Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1846)
- Date
- 1846-08-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ul es schließt alle übrigen von sich aus, uegirt fry Hält ihre Bekenner sich, dem erwählten Volke GotteS gegenüber, für unrein (!) Der Fanatismus der Bekehrung ist dieser -ochmüthigrn Erelusivität eben so ferne, wie die Universalität des ChrifrnthumS. Die Judrn haben nir bekehrt, nie Proselpten gemacht, sie wollen das Erbe göttlicher Verheißungen nicht selbst vermindern.«» Wer von den Herren hat nun recht? Plank im wörtlichen Sinne nicht, denn ich erinnere mich uur weniger Bei» spiele in den jüdischen Annalen, die auf eine Bekehrungssucht hindeuten. Rötscher aber noch viel weniger, denn der Trieb und das Verlangen nach Ausbreitung ist allerdings dem Zudenthume tief eingeprägt, wie fast jedes Blatt der Prophetie und spateren Dichtung ein solches Brrlangrn athmrt, er ist von ihm auf Las Christenthnm, das in dieser Hinsicht das Erbe bei lebendigem Leibe angetreten hat, übergegangen, nur mit dem Unterschiede, daß dieser mit Feuer und Schwerdt, mit List und Gewalt die Ausbreitung gesucht hat, während das Zudenthum vermöge seiner ganzen reUgiösen Denkungsart sich dagegen passiv verhielt und es dem Einflüsse der göttlichen Macht überließ, diese AMreitung herbeijvführen. Daß „die Juden Las Erbe göttlicher Verheißung nicht .selbst vermindern wollen" ist eine nagelneue Erfindung der Bcrliner Dramaturgie, merkwürdig genug, auf Lrssings heiliger Asche der reinsten Menschenliebe empor gewachsen! — Und somit will ich mit meiner Anzeige rasch zum Schluffe ei. len. Denn, was nun noch folgt, obgleich der Seitenzahl nach bei weitern der größte Theil, ist mir thrils zu hoch und zu überschwenglich, theils — zu kleinlich und in einem Gcfthmacke, den ich nicht gontiren kann, indem nämlich aus den einfachen Erzählungen derheil. Schrift, aus den naiven Sachen vom:Brudermorde Kain's, vom Kampfe Jakobs mit dem Unbekannten, von der verrenkten Hüfte und selbst ans dem Namen Israel u. drgl. allerlei Schlüffe gewonnen, allerlei tiefsinnige Andeutungen gezogen werden. Diese Manier, den klaren, unverfänglichen Lortsinn fr frage Jtt zerren und ZU brandschatzen, bis er dem Systeme seium Tribut gezahlt hat, bis er -zur Sybille mit dem Geheimnis- Hache geworden ist, mag ihre Freunde und Lobredn« haben — auch unser Lobredner Hirsch in Luxemburg Hat sich wacker darin versucht — einen Beitrag zum richtigen Verständnisse , zur richtigen Auffassung der Schrift liefert sie schwerlich, viemehr erscheint fr mir immer als eine neue Auflage des alten MioraschwesenS. Man foltert die Geschichte» .daß sie das Gewünschte bekenne— es ist das ZaquisttiauSverfahren, durch das man sie zum Geständnisse treibt. Die viel aber ein solches Geständnis Werth und Wahrheit hat, ist bekannt. Ei» Beispiel für viele möge genügen, um Planks Meisterschaft als falcheu .Inqmfitionsrichter darzuthun. S. kv.8. „Fassen wir schließlich die ganze geschichtliche Stellung des Volkes in eine Anschauung zusammen, so giebt es keine tiefere, sprechendere Bezeichnung derselben, als die da Namen des Volkes selbst gegebene. Ein GotteSreiter j>lo)— ist das Volk, venu .was es geworden ist, das ist es nur im Kampfe -egen die fremde Religion und Nationalität — geworden. U« nicht bloö im Kampfe nach außen, sondern auch in einem noch härteren.nach innen, einem Kampf gegen die abgöttliche Masse des eigenen Volkes ist dieser Nationalgeist herangewachken.— — Allein in einer noch tieferen Weise wird von der biblisch« Erzählung selbst Gen. 32. 2t ff. die Bedeutung des NamenS erklärt. Am Eingänge des gelobten Landes ist es, wo im Angesichte einer drohenden Gefahr der Stammvater des Volkes in einer dunkeln Nacht bis zum Anbruche der Morgenrothe mit einem Unbekannten, mit einer göttlichen Erscheinung ringt.—In diesem Ringen handelt es sich nicht blos um jene einzelne, zunächst ,liegende Gefahr, sondern um einen höheren, bleibenden Sieg. Gott selbst äst es, dem im heißen Kampf der Segen abgeeungea wiro.— Allein indem bas Volk jenen Kampf besteht, weiß es noch nicht, daß es eben in Folge seiner Gottesanschauung in diese isalirte Stellung gekommen ist; es weiß auch nicht daß es in jenem Kampfe in dem Streben begriffen ist, die bloß negative Gottesanfchanung zu.überwinden; eS kämpft, (gleich feinem Stammvater in der Sage) mit dem Unbekannten. — Za selbst der letzte , scheinar bedeutungslose Zug in der Erzählung, di» hinkende Hüfte, die I.ckob aus dem nächtlichen Kampfe 'davonträgt, wie tief und bedeutungsvoll erscheint es, wenn jener höhere geistige Sinn der Erzählung erkannt ist!-Jener innere unheilbare Zwiespalt, an dem die ganze ältere Geschichte der Theokratie leioet, der die Quelle alles nationalen Unglücks ist -das ist dfle hinkan.de Hüfte, die Israel au< jenem -geistigen Ringe» davon trägt! Selbst das letzte Schicksal des Volkes , Verwerfung des Heils, das doch geschichtlich auS ihm hervorgewachkrn war, Ist fr dann begründet, daß das Volk von Anfang an nicht .aus sich selbst, sondern nur durch den Kampf, in den es geschichtlich hmciagesteM wurde, zum auserwählten Volk» geworden ist." Und das , machten wir hinzusetze», ist der hinkende Bote, der den Thatsachen und der dahin rauschende» Geschichte nachkriecht und nachhiukt, der auf feinem fchleichevdcn Gange sich an allerlei Kleinigkeiten Läßt, allerlei Spuren von Ihrem Riesenschritt zu finden glaubt und davon ecks von einer Wundermähre post testum eia Langes und Breites Z» erzählen weiß,! gut genug, die müssigrn Winterabende zu kürzen, aber zu leicht