Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1846)
- Date
- 1846-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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sss Zudenthums austrete, welche auf einen andern, als den bisherigen Tag, die Sabbathsfeier festsetze. Geschichte des Tages. Fasset. Talmud. Rabbiner-Versammlung. Verwahrung. / (Frankfurt a. M., im August.) — Haben Sie gelesen, was Hr. Rabbiner Fasse! in Proßnitz den Koryphäen Ihres Blattes nachsagt, daß sie „talmudischer find als der Talmud"? (Orient, 1846, Nr. 32.) Gut, daß wir zu diesen Koryphäen nicht zählen. Aber eine Wahrheit proklamirt Hr. Fasse! bei dieser Gelegenheit, die niemand bestreiten wird, dem die altern und neuern jüdischen Zustände bekannt sind, daß nämlich der Talmud der gesammten löblichen Iudenheit eine offene Hinter, thüre fortwährend zeige, und wir weichen nur darin von ihm ab, daß er ihr diese zu fernerem beliebigem Gebrauche anempfiehlt, während wir der Meinung find, daß eS endlich Zeit fei, dem un» flätigen Gesellen daS Handwerk zu legen. Die nun beendigte dritte Rabbiner-Versammlung scheint zwar diese Stellung deS Talmuds der Iudenheit gegenüber erkannt, aber nichts dagegen gehabt zu haben, daß solche, wie an jenem Wirthshause inThümmels Reisen, als Aushängschild fortbestehe. (?) Wenn Herr Fasse! daher seinem Correspondenten und der ganzen Welt er. klärt, „daß er sich in der talmudischen Sphäre bewege", so dünkt uns sein Loos wenig beneidenswerth, und dürfte ihm die Bewegung in freier Luft zuträglicher sein. Uebrigens werden die Schreiben des Hrn. Fasse! nicht blos, wie sie im „Orient" (1816, Nr. 27) beantwortet find, „für die Lehser," sondern auch für die Schlaume und Schmuel dieses „geschätzten Blattes von In. teresse sein." Die letzten Nummern, 31 und 32, deS geschätzten Blattes theilen mit, daß die Redaktion desselben in Gemeinschaft mit der der gleich geschätzten Zeitschrift für die religiösen Interessen des IudenthumS ihren Mitarbeitern nach dem Sukkothfeste Senäervous zu Dresden geben, um dort inderCharakter-MaSke von Theologen aufzutreten. O, der selige Moment, wann Hr. Löw aus Groß-Kanifcha den Hrn. Klausprimator Ro. senfeld zu Mannheim von Angesicht zu Angesicht erblicken, wann Hr. Fürst, der polnische Aramäer, dem Hrn. Fürst I.XXVH die Hand reichen, wann Hr. Sachs, der Glogauer, von Hrn. Schott, dem Randegger, dessen famoses Machsor ohne Titelblatt (Literaturdlatt des Orients, 1846, Nr. 32), zur Einsicht überreicht erhalten, wann der mastige Meister Schiller aus Eperies den hinfäl. ligen Handelsmann Heß von Trier umarmen wird; wer das mit ansehen könnte! Da werden SalemS erschallen wie beim Neu. mondgebete in den Iudengassen, und die ohnehin etwas morsche Dresdener Drücke wird vollends zusammenbrechen unter der Wucht der heranziehenden rabbinischen Gelehrsamkeit. Unser Hr. Aron Fuld war uns bereits als begabter Kinothsänger aus dem „Orient" bekannt, aber unfern Hrn. Beer Adler kannten wir früher nicht als Schriftsteller. Sie werden übrigens unsrer Gemeinde würdig erscheinen, und wie reisende jüdisch-englische Baronets ihren Schochet bei sich führen; Hr. R. Kirchheim wird sie begleiten. Im Ernste versprechen wir uns von dieser Theologen. Versammlung großes Vergnügen und eine folgenreiche Entwicklung; ja, wir sehen im Geiste eine Fraktion der Theologenmit einer Fraction der Rabbiner. Versammlung in den verlassenen Hallen dieser beiden Versammlungen fraternisiren, und den unwiderleglichen Beweis liefern, daß von da her allein den Juden nicht zu helfen ist, was uns längst klar war, weßhalb das wenig trostreiche Erg^bniß der diesjährigen Rabbiner - Versammlung uns nicht wie so viele andre in Verwunderung setzte. Wir haben schon einmal in diesen Blättern (1845, Nr. 11) bemerkt, daß es mit in der Absicht der hiesigen Neformfrennde gelegen, „den Rabbinen Gemeinden zu verschaffen und sie in den Stand zu setzen, ohne getrübten Blick in die Zukunft frei und redlich an das Werk der Reform zu gehen; denkgläubigen Rabbinen, deren schwierige und mißliche Lage man erkannte, sollte vorgearbeitet werden." Wenn wir die Reformgenoffrnschaft zu Berlin ausnehmen, wo ist es in Deutschland gelungen, eine Gemeinde heranzubilven, deren Rabbiner sich mit solcher Freiheit bewegen könnte? Allein dem hiesigen wäre dies noch möglich, aber nur weil er ohnehin von einem großen Theile der Gemeinde desavouirt wird. Freilich behauptet eine in hiesiger Oberpostamtö.Zeitung (Beilage zu Nr. 218, vom 9. d.) abgedruckte Verwahrung gegen die Rabb..Versammlung im Gegentheil, daß „die israelitischen Gemeinden Deutschlands eine höhere Stelle intellectueller Bildung einnähmen, von freierem Gesichtspunkte aus die Lehre und das Leben ansähen". DaS läßt sich von Individuen, Familien, Kreisen sagen, leider nicht von Gemeinden. Die in dieser Verwahrung gegen die in Breslau versammelt gewesenen Rabbinen vorgebrachten Anschuldigungen, daß sie „auf den Trümmern der uralten individuellen Denk, und Glaubensfreiheit sich eine priesterliche Autorität anzumaßen, Vernunft und Aufklärung durch leeres Gaukelspiel zu ersetzen, den gesunden Sinn des Volks durch eitle Redensarten zu berücken und den sich allenthalben regenden bessern Geist, als ihren hierarchi. schen Absichten hinderlich, im Keime zu ersticken suchten", sind of-