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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-30 · Heft 35 (30.8.1846) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 35 (30.8.1846)
Date
1846-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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27« Die dritte Rabbiner - Versammlung. (Breslau, im August.) — Geigrr hat einen vorläufigen Bericht über die Thätigkeit der dritten Rabbiilcrvcrsammlung veröffentlicht; in welcher er die von derselben gefaßten Beschlüsse wörtlich abdrucken ließ. Da di.sc aber Ihren Lesern schon bekannt sind, so beschränke ich mich darauf, die wenigen Worte, welche der Präsident der dritten Rabbiner-Versammlung jenen Beschlüssen vor- und nachschickt, hieher zu setzen. Sie lauten: Breslau, den 31 Juli. Nach Beenbigung der dritten Versammlung deutscher Rabbiner, welche vom 13. bis 24. d. M. abgehalte» worden, ist cs nicht unangemessen, einen Rückblick aus ihre Thätigkeit, ihre Beschlüsse und auf ihr Vcrhältniß zu den hiesigen jüdischen Gemeinden zu werfen. Die diesjährige Versammlung kam unter sehr schwierigen Verhältnissen zusammen. Die stabil-orthvd.wc Partei, einer jeden Regung Gram, hatte schon längst derselben feindlich sich entgegengestcllt; auch eine andere, welche seit einigen Jahren immer entschiedener sich geltend zu machen versuchte, die für'S Leben,! für die Praxis mit der Orthodoxie Hand in Hand gehen und ihr bloß einige dürftige Concesfionen abrriugen; in d.-r Theorie aber den wissenschaftlichen Boden cinnehmcn wollte, die Partei, welche sich die ausschließlich con'ervative oder positiv - historische nennt, hatte gleichfalls ihren ganzen Ingrimm über die Freimüthigkcit, mit welcher die beiden früheren Versammlungen vorhandene Gebrechen aufdecktcn und auf rechte Befriedigung der unabweisbaren religiösen Bedürfnisse drangen, ausgcschüttet. Nicht minder aber auch grollten die raschen und entschiedenen Männer in den Gemeinden mit der Versammlung, weil sie, ihren Wünschen nicht so bald entgegenkommend, nicht mit einem Schlage das Gebäude des alten jüdischen Eercmonial. gesetzes abtrug , sondern dieses von seinen Mißbräuchen säubernd, e< flüssig zu machen, ihm den belebenden Geist einzuhauchen, und es für die Formen empfänglich zu machen suchte, welche unserer Zeit angemessen sind, und weil sie eine geschichtliche Entwickelung anstrebte, welche an die Vergangenheit anknüpst und die Zukunft vorbereitet. Dennoch ließen sich die wackeren Männer nicht zurückhalten, die weiten Reisen zu unternehmen und im sichern Bewußtsein, durch Gesinnungstüchtigkeit allem Schwanken und Mißtrauen ein Ende machen zu können, traten sic getrost zusammen. Zur Erleichterung vcr Opfer, welche die meist schlecht besoldeten Rabbiner zu bringen nicht -vermögend sind nnd welche besonders dieses Jahr bei der weiten Entfernung der mei. sten Mitgliedern bedeutend waren, ha te sich bereits im vorigen Jahre eine Ecntralcasse in Frankfurt a. M. gebildet, nnd die hiesige Gemeinde spendete dieses Jahr eiuen beträchtlichen Zuschuß. So begann denn die Versammlung ihre diesjährigen Beratbunge» und sie bewährte vollkommen, wie richtig der Standpunkt ist, den sie einnimmt. Sie zeigte sich treu der heiligen Lehre und dem göttlichen Worte, mit Achtung erfüllt gegen deren geschichtliche Entwickelung im späteren Judenthume, aber auch bestrebt, den rechten Geist der B-bel nnd der Tradition aus der Verknöcherung zu befreien; sie erkannte an, daß die Religion in dem Gemüthe ruht und daß dort Eingelcbtes, wenn es auch weniger auf Autoritäten und zwingende Gründe sich berufen kann, doch wohl seine Berechtigung hat, aber auch daß das mit dem Leben in scharfem Widerlpr.-chc Stehende sich immer mehr abbröckett und wenn cS gewaltsam erhalten werden soll, das Verfahren nur ein» Zeit lang die Heuchelei befördert, dann, aber zu einer gänzlichen Leere hinführt. In diesem Sinne wurden ihre Beschlüsse über di» wichtigen ibr vorliegenden Fragen gefaßt, und mit diesem Maß. stabe müssen sie gem.sscn werden. Von diesem ihrem Standpunkt« aus faßte nun die Versammlung mehrere Beschlüsse. Dies in kurzem Urberblicke dir Resultate der diesjährigen Derathungen; die Begründung dieser Resultate und die darüber gepflogenen Verhandlungen werden die nächstens erscheinenden Protokolle liefern. Es ist unter göttlicher Hülfe auch in diesem Jahre Manches angeregt. Manches gefordert. Manches ausgeführt worden , was, wie wir hoffen dürfen, zur Befestigung im reine» Glauben des ZudenthumS nicht unwesentlich ist. Möge Gottes Segen die Keime zu schönen F.üchten reifen lassen! Krqkaussr Zustände. l-ß lKrakau, im August.) Wenn ich noch immer fyrtfahre Trübes von dem Zustande der hiesigen Inden zu berichten. so wollen Sie dies auf die Rechnung unserer vielgestaltigen Zeit bringen, die in ihren Schöpfungen unaufgehaften ihren Lyeg wandelt. Die Roth der hiesigen Gesammtjuden hat bereits ihre» Culminationspunkt erreicht und schon haben sich die Folgen derselben größtentheils heransgestellt. Der Handel der hiesigen Juden, der schon früher die feste Grundlage eigenen Fonds entbehrt» und nur in dem lockern und unsichern Boden des CreditS seine schwachen Stützpunkte hatte, liegt nun durch die jüngst hier stattgefundenen Ereignisse gänzlich hiedarnieder und versagt allen auch nur geringfügigen Gewinn. Armuth und grenzenlose Hilf, losigkeit ist so allzcmein, daß man sie von jedem Gesicht ablesen kann. Mehrere hiesige junge Leute sind bereits theils nach Eng. land, theils nach Amerika dieser heimathlichen Rathlosigkeit wegen ausgewandcrt; von denen auch Manche Frau uns Kinder

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