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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-23 · Heft 34 (23.8.1846) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 34 (23.8.1846)
Date
1846-08-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 18. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höher, Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten revigirt und herausgegeben vo« Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 34 Sonntag den S3 August 1846. V. Jahrgang. Plank, der Ursprung des Mofaismus. Zweiter Artikel. Die universelle Gottesanschauung; Vollendung des Judenthums, das Judenthum und die Offenbarung. (Theologische Jahrbüchcr von Zeller, 1845, 4tes Heft, 656 — 721.) (Schluß.) Es braucht nicht erst weitläufig gesagt zu werden, daß diese Darstellrmg die Wahrheit au dem einen Zipfel gefaßt, ihn aber hat sogleich wieder fahren lassen, weil er ihr unbequem wurde. Die Richtung zur tobten Gesetzlichkeit der talmudischen Zeit ist eine Thatsache. Mit ihr Hand in Hand geht die nationale, der Partr'kularismus. Dabei hat jedoch der geistige Inhalt nie und nimmer gefehlt. Das Bewußtsein des Gegensatzes zu der ganzen heidnischen Welt, die monotheistische Gottesanschauung war und blieb dieser geistige Inhalt. Durch sie überdauerte und überwand eS die griechische Herrschaft zur Zeit der Makkabäer, durch sie ward es ermuthigt, dem römischen Joche sich zu widersetzen und wollte nicht gleich den übrigen Völkern „denen Geschichte und Reliligion ein unmittelbares Erzrugniß des Natioralgcistes, war" dem Schicksale sich fügen. Durch sie hat es auch in den weitern Jahr» Hunderten der Zerstreuung gegey jede Verschmelzung mit fremden Nationalitäten sich erhalten, weil es in den fremden Nationalitäten, weil es selbst in der christlichen Welt seine Gottesanschauung negirt fand. Hat es sein nationales Dasein, hat es die Hoffnung auf die Institution desselben mit dieser Gottesanschauung identifi. zirt, so liegt die Erklärung für diesen Mißgriff theils in der Zei. ten Roth, theils und hauptsächlich in dem innern Wesen jeder concreten, bestimmten Auffassung einer Idee. Gerade weil dem Judenthmne seine Beziehung zn Gott lein jenseitiges im christ. lichen Sinne ist, weil sie auch in dem menschlichen und irdischen Dasein sich manifestiren will, darum mußten auch im Universalismus der Propheten das Volk der Mittelpunkt derselben blechen, darum konnte sich noch weniger das spatere Geschlecht seiner nationaleu Hoffnungen cutäußeru und enischlagen. Dazu mußten erst ganz andere Fäden der allgemeinen menschlichen Entwicklung angesponnen sein, dazu mußte erst die ganze politische und sociale Weltanschauung ans ihren alten Angel» gehoben werden, und wir wissen es, wie lange eine solche Anschauung her ist, wissen, welche Nüancen erst das alte Gebäude zertrümmern mußten, ehe das neue universelle Leben einen Boden finden konnte. Uno daß dann auch das Judenthum sich in dieses neue Leben gerne versenkte und daß cs gerne in der aufgeschlossenen Allgemeinheit sein Besonderes zwar nicht unbedingt hinglbt — man gibt fein Selbst nicht fo leicht auf — aber wohl wieder findet und zn ihr hinflrebt, davon möchten die Vorgänge der Neuzeit, die Regungen und Bewegungen der Gegenwart Zeugnrst geben. So ist es durch und durch unwahr, so zeigt es von einem gänzlichen Mangel an historischer Unbefangenheit uad ökenntniß des jüdischen Lebens, wenn behauptet wird, das Judenthum habe fortan lediglich im Nationalen in dem krampfhaften Festhalten an der Vergangenheit sein kümmerliches Dasein gefistet, dahingegen sei in seiner Consequen; „in welcher das christliche Bewußtsein seinen Ursprung nahm" das dkoS Nationale sogleich untergegangen. Wahr ist nur, daß die jüdische religiöse Anschauung zur Zeit Christi eine höchst getrübte, der prophetischen universellen Lehre entfremdet war. Aber die christliche bleibts nicht minder in der ersten Zeit. Hat sie sieh später durch die Ausbreitung unter den Heiden und durch die Persönlichkeit des Apostels Paulus mehr der Innerlichkeit zugrwendet uns für den Formalismus des Gesetzes einen Glaubenszwang uns eine Lehre eingetauscht, die später wieder die unselige Quelle scharfer Erclusivität und Verfolgung wurde, so ist auch das Judenthum bald in eine neue Phase getreten, so hat auch es in seiner Züchtung gewechselt. AuS der todten Gesetze scrfnllung — die nicht mehr mög-

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