Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1846)
- Date
- 1846-09-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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291 in den Vorwurf, den —um das Gelindere anzunebmen— eine dockst oberslä ch liche Coterie neuerdings der Rabbiner-Versammlung gemacht Kat, einstimmen. A. Das gewiß nicht. In diesem Sinne kann nicht vom Separatismus der Rabbiner - Versammlung die Rede sein, da sic ja gerade in Frankfurt a. M. sowobl als in Breslau (und vorbereitend auch in Brauusckweig) separalisiisck-rabdinische Satzungen ausgeboben, und au Hierarchie füim iu jener Bedeutung auch nicht bei Männern gedacht werden, die keine andere Macht baben, als die, welche ibnen freiwillig die Einsicht der Regierungen und das Vertrauen der Gemeinden (und beide baben darin in neuer Zeit wenigstens nirgends zu viel gelban) einraumen. Wenn ich indeß dcch von Separatismus und luerarchisckem Streben spreche, so meine ick damit jenen Separatismus, der vor derjenigen Gestaltung des Zndenthums zurückschreckt, die es zur Religion der Menschheit macht, der ihm immer und ewig ein Besonderes vindiciren möchte, statt sein Göttliches gerade darin zu scheu, daß es auf keinerlei Volk und Land beschränkt, die Religion aller Menschen und Völker werden könne, und seine Bestimmung, sein ihm von Gott gesetztes Endziel erreicht habe, wenn es dieses geworden, wenn es aufgebört, das bloße Bckenntniß einer Rcligionsgcmeinde, aufgebört habe (in diesem beschränkten Sinne) Judenlbnm zu sein. — Und wenn ich eines hierarchischen Sterbens geduckte, so meinte ich eben auch dieses, daß selbst die aufgeklärten Rabbinen doch nicht das R abbinertbum möchten verschwinden, nicht an seiner Stelle das Priester« oder, lassen Sie mich lieber sagen, das Lcbrerlbum der Menschheit mochten eintrcten scbeu. Von diesem separatistischeu und hierarchischen Streben ist Keiner in der Rabbiner-Versammlung frei geblieben, und darum bat auch Keiner so sich ausgesprochen, wie ich cs vorhin von der Versammlung gefordert. B. Trauen Sie den Entschiedenen in der Rabbiner-Versammlung, trauen Sie namentlich Holdheim ein solches separatistisches und hierarchisches Verlangen zu? A. Dem gewiß nicht, der bat in feinen Schriften das Judenlbnm ja offen in dieser reinmcnschlichen Bedeutung und Verwirklichung erlaßt. B. Und doch hat auch er die Verlegung des Cabbaths ans den bürgerlichen Ruhetag nicht zu beantragen gewagt. A Natürlich nicht, weil er wußte, daß dieses nicht in der Versammlung dnrchgebcn werde. B. Oder sagen Sie richtiger, nicht durchgehen konnte. Erinnern Sie sich genau, wie Holdheim selbst sagte, er stelle diese seine Ansicht (für die Verlegung) keineswegs als Antrag an die Rabbiner-Versammlung, weil er wobl wisse, daß dafür die Zeit noch nicht reif sei, daß die Versammlung durch einen solchen Ausspruch das Vertrauen der jüdischen Gemeinden und biemit auch den ganzen Boden ihres Wirkenverlieren würde. Sehen Sie, das ist hier daS Entscheidende. Nicht das, was das winzige Häuflein Entschiedener und wahrhaft Erleuchteter unter uns fordert, darf für die Rabbiner- Versammlung maßgebend sein, sondern was im Allgemeinen die für den Fortschritt Gewonnenen verlangen; und da werden Sie mir denn zugeven, daß die Allgemeinheit für die Verlegung noch lange nicht gereift sei; (wäre es eine politische Reform, würde ich sagen, daß sie noch lange nicht national sei) und daß selbst die sogenannten Aufgeklärten mit in das ^.Verdammungsurtheil gestimmt haben würden, hätte die Rabbiner-Versammlung sich so ausgesprochen, wie Sie, mein Freund, und Ihre Sinnverwandten es wünschen. A. Sie meinen demnach, die Rabbiner-Versammlung könne nur das aussprechcn, was bereits im Bewußtsein der Gesammtheit gereift, bei dieser auch zur Thal geworden? B. Sagte ich daS? Wollte ich so die Wirksamkeit der Rabbiner-Versammlung begrenzen, dann machte ich sie, wie bereits ein geistreicher Rabbiner selbst gesagt, in Wahrheit zu bloßen Todtcngräbern, die das in die Erde scharren, was bereits Leichnam geworden. Nein, ich verlange allerdings von dieser Versammlung, daß sie böhere, erleuchtete Ansichten und Grundsätze ausspreche, so anssprcche, daß die Zurückgebliebenen nach und nach für sie gewonnen werden; ich verlange imgleichen, daß sie all die praktischen Reformen anrarbe und empfehle, über welche die Gemeinden (die wildorthodoren muß ich freilich immer davon ausnehmen) durch Gründe aufgeklärt und für sie gewonnen werden können; aber ich verdamme und verurtbeile die Rabbiner - Versammlung nicht, wenn sie nicht für eine Reform sich ausgesprochen, die, wie die Sachen jetzt stehen, selbst von dem größten Theile der sogenannten