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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-30 · Heft 35 (30.8.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 35 (30.8.1846)
Date
1846-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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und das Bringen von Gegenständen ans den Hausern in den Raum des ganzen Ortes statt finden, wenn am Eingänge des letzteren ein Bindfaden von einer Seite der Staße zur andern gezogen ist; so können ferner durch einen fingirten Betrag der Professienist, der Gutsbesitzer, der Fabrikant, ihre Wcrkstatte, ihr* Feld, und ihre Fabrik an einen Nichtjttden für jeden Sabbalh vcrmielhen und zwar für eine noch so geringe Summe, die der Miether statt des wirk liche n Sabbathsverlragcs erhalt.— lieber diese Fictionen wollen wir die alten Gcsetzeslchrer nicht anklagen. Sie konnten vermöge ihrer ganzen geistigen Nichtnug das Gesetz nicht anders als buchstäblich und juristisch fassen und daher auch das Unhaltbare und Unwürdige solcher Fictionen nicht fühlen. Auch kann nicht gelättgnet werden daß der Sabbath, selbst in dieser verknöcherten, hypochondrischen Gestalt den kindlich gläubigen Vätern zumal in ihrer isolirten Stellung einen Tag inniger Freude und Ergebung gewesen. Aber ist er dieses noch jetzt? Ist (mit Ausnahme der ganz wilden Orthodoxie) wirklich Jemand noch gewillt, die thalmltdischcn Umzäunungen und Erschwerungen zu beobachten, sein Hab und Gut den Flammen Preis zu geben, oder auch sonst nur durch die Sabbathsrnhe seine Snbsistenz auf das Spiel zu setzen? Widerstrebt es nicht ferner dem sittlichen Gefühle unserer Zeitgenossen von jenen Fictionen irgendwie Gebrauch zu machen? Oder ist cS nicht so ziemlich zum allgemeinen Bewußtsein gekommen, daß da, wo höhere Zwecke, als die würdige Feier des Gottesdienstes, der Beruf des Beamten, der Dienst des Soldaten eine Thätigker't in Anspruch nehmen, diese nicht verboten sein können? Und doch steht das thalmudische Gesetz noch in seiner Starrheit da und stempelt alle die, die dieses thun, oder jenes nicht glauben, zn Sabbalhssct,ändern und Gesetz- Übertretern. Tiefem Zustande, diesem leidigen Widerspruch zwischen den starren Aussprüchen des Gesetzes und dem lebendigen Bewußtsein der Zeit müßte ein Ende gemacht werden. Und die dritte Rabbitiervcisammlung, wer kann ihr dieses absprechen?— hat SolchcS redlich gethan. Sie hat da, wo der Besitz bedroht und gefährdet ist, jedes Mittel zur Rettung, jede sonst verbotene Arbeit erlaubt; sie bat ein Gleiches gestattet, wo es dem heiligen Zwecke, der Andacht und E»banung gilt, oder wo der Dienst für de« Staat, die Pflicht des Soldaten Selbes erheischt; sie hat ferner alle thalmudischen Fictionen für unnördig und verwerflich, wie alle Umzäunungen und Erschwerungen für unzulässig und unverbindlich) erklärt. Aber hat sie damit das Uebel ganz geheilt; vollen Frieden, wahrhafte Einigung zwischen Lehre und Vcbnt Hergestellt? — Liese Frage müssen wir eben so entschieden mit Nein? beantworten! — (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Die THeologe.rversanimlung. Ostrard (GHz. Posen.) 9. August. Herr Dr. Frankel tritt immer ciUkö ecener mit feinen Absichten hervor. Nicht die Männer, welche von Gemeinden unv kompetenten Behörden za geistlichen Führern erwählt werden, selten zns.unmenlreten, son» dern diejenigen, welche er an) ober.ichler icher uns obergeistlicher Machivollkommenheit zn „Theologen" stempelt. Er schaut sich schon im Geiste mindesten) als Conststorial . Präsidenten der Juden Deutschlands. Herr Louis Landau hier, Vorsteher einer Erziehungsanstalt, Sohn eines verstorbenen Rabbiiiatsassessors in Breslau , der Gymnasialunv Universitätsstudlen gemacht, an einer „Me. dicin des Talmuds" arbeitet, hat sich zur freif;inen „Theologen- Versammlung" gemeldet; Here Feaukel hat ihm den Beitritt untersagt, weit er kein Theolog sei. Mn) man wirklich mit Ac. tien oder Callicots handeln, um bei Here Fr. ein Theolog zn sein?— Unter die ersten Preisfragen, welche die Theologen» Versammlung aufgeben wird. befindri sich wohl die: da eS altjüdische, daher ehrwürdige religiöse Sitte ist, da st ein Jeder, mag er sonst irgend einem Berufe folgen, nebenbei auch noch Handel treibt, so wünscht man die Antwort auf die Frage, ob diejenigen Rabbiner der Neuzeit, welche k. in Nebengeschäft treiben, nicht das jüdisch religiöse Bewnstrsein verletzen, daher von ihren Aemtern zu removiren .sind? Der Preis besteht in einem bestimmten Anthette in einem ftpldg) — Unser neuerrichteteS polnisches Gymnasium wnv anch von jüdischen Knabc» besucht; jedoch hindert der Gebrauch dcr polnischen Spracht an zahlreichem Besuche.

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