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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-08-23 · Heft 34 (23.8.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 34 (23.8.1846)
Date
1846-08-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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200 fcnbar m,gegründet, und dem bösen Willen oder der fixen Idee drS Verfassers zuzuschreiben. Wenn es aber weiter heißt: „daß wir uns -verwahren im Angesichte unserer Mitbürger anderer Eonfession, nicht isolirt zu stehen in der Mitte des großen Ganzen re., den Sabbath nicht als eine separatistische Scheidewand zu bezeichnen rc.", so läßt sich dieses wohl rechtfertigen. Die gottes- und sonst gelahrten Herren haben zu Breslau bei ihren Beschlüssen übersehen, daß solche nicht blos dem jüdischen, sondern auch dem christlichen Publikum bekannt werden, welches nicht wie erstes den« selben keine verpflichtende Gewalt, großentheils gar kernen Werth beilegt. Des Beifalls der Herren Paulus, Bauer, Stahl rc. können diese Beschlüsse gewiß sein, und wir würden unS nicht wundern, sie in Stände.Acrsammlungen und Landtags. Abschieden den Ansprüchru unsrer Glaubensgenossen entgegen gehalten zu sehen. Diese als Nabbiner-Vcrsammlungen bezeichneten rabbinisch« collegialischcn Zusammenkünfte, Begrüßungen und Besprechungen, deren Nützlichkeit nach innen noch vielfach in Frage gestellt wird, dürfen zum wenigsten nach außen nicht schaden, und es zeigt von einer etwas bornirten Einseitigkeit, daß man dies in BreSlau nicht selbst eingesehen hat. Eine öffentliche Protestation gegen die Beschlüsse der diesjährigen Rabbiner-Versammlung wäre von diesem Gesichtspunkte aus vielleicht nicht unzweckmäßig gewesen, während die oben erwähnte gegen die Rabbinen t:n allgemeinen gerichtete auf keine Weise zu billigen ist. Die Rabbiner-Versammlung und die Reformgenossenschaft. 4 (Berlin, im August.) — Nicht wenig Ansehen machte in hiesigen Kreisen die Debatte der Rabbiner-Versammlung über die Adresse der Neformgenossenschaft. Während die orthooore Partei schon im Voraus Siegeslieder anstimmte ob der Zwietracht in des Feindes Lager, waren die Genossen selbst gleichsam wie aus den Wolken gefallen, da sie die Möglichkeit einer solchen Auffassung ihrer Worte von Seite der Herren Rabbiner durchaus nicht geahnt haben. Wohl hat die Reform« genossenschaft klar und unumwunden ihre Ansichten ausgesprochen, wohl hat sie bestimmt und scharf die Gränzen ausgesprochen, in denen sich beide Institute berühren, aber auch auldenen sie sich trennen, allein hierin schien ihr nichts Verfängliches over gar Verletzendes zu liegen. Versteht sich; ja eine solche Differenz von selbst. Die Reform-Genossenschaft braucht auf Niemanden weiter Rücksicht zu nehmen als auf sich selbst, die Rabbiner- Versammlung muß stets die gesammte Judenheit und besonders ihre verschiedenen Gemeinden im Auge behalten; die Reform «Genossenschaft reformirt nach ihrem unmittelbaren Bedürfniß, welches, wie aus der Quelle drS Zeitgeistes entsprungen, so auch wieder in ihn einmiindet, indem sie nur diesen als ihr höchstes Regulativ anerkennt. Die Rabbincrversammlung hingegen wandelt den weiten Weg wissenschaftlicher Vermittelung, hält den Zeitgeist für eine vollberechtigte Macht, allein bevor sie demselben den Eintritt ins gelobte Land des Judenthums gestattet, verlangt sie, daß er das Paßvisa von Talmud und Rabbinen beibringe, (?) was natürlich nicht immer ohne Verzögerung, Bedingungen und Klauseln abgeht. Und ist diese zeitweilige Sonderung der beiderseitigen Bestrebungen und Maßnahmen nicht für beive Thcile gleich heilsam — und ist das nicht schon vor einem Jahre da das „Ehebündniß" geschlossen ward, deutlich genug ausgesprochen worden? Ist nicht gleichsam contractlich fcstgestellt worden, daß daS ehe - liche Leben so lange ausgesetzt bleiben soll, alS man sich noch auf einer unftaten Wanderung befindet, um erst dann in Kraft zu treten, wenn man am gemeinschaftlichen Ziele angelangi einen sichern und festen Hausstand zu gründen im Stande fein wird? Und in Wahrheit! Wir find keineswegs von blindem Enthusiasmus für die Reform-Genossenschaft eingenommen, wir können uns mit derselben nicht in allen Stücken in Einklang fühlen, ja wir glauben, daß manches zu corrigiren ist, aber das müssen wir doch gestehen, daß wie die hiesigen Zustände einmal sind — und der locale Gesichtspunkt muß doch vor Allem in Betracht gezogen werden—, vaß, sagen wir, die Reform. Genossenschaft kaum andere Schritte hätte thun können, als sie gethan hat, und daß, hätte sie sich von der Rabbincrversammlung ins Schlepptau nehmen lassen, sic vielleicht schon längst den Weg alles Fleisches gegangen wäre. Indische Zustände. (Aus vem Fürstenthuine Waldeck.) Sic wollen gern auch einmal erfahren, wie es bei unS aussieht, leider kann ich Ihnen aber nicht viel und noch weniger Erfreuliches berieten. Unsere Juden stehen im Ganzen noch auf einem sehr niedrigen Dildungsstandpunkte. Der Kleinhandel —um nicht zu sagen: Schacher — ist ihr Liebli'ngsgeschäft, und wo sie zu ihrer besseren Ernährung noch Oeconomie treiben oder treiben m-js. sen, bedienen sie sich meistens christlicher Dienstboten. Dem entspricht nun auch ihre schlechte staatliche Stellung, oder viel-

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