Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1846)
- Date
- 1846-09-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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155 Schuld. Die Gegenstände sind mit einem Dunkel umhüllt, daß das Einzelne noch erst vieler Forschungen bedarf» ehe cs klar wird und sich in die allgemeine Darstellung eiureihen kann; dazu kommt die zersplitterte Thäigkeit von Männern» die Beruf und Geschick dazu in sich fühlen, die Grille Anderer, lieber einige Scl« trnheiten und Proben unzugänglicher Gelehrsamkeit zu geben, als „sich auS ihrer Höhe zur jüdischen Eüschchte" in Allen verstand, licher, Alle anziehender Fassung „herabznlassen." Aber die Zeit klage man deßhalb nicht an! — In Milten dieser Erpcctorationen, die noch immer weiter sortgehn, erfahren wir dann, svww früher, daß sich auch Dintrnrecrpte und Ballreceptc in der jüd. Literatur verzeichnet finden, noch ferner, daß frühere Gelehrte nur selten — zum großen Bedauern des Vers. — jedenfalls erst nachdem sie Ruf erworben, bewogen werden konnten, sich malen zu lassen, während man jetzt sehr eilfertig sei, sich lithographirt dem Leser zu übergeben, und mit diplomatischer Genauigkeit wird uns vorgezählt, daß die Bildnisse vier früh berühmter Männer nahe an ihrem 40. Lebensjahre in Kupfer gestochen wurden, Andere noch viel später. Einer sogar, Moses Chefez, sei 160 Jahre alt gewesen, als sein Bildniß erschien. Das Ganze klingt drollig; merkwürdig ist nun, wie sich hier der alte Spruch bewährt: KI niyö &Q D>'D. Denn, man bedenke, Zunz hat hier einen bei ihm unbegreiflichen Jnthum begangen. Unter dem Bildnisse nämlich, welches dem Werke Melckhrth Machafthebeth des Chefez beigegeben ist, heißt es: fl n"y ruaa ,,-uiDro ns j«?n n«yo rutPflND; das Wort NK2 ist eben so groß gedruckt und mit Strichlcin versehen, wie daö vorhergehende ny und daher ebenso nicht ein Zahlwort, sondern ein witzig gewähltes, aus Jahrbuch, staben zusammengesetztes Wort, also nicht 100, sondern 46. Daß Chefez damals in diesem Alter', nicht im lOOtcn Lebensjahre gestanden, wird der Anblick des Bildes einen Jeden lehren, kann aber durch noch viele andere Umstände erhärtet werden. Jedoch, das ist etwas sehr Gleichgültiges, wenn eS nicht den Beweis lieferte, daß man im Eifer für eine Lieblingsmeinung oft sehr getrübten Blickes ist. Gehn wir nun zu den „Zügen der Humanität und der Geistesgröße, welche die Blinden übersehen, die Pfuscher verwischt haben und die den Tcrt eines Gesanges bilden, der den modernen Heiligen den Text lese." Aus einem Zeiträume von 700 Jahren werden uns vier, sage vier» solcher großer Züge erzählt, und welche seltsame Züge! „Jsak Akfasi, wird berichtet, Richter in Lucena, besuchte einst, da er unwohl war, rin Bad; er ward besser, indem ihm nicht blos der Gebrauch des Bades sehr gut bekam, sondern auch der Eigcnthümer desselben ihn zu sich einlud und manches Gute ihm erwies. In der Folge ging eS dem Mann nicht gut, und da er viele Bürgschaften übernommen, kam er fast um das Ceinige; auch daS Bad mußte verkauft und abgeschätzt werden. Da erklärte Alfasi, er wolle mit dieser Sache nichts zu thun haben, er enthielt sich jeder richterlichen Funktion, die dieses Bad betraf." Die Geschichte wird von Alfasi'S Schüler, Josef Megas, erzählt nach der Angabe des Bezalel Aschkhenass in Schittah mekubbezeth zu Baba kama gelegentlich de» Spruches (oas 92 b) in den Brunnen, aus welchem Du Wasser ertrunken, sollst Du keinen Stein werfen (das Buch selbst liegt mir nicht vor, sondern bloS ein Citat in Eth le-dabber, Lemberg 1834, 14 a). Was sagt aber der Leser zu dieser Humanität gegen ein Bar? Abgesehen davon, daß des Richters erste Pflicht Urbiing unparteiischer Gerechtigkeit ist, was ist denn hier EdleS und Hochherziges? vielleicht höchstens engherzige Anwendung deS eben angeführten talmud. Spruches'. El:a Misrachi tadelt den Bann, der zu seiner Zeit gegen daS Ertheilen des Uakerrichts an Karäcr erlassen wirr; recht schön, aber traurig genug, daß ein solches Beispiel so sehr selten ist. Unv auf diese Lappalien hin wird mit einer Bitterkeit geschmäht, als wären die jüdischen „Autoren" Gelehrten, Rabbiner:e. unserer Zeit alle einem Höllen« pfuhle entstiegen Während Maimonires es nicht begreifen konnte, wie man für die Ertheilung gesetzlicher Bescheide Gelv nehmen könne, müßten heute die widergesetzlichen Bescheide sehr thruer bezahlt wervcn." Sind solche Aeuöcrungen nicht anwidernd, eines Zunz durchaus unwürdig? Dann wird ein Ausspruch Schemtod Palquera's angeführt, der so lautet: „Einige Leute beschäftigen sich etwas mit Studien und lernen ein wenig im Gesetze, um für geschickte Männer zn gelten und Aemter und Geld zu erhaschen; haben sie beides erlangt, lassen sie Wissenschaft und Gesetzstudium liegen", und dann hinzugefügt: „So spricht ein Mann, der nicht einen unserer Doctorea der Philosophie persönlich gekannt hat!" Ich muß bekennen, es gehört ein traurger Muth dazu, so Etwaniedcrzuschreibeu! Würde ein Anderer so was schreiben, wir wür- Mn mit stiller Verachtung an ihm vorübcrgehn; bei einem Zunz müssen wir unser tiefes Bedauern ausdrücken, wir bedauern seine Verstimmung, wir bedauern, daß er sich zn einer seiner unwürdigen Erbitterung, zu Aeußernngen. wie sie ganz Andern angemessen sind, Hinreißen laßt, wir bedauern, daß er sich, wie er selbst eS ganz richtig bezeichnet, so gehn läßt, „als sei er ein in sich selbst verliebter Prediger, und seine Predigt voller Neuigkeiten", wir bedauern, daß er seine Kräfte nicht edleren, seiner würdigeren Aufgaben zuwendet. Doch gerade, weil er ein Mann ist von Kraft und Bedeutung, darum mußte auch ein Wort deS entschie» densten Ernstes, der rücksichtslosesten Protestatio» gegen ihn gesprochen werden; möge cs ausgenommen werden, wie Nachmaaides seine starken Worte gegen Aden Csra betrachtet wissen will, als