Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1846)
- Date
- 1846-09-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recensionen, literarische Aphorismen re. re. für die gelammte höhere Wissenschaft des Zudenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdhcim, S. Hirsch, Jost, Nieder, Herzfeld, Wechsler, Maier, Nebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben vo» Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschcm Land-Rabbinen in Eisenach. Vdr. 36. Sonntag den 6. September 1846. Jahrbuch für Israeliten, ans das Jahr 1846 <M07) 1847. Mit Beiträgen von Dr. Ludwig August Frankl, Dr. Nathan Horwitz, Dr. I. M. Jost, Abraham Kohn, L. Kompert, M. I. Landau, Leopold Low, Friedrich Mannheimer, Theodor Mannheimer, W. Mayer, Dr. Ludwig Philippsott, Dr. Michael Sachs, Dr. Gotthold Salomon, Leopold Stein, M. Steinschneider, S. n. I. S;aat<>, Dr. L. Zun; und Andern. Herauvgg ben von Isidor Bus ch. Fünfter Jahrgang. Wien 1846, Schmid u. Busch. 360 S. 8. A n g e z e i g t von Seiger. (Schluß.) Wir kommen nun zu dem Beitrage von Zun;: „ein gesunde, ner Brief" (S. 165 — 172). Schon der Titel zeigt uns etwas Seltsames. Was soll dieses Haschen nach Originalität in den Aufschriften: „eine alte Stimme", „ein gefundener Brief"? Soll das Publikum durch selche räthselhast sybillcnarti'g klingende Aufschri'tcn angelockt oder mpstifizirt werden? Erstcres ist unnöthig. Letzteres wäre unwürdig. Der „gefundene Brief" ist übrigens bkos ein Räsonnement über die Vernachlässigung der jüdischen Literatur von Publikum und Gelehrten, in Briefform gekleidet. Einem Freunde, der gleichfalls für diese Literatur begeistert Ist. und'/ der von ihr angeblich rühmt, in ihr sei „Alles zu haben (!), Häusliches (?) und Göttliches, Tiefsinniges und Scherzhaftes^ Zjjigk. Witter und Maiblumen", bestätigt Zunz diese hohe Weisheit, denn diese Literatur bespreche „ebensogut Logarithmen und die Willens, freiheit als Geheimschrift mnd Dintenreccpte. En galanter Jüngling, der kein Hebräisch verstehen darf, kann sogar das Reecvt, wie man sich auf Bällen zu benehmen hat, in Joseph Da» costa's Tractado de Cortesia, Am st. 1726 in Sedez, Cap. 14, finden." Aus diesem Anfänge kann man ungefähr schon die ganze Stimmung des Verfassers und den ganzen Charakter, in welchem der Brief gehalten ist, ahnen, und man wird nicht getauscht. Man j i. Jahrgang. WSW■-L1'- J würde sich ärgern müssen über den ungerechten Hohn, über die unbegründete Bitterkeit, über die rücksichts- und einsichtslose Verunglimpfung der Zeit, wenn man nicht über die Verkehrtheit und Seltsamkeit der Ansprüche lachen müßte; man könnte fich wohl zum Lachen aufgelegt fühlen, wenn man nicht von tiefer Wehmuth ergriffen würde über die Irrwege, in welche ein starker Geist gewaltsam sich hineinrennt, muthwillig aus dem Leben sich heranswirit uno statt an rer Frische der Bewegung sich zu erfreuen, an der wieder angefachien Theilnahme für Jndemhum, jüdische Sitte und jüdische Denkmale seine Lebensgeister zu erquicken oder doch als ruhiger Historiker den Entwickeluiigsgang unserer Zeit, die daran sich bechert genden tüchtigen Kräfte, die wahrlich eben so viel werth sind, wie Mancher, der vor mehreren Jahrhunderten werth- Iofr Bücher geschrieben, zu beobachten und die geschichtliche Fortbildung sich zu verzeichnen — statt dessen alle Besonnenheit und Ruhe verliert, weil nicht Alle mir Ehrfurcht an jedes lediglich durch fe n Alter ehrwürdig fein sollende Buch geht, weil un>'ere Zeit, wie eine jede strebsame, ihre Berechtigung höher hält als werthlose Gestaltungen früherer Zeiten, und vielleicht auch hie unv da an manchem wirklich Ehrwürdigen, ungeziemend rüttelt, mancheS BeachtenSwerthe übersieht. Es ist ein Gegenstand der Trauer, wenn wir eine große Kraft sich aufreibrn, in Unmuth vergehen sehn/wenn wir wadrnehmen, daß ein Man», der Großes zu leisten befähigt ist, grämlichspottet und wenn er mit verdrießlicher Miene auf dem Schauplätze erscheint, nur immer kleinlich zu mäkeln weiß. Ich ehre den Einzelnen, Verdienstvollen, aber mehr ehre ich die.ganze Zeit, welche ihn erzeugt unv trägt, in der er sich arrSzeichnen mag, die er aber wahrlich nicht üb.rragt. Ich ehre den gelehrten, geistvollen Mann, wenn er in hingebender Liebe seinen Zeitgenossen die Frucht seiner Arbeit darbringt, sie weiser nnd besser damit zu macken, aber ick finde nichts Ehrenhafted«im°'alles Gute feiner Zeit absichtlich verkennen, Schwächen