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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-23 · Heft 34 (23.8.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 34 (23.8.1846)
Date
1846-08-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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440 lich war — ist es übergegangrn m '*xt wrntzstenS t*n Geist belebende und in Spannung erhaltende des Gesetzstudiums und der midraschischcn AusschmückunL und oft spekulativen Erweiterung der ersten Religionsguelleir; und ffv ffehr wir dir Lalmudistcn und Rabbaniten der Mikrologie, der oft kindischen Kasuistik beschulrigen mögen und muffen, geschichtlich ist diese Thätigkeit rin Fortschritt, rine Abwehr des tillstandes. Ja, es ist mir trotz HoldheimS Gegenbemerkungen noch immer zweifelhaft., xb diese Beschäftigung, weil sie nur bei einer Wiederherstellung »eS jüdischen Reiches und des Gesetzes praktischen Erfolg und praktische Bedeutung haben konnte. »icse Wiederherstellung überall zur festen Voraussetzung hatte, ob die Täuschung so weit ging, daß man den ganzen Compler der detaillirtrn Bestimmungen und Normen der Schulen für bald oder einst anwendbare Verhältnisse hielt, und ob eö nicht bei den Meisten eben ein freies Spiel geistiger Ueber. fülle war, die kein anderes Objekt der Thätigkeit fand. die mit sprudelnder Ironie gegen die todte Gesetzlichkeit selbst sich kehrte und auf ihren Gräbern die frrilich tauben Fruchtkörner zu einer neuen Saat suchte. Wie gesagt, ich bin darüber zweifelhaft und maße mir keine bestimmte Ansicht an, nur kann ich nicht einstim. men in das Gereve von Stillstand und innerer Leerheit des Juveathums. „Es gibt kein tieferes Bild für die Geschichte des jüdischen Volkes als ein aus dem X. Testamente selbst entnommenes; es ist Loth's Weib, das zurückgeschaut hat nach dem, was doch von Gott schon gerichtet war und das über dem Rückwärtsschen versteinert ist" (S. 678.) Die Formgläubigen, die starr an dem Buchstaben des Gesetzes Gebundenen mögen mit Plank über dieses schnöde, ungeziemende Bild rechten und sich auseinandersetzen. Wir nicht, denn es rechtet und richtet sich selbst. Wäre das Judrnthum wirklich ein solches versteinerte Gebilde, wäre es ein solcher Anachronismus, dann wäre seine Geschichte ein unauflösliches Problem. Denn, »aß Völker, abgeschlossen und ohne Berührung mit der civilisirten Welt, ihren antiquirten Charakter behaupten, läßt sich denken und erklären. Daß.aber ein Volk, das keines ist. dem alle Bedingungen »er Nationalität ahgehen, das mitten in der Welt zerstreut lebt, doch noch rein Volk sein will und noch mehr — ein solches auch in der religiösen Sphäre bbckbt das ist nur denkbar, wenn eine höhere Weltidee «S nicht bloS einst getragen und erfüllt holt — daS gibt auch Plank zu — sondern auch jetzt noch trägt. Diese Idee ist die Religion der Zukunst, nicht der Vergangenheit, die meffianische Zeit einer Erlösung »on jeder Schranke einer freien Bewegung, eine Idee, dir »chhl »ft ein rauhes Gewand angelegt hat, in deren Rameu oft selbst wieder die Ketten der Knechtschaft geschmiedet worden find, .die ad« dennoch ihre tiefere, rein menschliche Bedrulmrg nie ganz verloren Pat Mid nie verlieren kann. Und diese Idee, sage ich, ists denn auch, nicht der Formalismus des Gesetzes und nicht der Partikularismus des Nationalen, die dem Zudenthum hat Dauer gegeden, und wir wallenS den Altgläubigen eben so wie den christlichen Philosophen offen inS Angesicht sage», daß nur in dieser Idee wir den Kern »es Zudrnthums «fwmtn, daß auf die Geschichte auch wir zurückblicken zwar nicht als auf einem-versteinerten Bilde— das hieße unsere Mutter verleugnen — aber wohl als ans einem solchen, das die Physiognomie des Alters und der schmerzvollen Vergangenheit an sich trägt, daß wir selbst im MosaismuS und Prophetismus keirre starre Einheit, sondern eine flüssige, auf den Wellen der Zeit und des MenschenbewußtseinS dahin rauschende große Entwicklung erkennen, die auch uns noch weiter trägt, ohne jedoch unfern Geist in die Fesseln dcS -Buchstabens zu dannen. „Der Geist der neuern Zeit hat auf das Zudenthum schon mehr gewirkt, als alle frühere Jahrhunderte zusammen" (S. 721.) Aber wäre das Judenthum versteinert, wäre es ein todeS Gerippe, wofür es Plank hält, so fragen wir rtaxn mDSyn mwn? Erstehen die Tobten aus dem Grabe? Kann eine starre Ruine — auch so nennt Plank das jüdische Volk „jenes Volk das unverrückt die Ströme der Geschichte hat an sich vorüber rauschen sehen" (S. 721) — wieder wohnlich werden? Und wenn nicht, und wenn nur da eine geistige Wiedergeburt möglich ist, wo noch Lebenskraft und Lcbenstried, dann gibts keine bessere Widerlegung für jenes Gerede als in der W?ise, wie Jener, den die Bewegung leugnenden Philosophen widerlegte — er ging seines Weges. Auch wir wollen und werden weiter gehen, auch wir wollen und werden zeigen, daß das Judenthum den Ruck der Zeiten verträgt, daß es für unS und unser Leben und unsere Erkenntnißstufe noch eben so den Stoff und die Keime des Göttlichen bietet, wie es sie einst den Propheten, wie es sie dem seiner Mutter entfremde, ten Kinde, dem Christenthum geboten und noch immer bietet. DaS ist die schlagendste Widerlegung für alle derartige Anfekadüngen. Ein Curiosum amiß ich doch noch als Beleg anführen, wie erpicht diese Herren darauf find, Geschichte — zu machen. Plank ist gerecht genug, einen Zug zum Universalismus auch im später» Zudenthume noch und zwar darin zu finden, daß es jetzt bekehruagSfüchtig wird, Proselyten macht; setzt aber sogleich einlenkeud hinzu, daß auch „diese religiösen Bekehrungen selbst zugleich wieder nationaler Natur gewesen seien, eine Bekehrung zu dem jüdischen Volke, so daß darin mit der Ehre GotteS zugleich die Ehre und das Wachsthum.deS .Volkes gesetzt sei rc. ('S. 673.) Rötscher de» ich oben angeführt,-und nach ihm Stahr zum Nathan wissen das fei*. «»DaS Judentum ist die wlusiveste aller Religionen

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