Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 36 (6.9.1846)
- Date
- 1846-09-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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283 sollen, allem die Klage trifft nicht die Versammlung allein, die den Standpunkt, auf welchem sie für sich sieht, verlengnete, sondern auch unsere Zustande, die leider! noch weit von einem solchen Standpunkt entfernt sind. Oder ist cs nicht so? Har nicht eine sehr aufgeklärte Gemeinde, die der freisinnigen e>steu Rabbiner-Versammlung ihre lautesten Huldigungen brachte, dennoch es sehr übel vermerkt, als ihr Rabbiner eine noch nicht einmal — und das will viel beißen — talwudisch verpönte Freiheit in Beziehung auf das Reisen am Sabbath sich gestattete? Und würde nicht manche andere aufgeklärte Gemeinde in gleichem Falle sich eben so empfindlich zeigen*)? Was macht man nur noch jetzt, nachdem in den Rabbiner-Versammlungen direct und iudirect dem Talmud jede Autorität und Verbindlichkeit abgesprochen, an den einzelnen Rabbiner für ungemessene Ansprüche Betreffs der rabbinischen Etikette, der äußeren und heuchlerischen Heilighaltnug talmudischer Vorschriften und Observanzen? Oder, wo gibt sich sonst der Eifer der Entschiedenen kund, in dem Grade kund, daß mau sagen könnte, sie stehen der Ortbodor e hierin nicht nach**)? Freilich ist an diesem Mangel von energischem Bewußtsein und rkatkräsligcr Gesinnung wieder der verknöcherte Talmudismus Schuld. Er, dem Alles ans die äußere Gesetzlichkeit ankam und der dem Leben auf jedem Ttilt und Schritt widersprach, mußte bei dem Eintritt der Juden in die sittlichen Verhältnisse europäischer Staaten faktisch gelockert und ausgeböblt werden, ohne daß die Gesinnung noch rasur vorbereitet war. Aber eben weil dieses so ist, weil solche Halbheit und Unentschiedenheit noch in den Gemeinden vorherrscht dürft ihr nicht ein so strenges Gericht über *) Hat ja eine große Gemeinde Deutschlands, aus deren Mitte jetzt die lautesten Kragen über die geringfügigen Resultate der dritten Rabbiner - Leisanimlung vernommen werden, bei der Wahl ihres Rabdinen gerade ihr Augenmerk auf einen Mann richten zu müssen geglaubt, der sich gegen eine entschiedene Reform ausgesprochen und von dem man annebmen durste, daß er der Gemeinde die ergiebige Zuneigung eines großen Danquierhauses erhalten werde. — So rächt sich die Halbheit und Gesinnungslosigkeit. — **k Könnte es auch sonst Vorkommen , daß sogar kleine und wohlfeile Schristchen, wie z. B. die deutsch — jüdische Kirche, Leipzig 1845; jüdische Bekenutnißschristen, Berk n 1543. Die in ähnlicher Gestatt unter Christ«n rasch zu Tausenden abgcgangen waren, von Juden nur äußerst spärlich gelaust worden find! oder daß schon jetzt gerade viele der Entschiedenen von der Unterstützung der Kaffe für die Rabbiner - Zrrsammlung fich zurückgezogen. — die geistlichen Führer und Organe derselben halten, weil sie nicht entschiedener sich gezeigt. Doch was die Rabbinerversammlung nicht gcthan, das muß einftiveilen far sie die Journalistik tbnn. Sie muß den unerläßlichen'Ansprüchen des Lebens ihr Recht, ja ihre nicht minder rel i giöse— weil sittliche — Bedemmig zusprechen, sie muß uns ferner auf das einzige Mittel, der Religion wie dem Leben zu ihrem vollen Rechte z» verhelfen, auf die Verlegung desSabbaths auf den a l l g e in e i n e n bürgerlichen R n h e t a g h i nweisen und durch Gründe der Wissenschaft und der Religion die Gemutber dafür gewinnen, und sie muß endlich überall, wo die Verhältnisse es zulaffen. die Einrichtung des S onntagsgot tesdien st es neben dein samstägigen anratben und empfehlen, als das sicherste Mittel die so dringende Reform in Beziehung ans die Sabbathslnstitnkion «ins ganz organischem und geschichtlichem Wege zur geistigen Verwirklichung zu bringen.*) Geschickte des Tages. Berathungeri der Deputaten der Reformgenofsen schuft. 4 (Berlin, im AngnstJ — Gcehrtcstcr Hr. Nee. Ein armer Süuvcr erscheine ich heute vor Jimen gebrückt von vcr großen Schuld Ihnen den hi.r vor einiger Zeit siattgcfundenca resormgenosseiischastlichen Miniatur.Congreß nicht zu gehöriger Zeit berichtet zu haben. Ich bitte Sie unv die geehrtesten Leser demüthiglich um Berz.ihung, die Sie mir auch wohl um so weniger versagen werden, als ich ja heure das Versäumte nachhole und Ihnen einen ganz actenfußmäßigen Bericht liefere. Vor einigen Tagen ist nämlich hier ein als Manusiipt g drucktes *j Merkwürdig ist, daß, obgleich lwute kein Vernünftiger die ans den Buchstaben per Bibel sich gründende Vorstellung, daß Gott in wirklichen sechs Tagen eie Welt erschaffen und gleich einem müden Arbeiter am siebent.n, der cee Sanssrag sei, gerubt, sich auch nur aneignen kann, dennoch das Gewissen derer, welche faktisch den Samstag längst nicht melr feiern, gegen eine förmliche Verlegung tess.lben sieb sträubt. Allein man hat sich einmal daran gewöhnt, in der Jahrtausende hinausreichenden Feier des Samstags ein Symbol oder Charakterisches des JudemhumS zu finden und sieht man in der plötzlichen Vertauschung desselben m t dem Ruhetage des Christcnthums eine große Gefahr für das Bestehen der Religion, der man trotz der Ulngkhungkn, zu welchen die LebenSverhälmisse nöthigen, doch in'der Tiefe der Seele anhängt. Aber das darr die jicdi che Journalistik nicht abhNten, was sie als heilsam und wahr erkennt, auch unumwunden anzneinpfehlcn.