nicht dc.n Murh gehabt bar, einen klaren und bestimmten Begriff über das Werkgcbot zu geben, und wie selbst dieses Jahr von ihrer Eommissionihr vorgeschlagen worden*), die im Allgemeinen verbotene Tbängkeit geradezu auf die zu beschranken, „welche der werklägigen gewerblichen Beschäfrigttug angcbö t, oder, welche ene Anstrengung morden"; und ich tadle cs und beklage es lief, daß die Versammlung (ich rede natürlich da immer nur von der Majorität in der selben) sich durch ein Mitglied, das von dem Separatismus, wie Sie ihn vorhin bczeichueten, allerdings nicht frei ist, das Reformen im Iudeuihnm, aber nicht die Reform des Judettlbums will, und das da sagt, daß durch einen reinlichen Gottesdienst und *) Siehe hierüber Seite 243 dieser Blätter. Der Einsender. eine „schlichte" Predigt die Feier des Samstags auch wieder werde cingefuhrt, ja verewigt werden köuneu, ich beklage cs, daß die Versammltmg durch jencS Mitglied sich hat bestimmen lassen, den Zweck ihrer Anssprüche über den Sabbalh so darzustcllen, wie dieses der erste Beschluß gctban*). Dieser war cs eben, welcher die öffentliche Meinung in so empfindlicher Weise überraschte, welcher die gereizte Stimmung in dieser sowohl, wie in ihrem AuSdrnck, der journalistischen Presse, hervor brachte, welcher auch den Werth der übrigen Beschlüsse verkeimen ließ, uns welcher, was das Aergste ist, die Versammlung untreu gegen sich selbst machte; denn nickt auf Befestigung und Herstellung des bisherigen Ruhetages war ihre Absicht gerichtet, nicht diese lag dem Eommissiousberickre ursprünglich zu Grunde, sondern der Antrag, welcher in der freisinnigen ersten Rabbiner-Versammlung von einem der freisinnigsten Mitglieder derselben, dem Obcrrabbincr S. Hirsch in Luremburg gestellt und als dessen Zweck „die Ausgleichung der Kluft zw i sch e n Lehre und Leben d u r ch A n fh e b n n g , o d e r M i 1 d e r u n 3 nt du-er er Sabbatbsgesetze" wörtlich angegeben war. (Schluß folgt.) Geschichte des TageS. Rabbiner-Versammlung. Philippson. Verwahrung. / (Frankfurt a. M., im August.) — Die Rabbiner. Versammlung zu Breslau scheint wie der Thurmbau zu Babel Veranlassung einer allgemeinen Sprachverwirrung werden zu sollen, vielleicht in Folge des Fluches irgend eines Bal * Scheins; gewiS ist, daö Freuno uns Feind einander nicht mehr verstehe» unv erkennen, und es selbst dem Besonnensten schwer fallt« den eigenen Standpunkt zu behaupten, unv nicht in die Bewegung gezogen zu werden. DieS hat neben der ernsten auch eine ergötzende Seite. So hatte der Gegensatz, welcher die Selbstzufriedenheit der aus Breslau rückkehrenven Mitglieder der Rabbiner -Versammlung, deren mehre bei ihrer Durchreise hier kurz verweilten, mit der allgemeinen Unzufriedenheit bildete, etwa- *) Derselbe ist Seite 251 dieser Blätter abgedruckt. Der Eins.