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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-06 · Heft 36 (6.9.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 36 (6.9.1846)
Date
1846-09-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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150 mmon ran«l rfttiö nnDin, »offener Kampf gepaart mit geheimer Liebe"! — Gehn wir lieber zu einem nüchternem, aber gesunden Beobachter, Hrn. Joseph Wertheimer, der unS aus eigener Anschauung -die israelitische Erziehungsanstalt für Knaben und Mävchen zu Schwarz - Kostcllez in Böhmen" beschreibt (S. 343 — 3583 und uns einen schlichten, aber einsichtsvollen, in Liebe erglühenden und mit Aufopferung hingehenden Mann kennen lehrt, Hr. Martinowetz, den Gründer und Erhalter der statt, den Mann, brr mit Geld unv Kraft für das Wohl der Jugend sorgt. Unser Herz wird reicher, wenn es einen neuen Namen kennen lernt, den eS ehren kann, dem es seine Liebe und Achtung weiht; wir freuen uns, daß diese Darstellung uns so bereichert hat! — Recht lebendig und treu schildern zwei Erzählungen jüdische Verhältnisse, wie sie im Contacte mit der Zeit zu interessanten Ereignissen führen. Die erste ist überschrieben; „Judenthum und Romantik. Genre-Bilv auS dem vorigen Jahrzehend" (S. 247 — 2903 von Szünto, worin ein Jüngling und eine Jungfrau geschildert werden, die von neuerer Roman- Literatur aufgeregt, in neuere Ansichten eingehend, die Theilnahme an polnischer Nationalität in sich pflegend, mit dem ganzen hergebrachten Ganze jüdischer Sitten, besonders jüdischer Eheverinittelung, und daher mit den Ihrigen in Conflict gerathen, der aber dann gelöst wird durch die merkwürdige Begegnung beider junger Leute, indem sie, für einander durch die Eltern bestimmt, sich nun auch als Liebende wieder erkennen. Die zweite: „Das alt' Babele. Aus einem Ghetto" von Leopold Komp er t (S. 291—306) gibt uns eine Scene aus der Preßburger Judenstadt mit prägnantem Jargon und gut aufgefaßten Zügen. Die Erzählungen sind unterhaltend und die Ereignisse aus dem Leben gegriffen; doch können wir eine Bemerkung nicht unterdrücke». Diese specifisch jübischen Novellen sollten wie alle gesunden Erzählungen für das Volk nicht den romantischen Widerspruch zu ihrem Grundtone ha. ben, sondern, wie dies Vertholv Auerbach so meisterhaft durch die That angegeben hat, dem Volke, hier dem Juden, den gesunden Kern in seiner Natur zum Bewnßtsein bringen und ihm so aus diesem Kerne heraus die Entwickelung zu einem ganzen vollen Menschen anweisen. Der Widerspruch, in welchem ästhetische Verflachung und nachahmende äußere Glätte mit der alten starren und ungehobelten Absonderung treten, kann zu recht spannenden Ereignissen führen, aber zu einer Versöhnung führt nur der sich gellend machende gesunde Sinn, welcher ebenso der Verflachung wie der gesetzlichen Einschnürung entgegentritt und eine kräftige, aber freiströmende Sittlichkeit und Verehrung des Göttlichen will. — Unter den Gedichten hat mich am meisten „des Sängers Lied" (S. 239—242) angesprochen, und nnter den Nachbildungen ist am bedeutendsten die „Anthologie aus dem Buche: Ben ha «Me« lckh weha- Nasir" von Steinschneider (S. 335 — 3!0). Auch die andern Beiträge dieser Arten werden wohlwollende Leser finden, da keiner als schlecht bezeichnet werden kann, wenn auch daS Urtheil verschieden sein sollte; wir übergehen sie unv beschränken uns nur noch auf Erwähnung der „Blumenlese aus der B.bel" von Sun. Szäntä (S. 323—332). Der Verfasser beabsichrigt hier eine Probe poetischer Nebelfttzungen poetischer Stellen zu geben, und zwar von dem wichtigen Gedanken ausgehend, daß di« Treue einer Uebersetzung, wenn sie die poetischen Schönheiten zur Anschauung bringen will, nicht nach der ängstlichen Wiedergabe jedes Wortes und jedes Buchstabens gemessen werden dürfe, sonder», daß der Uebersetzer die Anschauung des Dichters in sich aufgenommen haben und dieselbe nach dem Genius der Sprache, in welche er übersetzt, rep.oduziren müsse, Aber der Verfasser geht schon zu weit, wenn er die Aufgabe so stellt, „man habe sich in die Seele des Gedichts so hineinzudenken, daß man all die lebensvollen Bilver richtig erfaßt, die der unbeholfene Buchstabe oder der fremde Sprachgeist minder prägnant bezeichnen, und die gleichwohl allein es sind, die die Dichtung zu einer solchen machen, und wenn man sie erkannt hat, mit frischerem Colorit anhaucht, und sie so in das abendländische Gewand hüllt und mit den dem Sinne correspoiivirenden Formen unserer Metrik uns Versarchitektonik verziert". Bei einem solchen Verfahren entsteht aber keine Wiedergabe, sondern eine Bearbeitung, eine Zersetzung, eine Be« schminkpflasterung der Dichtung, und das heißt — eine Verwässerung. Die Proben, welche der Verf. gibt, bestätigen nur zu sehr unsere Ansicht. So nehmen wir Abschied vom diesjährigen Jahrbuche und glauben den Leser auf den Reichthum seines Inhaltes hinlänglich hingewiesen zu haben; die Bedeutung, welche ein solches weit verbreitetes Lesebuch erlangt, die Gediegenheit und Schärfe, mit welcher eine bestimmte Richtung darin auftritt, rechtfertigen auch erst unsere ausführliche Besprechung. Nun, ziehe ein in die Häuser, freundlicher Wanderer; wir werden Dir im nächsten Jahre wieder begegnen und hoffen, daß Du dann wieder rüstig, aber auch mit mehr gehobenem Antlitze und freudigerer Hoffnung in der Brnst unS froher begrüßen wirst! Breslau, 12. August 1846. Verlag der I. L. Hermauu'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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